Schatzilie, Kätzchen, Dickerchen, Pupsi, Mausi, Hasi, Bärchen, Purzelchen schleichen sich unbemerkt in der Phase der Verliebtheit ein und bleiben darüber hinaus. Viele benutzen diese Namen auch außerhalb des Hauses. Als ich einmal bei einem Fußballspiel ein Paar miteinander reden hörte – „Bärchen hast du mal geschaut was der kleine Schatz hat?“ … „ja Mäuschen, ich schau mal nach“ – lief mir ein kalter Schauer über den Rücken.
Besonders Männer, die mit solchen verniedlichenden Tiernamen bezeichnet werden, fühlen sich mit der Zeit entmännlicht, ohne dass es ihnen bewusst wird. Manche Kosenamen zerstören den gesunden erotischen Abstandzwischen den Partnern und ruinieren regelrecht die Erotik und die Anziehungskraft.
Auch Kosenamen für die Geschlechtsteile, wie Liebeshöhle, Lustgrotte, Muschi, Feuchtgebiet, kleiner Mann, Latte, Nudel oder Rohr töten langfristig die Lust auf Sex. Viele Männer erzählen mir, dass der oft benutzte Name „Muschi“ ihnen auf die Nerven geht und total unromantisch klingt. Wer will schon in ein Feuchtgebiet gehen, wer will schon seinen Penis in eine Höhle stecken? Solche Namen können die Lust zum Erliegen bringen, ohne dass die Partner wissen, warum der andere keine Lust mehr hat.
Manche Partner fangen an, sich gegenseitig „Papa“ und „Mama“zu nennen, wenn sie Eltern geworden sind. Unbewusst wirken diese Namen sehr effektiv auf den Menschen. Wie kann ich mit jemandem, den ich Mama nenne, schlafen? Wie kann ich mit meiner Mama schlafen? Wie kann ich mit meinem Papa schlafen? So erlischt die Lust aufeinander, ohne dass es dem Paar bewusst wird.
3.2 Distanzlosigkeit und zu viel Harmonie, zu lieb sein
Distanzlosigkeit ist ein weiterer Faktor, der Lust töten kann! Wenn Partner alles teilen wollen und einfach alles vom Anderen wissen wollen, keine kleinen Geheimnisse für sich haben, jeden Tag, jede Minute zusammen sind, usw. kann das das sexuelle Interesse völlig abflauen lassen.
Sie wollen, wie es in der Bibel beschrieben wird, ein einziger Körper, eine einzige Seelewerden. In der Bibel steht: „Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und es werden die zwei ein Fleisch sein – so dass sie nicht mehr zwei sind, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“ (Mat. 19,5+6) . Daran sieht man, woher dieses Verhalten besonders in den westlichen Kulturen kommt: Es ist ein anerzogenes Verhalten mit christlichem Einfluss. Als Liebeszeichen oder Beweis dafür, dass Paare zusammenpassen, wird nur anerkannt, dass sie die gleichen Interessen haben, dass der eine zum anderen wird.
Es geht so weit, dass bestimmte Schamgrenzen überschritten werden.
Er sitzt zum Beispiel auf der Toilette und erledigt sein Geschäft, während sie nackt mit einer Gesichtsmaske neben ihm steht und sich dabei die Beine rasiert! Es gibt überhaupt keine Geheimnissemehr voreinander und schon nach sechs Monaten der Beziehung gibt es nichts Neues am anderen mehr zu entdecken! Man teilt alle Stimmungen, alle Freunde, jede Minute, das gleiche Bett – auch wenn man sich seit Tagen ständig streitet und sich nicht mehr riechen kann, auch wenn das Schnarchen des Partners stört – man zeigt sich ständig nackt voreinander, alle Hobbys werden aufeinander abgestimmt und man macht nur noch gemeinsam etwas.
Sobald das Telefon klingelt, kommt die Frage : „Wer war denn das, Schatz? Was wollte er denn?“ Ja, der Partner muss alles genau wissen. Du bist dein Partner und dein Partner ist du.
Es gibt keine zwei „Ichs“ mehr, sondern nur noch ein einziges „Wir“: „Wir können heute nicht mit euch ins Kino gehen, wir haben Kopfweh, wir haben Bauchschmerzen, uns ist schlecht...“ Selbst Visitenkarten tragen beide Namen!
Dieses Aufgeben der Privat- und Intimsphäre
und zu viel räumliche und körperliche Nähe ohne
Geheimnisse machen den Partner sehr schnell
total uninteressant und töten die Lust.
