Setzt man den Kindern keine Grenzen, gibt man ihnen die Macht zu Hause, bestimmen sie über ihre Eltern und werden gar Eltern der Eltern, lernen sie auch nicht, Grenzen wahrzunehmen, anzuerkennen und zu respektieren, sowohl äußere wie innere Grenzen. Eine solche Erziehung bereitet die Kinder nicht auf das wahre Leben vor, das ständig Grenzen aufzeigt, die den Erwachsenen dann völlig unvorbereitet treffen. Es hat nicht gelernt, Grenzen zu überwinden, sich anzustrengen, um etwas zu erreichen und zu bekommen, denn meist werden in einer Erziehung ohne Grenzen auch keine Leistungen eingefordert. Da dem Kind außerdem nie beigebracht wurde, die eigenen inneren Grenzen zu spüren und zu respektieren, wird es diese auch als Erwachsener drastisch überschreiten, um doch noch irgendwie mit diesem wahren Leben fertigzuwerden. Es wird für ihn zu viel sein.
Das ist, was ich "Fallschirmerziehung" nenne, weil das Kind ohne Vorbereitung - wie bringe ich Leistung so, dass ich äußere Grenzen überwinden kann, aber meine inneren respektiere und schütze - in das Leben in der echten Welt gestoßen wird und dort dann alleine zurechtkommen muss. Dieses Beispiel mit Leistung können wir auf andere Bereiche ausdehnen. Wenn Kinder nicht gelernt haben, dass soziale Kompetenzen und Werte wie Respekt, Empathie, Zuhören, Pünktlichkeit, Diplomatie, Geduld, Ausdauer, Arbeit, Fleiß, Sauberkeit, angenehm sein, Demut, Dankbarkeit und nicht das, was sie zu Hause gelernt haben (sie bekommen was sie wollen auf Knopfdruck, sie tun zu Hause, was sie wollen, wann sie wollen, wie sie wollen und bekommen immer zu hören „Schatz, ich liebe dich“) die wahren Faktoren sind, die ihr Glück da draußen in der Welt bestimmen werden, haben sie kaum Chancen und Möglichkeiten sich zurechtzufinden, das Leben zu leben, das sie glücklich macht. Sie ziehen sich zurück, wenn Konflikte auftauchen, sie sehnen sich nach Liebe und Nähe, doch wenn sie entsteht, können sie diese oft nicht ertragen, sie träumen immer vom Leben, das sie nicht haben, sie denken, dass sie viel mehr geben, obwohl man ihnen viel mehr gibt, sie denken immer zu kurz zu kommen, das falsche Leben zu leben, den falschen Mann zu haben, den falschen Beruf auszuüben, den falschen Körper zu besitzen. Das Leben wird für sie eine Last, der Job wird ihnen Druck, sie unzufrieden und die Beziehung und der Sex werden sie unglücklich machen, die Kinder und Familie eine Belastung für sie sein. Sie leben nicht mehr, sie überleben nur noch. Jeder Tag wird für sie eine Herausforderung. Die Folgen sind immens.
Symptome einer Fallschirmerziehung:
Minderwertigkeitskomplexe und geringes Selbstwertgefühl, negative Wahrnehmung, Schamgefühl, Ablehnung des Selbst.
Der Fallschirmerziehungsstil hat einen direkten Einfluss auf das Selbstwertgefühl, die Anfälligkeit zum Minderwertigkeitskomplex, die negative Selbstwahrnehmung und das erhöhte Schamgefühl.
Scham ist eine kraftvolle und lähmende Emotion, die tief in der Psyche und im Selbstverständnis verankert wird.
Verlust an Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein.
Geringer Selbstachtung.
Pessimismus, negative Gedanken.
Höheres Risiko für psychische und psychologische Störungen, negatives Denken und Depressionen.
Als Fallschirmkinder leiden Kinder viel häufiger an psychischen Störungen. Fallschirmkinder haben ein höheres Risiko für Depressionen, denken negativ und haben negative Ansichten über ihre Beziehungen. In vielen Fällen werden diese Kinder mehrmals in ihrem Leben einen Psychologen aussuchen.
Generalisierte Angst und Unsicherheit.
Beziehungsunfähigkeit: Gescheiterte Beziehungen.
Überforderung und Anfälligkeit für Antrieblosigkeit.
Anfälligkeit zum Pessimismus und negative Einstellung im Leben.
Anfälligkeit für Kontrollprobleme und Rebellion.
Kinder, die einer zu laschen oder strengen Disziplin ausgesetzt sind, können Probleme mit der Kontrolle, Anordnungen, Anforderungen anderer, Zwangsstörungen und anderen ängstlichen Verhaltensweisen haben, sowie die Mentalität, dass die Welt gefährlich oder zu streng ist.
