Das habe ich mit meinen sicherlich bescheidenen literarischen Fähigkeiten gemacht und möchte diese Sammlung gerne anderen Menschen zugänglich machen, um diese Gleichnisse in gegebenen Situationen anwenden zu können, aber vor allem, um Anregungen und Mut zu bekommen, selber jederzeit weitere Parabeln passend zu einer Situation zu erfinden.
Eine Frau wurde zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie litt unter vielfältigen Formen von Demütigungen, wurde von anderen Gefangenen geschlagen, gefoltert und vergewaltigt. Nach 18 Jahren kam heraus, dass es sich um einen Justizirrtum handelte und sie wurde freigelassen. Der Richter, der die Freilassung verfügt hatte, war voller Mitgefühl und schämte sich für die Justiz und fragte die Frau, ob es etwas gäbe, mit der man das erlittene Unrecht wiedergutmachen oder zumindest lindern könne. Sie antwortete: „Ich wünsche mir nichts mehr für mich selbst. Mein Leben ist fast vorbei, ich möchte nur nach Hause. Aber falls eines Tages eines meiner Kinder eine Straftat begehen sollte, sollten Sie sich bei der Bemessung des Urteils daran erinnern, was ich erlitten habe, und Milde walten lassen.“
Tatsächlich war ein Sohn durch die lange Abwesenheit der Mutter auf die “schiefe Bahn“ geraten, und er wurde eines Tages bei einem Raubüberfall gefasst. Als er nun vor dem Richter stand, sagte dieser: „Junger Mann, Sie wissen, dass Sie etwas sehr Schlimmes getan haben und eine langjährige Haftstrafe verdient haben. Aber in Anbetracht der Jahre, die Ihre Mutter bereits unschuldig verbüßt hat, erlasse ich Ihnen Ihre Strafe.“
(Viele Menschen, besonders in Deutschland, verstehen nicht, was es bedeutet, dass Jesus für uns am Kreuz gestorben ist und somit an unser Statt die Strafe auf sich genommen hat. Um eine Ahnung davon zu bekommen, hilft diese kleine Parabel vielleicht.)
In einem Dorf im Norden Brasiliens herrschte große Verzweiflung. Eine Dürre hatte seit drei Jahren die Ernte vernichtet und die Menschen besaßen nichts mehr, um sich und ihre Kinder zu ernähren. Da rief eines Tages ein amerikanischer Regisseur beim Bürgermeister des Dorfes an und erklärte diesem, dass er einen Film über den berühmten Missionar Bruder Pedro drehen wolle, der in diesem Dorf geboren worden war. Der Bürgermeister dachte an die hungernden Dorfbewohner und erreichte, dass der Regisseur ihm zusagte für die Genehmigung, einige Szenen an den Originalschauplätzen im Dorf drehen zu dürfen, 30 Männer und Frauen aus dem Dorf als Statisten oder sogar für kleine Nebenrollen zu engagieren, wofür sie je nach Rolle 1000 bis 5000 Dollar erhalten sollten. Der Regisseur kündigte dem Bürgermeister an, dass er am übernächsten Donnerstag etwa um 10 Uhr vormittags auf dem einsamen Hügel über dem Dorfe, wo der Missionar von einer jungen Hirtin unter freiem Himmel geboren worden war, eintreffen werde, um vor dieser Originalkulisse der ersten Filmszene die 30 Leute auszuwählen. Er bat den Bürgermeister sicherzustellen, dass mindestens 30 Leute zu dem Treffpunkt erscheinen, da unverzüglich nach einem kurzen Casting, um die 30 Geeignetsten auszuwählen, mit den Dreharbeiten begonnen werden solle.
Am Donnerstagvormittag waren bereits um 9 Uhr rund 80 Dorfbewohner auf den Hügel gestiegen, was fast zwei Stunden steilen Aufstiegs bedeutete. Aber die Aussicht in drei Tagen so viel Geld zu verdienen wie sonst in mehreren Jahren, lockte alle Dorfbewohner auf den Hügel. Es wurde 10 Uhr, 11 Uhr, Mittag, die Sonne brannte auf den unbewaldeten Hügel und von dem Regisseur und seinem Team fehlte jede Spur. Einige Männer hatten für sich und ihre Familie wenigstens eine Wasserflasche mitgenommen, aus der sie in kleinen Schlucken tranken. Sie hatten damit gerechnet, dass es bei einem Flug von den USA nach Rio, einem Anschlussflug in den Norden Brasiliens und einer umständlichen Anreise bis zu ihrem entlegenen Dorf sowie den Zollformalitäten für das ganze Filmgerät immer zu Verzögerungen kommen kann, die im Extremfalle sogar zum Verpassen des Anschlussfluges usw. führen können.