Die Lust hat mit Triebzu tun. Trieb hat mit Begierde zu tun, Begierde hat mit Erobernzu tun. Alle diese Dinge gehen unter, wenn es zwischen zwei Personen keine Distanz mehr gibt.
Zu viel Harmonie schwächt die Lust. Wo es keine Reibung gibt, kann kein Feuer entstehen. Wenn alles immer nur und viel zu harmonisch läuft, wenn es eine totale harmonische Fusion gibt, wenn man sich auf allen Ebenen versteht, wenn man jeden Streit, jede Auseinandersetzung vermeidet, wenn aus Angst alles bleibt, wie es ist, wenn alles Routine ist, lässt die Kraft der Lust nach. Es gibt keine Spannungenund kein Funke springt über. Am Ende ist man wie Bruder und Schwester, die im selben Bett schlafen. Unsere moderne und christlich geprägte Kultur hat uns gelehrt, dass Sex und Liebe eine Einheitsind. Die Natur des Menschen enthüllt jeden Tag Beweise, dass es überhaupt nicht so ist; aber der Mensch kann sich aus diesen gesellschaftlichen und moralischen Zwängen nicht befreien. Ein Machtkampf entsteht in einem selbst. Besonders bei Frauen ist das deutlich, da die Männergesellschaft zusätzlich Druck ausübt. Alle diese wechselhaften Gefühle im Menschen und der Druck, alle Liebeselemente in sich vereinen zu müssen, lassen die Lust erschlaffen, genauso wie die Distanzlosigkeit.
Diese überromantisierte Vorstellung von Liebe, die
sich in Distanzlosigkeit in der Beziehung zeigt, führt
dazu, dass die Lust am anderen schneller stirbt als
die Liebe wachsen kann.
3.3 Die Konsumliebe tötet die Libido sehr schnell
Überall, aber besonders in den westlichen Ländern, ist die Liebe ein Konsumgut geworden. Sie ist mit Genuss und mit dem Leib verknüpft. Wir verwechseln wahre Liebe mit „ Leibliebe“, die wir am häufigsten leben und erleben. Sie muss schnell gehen, sie muss perfekt sein, sie muss sofort genießbar sein, sie ist zielorientiert, sie ist konditioniert und beeinflussbar. „Wenn es mir passt, liebe ich, wenn es mir nicht passt und es mir keine Vorteile bringt, liebe ich nicht.“ Wie eine Hose, die man in einem Kaufhaus kauft: Sobald die Hose nicht mehr gefällt, wird sie weggeworfen und die nächste kommt. Je modischer, desto schöner und besser. Die Liebe wird zur Modeund wird wie eine Ware definiert: „So soll meine Liebe sein, so soll sie aussehen, so will ich lieben“ usw. Dies sind die Merkmale unserer Vorstellung von der Liebe. Heute lieben wir, morgen hassen wir die Person, die wir gestern angeblich noch geliebt haben. Man bemüht sich nicht mehr richtig umeinander, wenn man jederzeit eine neue Liebe „kaufen“ kann.
Diese Art von Liebe macht die Menschen
gleichgültig, wenn sie im Liebesempfänger keinen
Profit für sich selbst erkennen, und die sexuelle
Lust auf das geliebte Objekt erlahmt.
4. Verlust der Weiblichkeit, Unterwerfung oder Vermännlichung der Frau, Verweiblichung des Mannes, Rollenverwirrung in der Beziehung
Die Weiblichkeit stärkt die Sexualität der Frau, sie strahlt sie aus und lässt die Lust in der Luft tanzen.
„ Ohne Weiblichkeit keine erfüllte Sexualität bei der Frau“ , sagte uns unser Vater. „Eine echte emanzipierte Frau, ist eine Frau, die voll zu ihrer Weiblichkeit steht und nicht eine Frau, die sich Männereigenschaften aneignet. Eine starke Frau ist eine Frau, die ihre eigene Sexualität kontrolliert“ , fügte er hinzu.
Der Verlust der Weiblichkeitwirkt sich in vielen Weisen negativ auf die Sexualität der Frau selbst und auch auf die des Mannes aus. Eine Frau, die sich ständig Männereigenschaften aneignen will, wird sehr bald Schwierigkeiten mit ihrer Sexualität haben; sei es, dass sie sich selbst so unter Druck setzt, dass sie sich nicht mehr fallen lassen kann ( zu viel Kontrolle), dass sie die weiblichen Dinge an sich selbst hasst, einen lieblose Umgang mit dem eigenen Körper pflegt, auf den Mann nicht mehr sexuell attraktiv wirkt oder auch, dass sie durch Vermännlichung den Trieb des Mannes als Jäger gelähmt hat.
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