Emotionale und Verhaltensprobleme, sowie unbegründete Ängste.
Anfälligkeit für schlechte Ernährung (viel Zucker).
Anfälligkeit für Krankheiten, wie Migräne und Kopfschmerzen.
Anfälligkeit für Intoleranz.
Verwirrung, Wut, Aggressivität.
Sie schaffen Konfusionen in den Kindern.
Als Kind frech, als Erwachsener mutlos und gehorsam?
Sexuelle Verwirrung, Desorientierung und die Lustlosigkeit desorientiert zusätzlich.
Je mehr sie nicht wissen, wer sie sind, desto mehr verlieren sie die Lust auf partnerschaftlichen Sex.
Falsche Kanalisation der sexuellen Energie und des sexuellen Triebs.
Unzufriedenheit und Unbefriedigung.
Die sexuelle Verwirrung verstärkt alle anderen Folgen, die jetzt kommen.
Anfälligkeit für Burnout und Depression: Fallschirmerziehung führt zu Burnout.
Einführung: Ein netter Brief an Eltern: Liebe Eltern, süßes Gift
Kindliche Erfahrungen entscheiden stark in welche Richtung unsere Seelenströme fließen.
Ich bin der Meinung, dass psychische Verletzung und Körperverletzung nicht immer nur aktive oder bewusste Handlungen sein müssen, damit sie als solche eingestuft werden. Manche Erziehungsstile, wie wir im Laufe dieses Buch lesen werden, sind der Körperverletzung absolut gleichzustellen. Es spielt keine Rolle, ob es bewusst oder unbewusst passieren, ob man es nur gut ge-meint hat oder nicht, ob man es wusste oder nicht, ob man es aus Liebe, Mitgefühl, Fürsorge getan hat oder nicht. Tatsache ist einfach, dass manche Erziehungsstile dazu führen, dass Kinder seelisch und körperlich kaputtgehen, obwohl Eltern das Gegenteil wollten.
Hier ist ein Brief von einer Frau an Eltern. Dieser Brief thematisiert gut, was dieses Buch anspricht:
Wir Kinder, die Energielieferanten unserer Eltern
oder
Unsere Eltern, die unerkannte Macht, die uns am Glücklichsein hindert
Wie unsere Eltern uns krank machen, unsere Lebensenergie absaugen, unser Leid in ihr Glück verwandeln und das selbst, wenn wir weit jenseits der Kinderstube sind.
Langsam schneidet die Glasscherbe, die scharf ist wie eine Rasierklinge, die zarte Haut der jungen Frau. Zentimeter für Zentimeter durchdringt sie das Fleisch ihres Unterarms. Das Blut tropft ihr den Arm herunter. Sie spürt keinen Schmerz. Sie spürt nur Befreiung. Als sie fertig ist, ist sie reif für Nadel und Faden. Doch lieber schmiert sie sich Wundsalbe auf die schwere Verletzung und verbindet sich den Arm selbst. Zu groß ist die Scham. Was zurückbleibt, ist eine hässliche Narbe, die sie mühsam unter ihrer Kleidung versteckt. In Foren im Internet redet sie dann mit anderen Betroffenen über ihre Probleme. Sie schreibt, dass sie nicht weiß, was sie tun soll. Doch einer Sache ist sie sich sicher: Ihre Eltern dürfen davon nichts erfahren. Dass ihre Eltern der Grund für ihre selbstverletzenden Handlungen sind, weiß sie nicht. Sie kann sich nicht daran erinnern, dass sie als Kind niemals emotionale Nähe erfahren hat. Dass sich ihre Eltern nie intensiv mit ihr beschäftigt haben. Dass sich ihr Gehirn und dessen Funktionen daher anders entwickelten als es normalerweise der Fall ist. Sie weiß nicht, dass sie krank ist.
Mit schweren Gliedern und noch schwererem Kopf wacht der 25-jährige in seinem Bett auf. Alles dreht sich, er fühlt sich elend. Mühsam schleppt er sich ins Bad, wo er sich des vor drei Stunden verzehrten Döners entledigt. Bis nur noch Galle kommt und der Hals brennt. Zwei Stunden später wird er mit seinen Eltern im Restaurant sitzen, wo seine Mutter ihn vorwurfsvoll fragen wird, ob er wieder zu viel gesoffen habe. Verschämt, genervt und schuldbewusst wird er weg- schauen. Ein ganz normaler Sonntag. Warum er sich, seit er sechzehn ist, jedes Wochenende die Birne taub säuft, weiß er nicht. Die anderen machen es genauso. Dass er keine Liebe und keine Werte von seinen Eltern mitbekommen hat, die ihn an einem solchem Verhalten hindern würden, ist ihm nicht bewusst.
Читать дальше