Die anderen Menschen, die völlig unbedacht ohne Wasser oder Nahrung losgezogen waren, baten nun die anderen um Wasser. Aber diese antworteten: “Wir haben nur eine Flasche für die ganze Familie, die in der Hitze kaum für uns reicht. Wenn wir das Wenige teilen, wird es für niemanden genug sein und am Abend werden wir so ausgezehrt sein, dass uns für die Dreharbeiten die Kraft fehlt. Da müsst ihr euch schon selber Wasser holen gehen.”
Der Nachmittag wurde immer heißer und schließlich blieb denjenigen, die so unklug ohne Vorkehrungen losgezogen waren, nichts anderes übrig, als ins Dorf hinunter zu wandern, um wenigstens vor Einbruch der Dunkelheit noch wieder den felsigen Wiederaufstieg zu bewältigen. Gerade als diese Leute nun ihren Durst im Dorf stillten und sich ebenfalls Wasserflaschen fertig machten, traf das Filmteam mit vier Hubschraubern ein. Der Regisseur sah die Schönheit der Landschaft mit der untergehenden Sonne und hatte spontan die Idee, diesen Sonnenuntergang mit den Bewohnern zu filmen. Deshalb war Eile geboten. In der Rekordzeit von 13 Minuten stand das Filmteam mit allen Kameras bereit. Der Regisseur verzichtete auf das Casting, verpflichtete auf der Stelle alle 36 Bewohner, die sich noch auf dem Hügel befanden und wenig später lagerten alle bereits im Halbkreis vor der untergehenden Sonne dem Missionar, der von einem amerikanischen Schauspieler gespielt wurde, in einer aufrüttelnden Rede zu lauschen.
Als zwei Stunden später die anderen fast 50 Bewohner eintrafen, weigerte sich der Regisseur, noch weitere Personen zu verpflichten, da er bereits genug hatte und außerdem die Darsteller sich nicht mitten in der Handlung des Filmes ändern können.
(Jesus hat eine ähnliche Parabel erzählt (siehe Matthäus 25), die uns ebenso dazu animieren soll, immer wachsam und auf ein Treffen mit Gott und besonders die Ankunft Jesu am Ende der Welt gefasst zu sein. Jesus wählte dazu die Geschichte von zehn Jungfrauen, die auf einen Bräutigam warten, so wie die Christen auf die Rückkehr Jesu warten. Da dieser Hochzeitsbrauch uns heute völlig unverständlich ist, hätte Jesu sicherlich in der heutigen Zeit ein ganz anderes Gleichnis erfunden, um den Zuhörern die Wichtigkeit der richtigen Vorbereitung nahezubringen.)
Es war einmal ein Land, in dem herrschten große Gegensätze; in einigen Gegenden herrschte Bürgerkrieg, in anderen Hunger. Aber es gab auch reiche Gegenden, doch auch hier waren die Menschen unglücklich, fanden keine rechten Ehepartner, benutzten Drogen, suchten das schnelle Vergnügen und fanden doch nur dumpfe Betäubung ihrer inneren Leere. Die meisten machten alles falsch, heirateten den falschen Lebenspartner, trafen andere fatale Entscheidungen und zerstörten so ihr Glück.
In diesem Land lebte ein wohlhabender Mann, der anders war, weil er in die Herzen und Gedanken der Menschen schauen konnte und darüber hinaus prophetische Gaben besaß. Daher hatte er für sich eine ideale Partnerin gefunden. In seinem Betrieb arbeiteten die ehrlichsten und besten Mitarbeiter und alles gelang ihm zum Besten. Davon profitierten ebenfalls seine Kinder, denen er die besten Ratschläge geben konnte, so dass sie in allem die richtigen Wege fanden. So hatten sie Spaß an ihrem Beruf, fanden gute Ehepartner und treue Freunde ohne jegliche Falschheit.
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