Nicht ein Blättlein ging verloren und das sollte doch das Wichtigste sein, aber nein, da machte Madame so ein Fass auf.
Mir war ganz anders, als sie so wutentbrannt vor mir stand. Ihr eigentlich sehr liebliches Gesicht war vor Wut so verzerrt, dass man Angst bekommen musste, und im ersten Moment war mir nicht klar, wie ich reagieren sollte. Ich kam mir vor wie ein kleiner Junge, der beim Stehlen erwischt worden war. Diese Unbeholfenheit kannte ich so eigentlich nicht von mir, aber irgendwie hatte diese Frau es geschafft, mich nervös und zugleich unbeholfen zu machen. Vielleicht lag es daran, dass ich ihr solch einen Zorn niemals zugetraut hätte.
Aber Grace hatte mir schon gesagt, dass es nicht leicht werden würde mit Eve. Grace war die Lebensgefährtin von meinem Onkel Jakob. Er war etwas über fünfundzwanzig Jahre lang ihr Lieferant gewesen und irgendwann entstand mehr daraus. Seit etwa einem Jahr waren sie ein Paar und ich war froh darüber. Zu lange hatten beide nur für ihre Arbeit gelebt. Ja, und nun hatten sie sich gemeinsam auf Weltreise begeben. Mein Onkel meinte eines Morgens nur, dass er es satt hätte, nur fürs Arbeiten zu leben.
Es wäre nun an der Zeit, die Firma aufzugeben, so seine Worte. Er überschrieb mir dann seinen kompletten Kundenstamm und zog sich vollständig aus dem Arbeitsleben zurück. Leisten konnte er es sich, Jahre hatte er gearbeitet, war nie im Urlaub gewesen und hatte jeden Cent gespart. Nun war es an der Zeit, zu leben!
Aus irgendwelchen Gründen wollte Grace Eve davon nichts erzählen. Sie meinte nur, dass sie ein schlechtes Gewissen hätte, wenn Eve mitbekommen würde, dass sie glücklich wäre. Merkwürdig, welcher Mensch freute sich denn nicht für den anderen, wenn dieser Glück im Leben hatte. Man könnte meinen, Eve Martens wäre eine besitzergreifende und neidzerfressene Person. Aber als ich Grace meine Meinung dazu sagte, erzählte sie mir die gesamte Lebensgeschichte von Eve. Danach konnte ich einiges etwas besser nachvollziehen.
Als die Reise der beiden gebucht war, kamen sie mit der Bitte zu mir, dass ich mich um Eve kümmern sollte. Ja, so kam es dazu, dass ich der Lieferant von Eves Blumenladen geworden bin. Anfangs nicht gerade begeistert darüber, Babysitter für jemanden zu spielen, sagte ich dann doch zu. Ich konnte meinem Onkel diesen Wunsch nicht abschlagen, denn ich wusste, wozu es führen würde. Grace würde Eve niemals alleine lassen und nur unter der Vorausetzung, dass ich mich um sie kümmern würde, buchte sie schließlich die Reise.
Ich begann, Eve heimlich zu beobachten, und nahm es mir zur Aufgabe, mehr über diese geheimnisvolle Person zu erfahren. Ich wollte einfach vorbereitet sein auf die erste Begegnung, aber der Schuss ging wohl eher nach hinten los. Täglich musste ich Grace darüber informieren, wie es Eve ging.
Tja, was sollte ich nach solch einem Start heute schreiben? Sicherlich wäre sie nicht erfreut, zu hören, dass ich gleich zu Beginn einen schlechten Eindruck bei Eve hinterlassen hatte. Nun, ich konnte nichts mehr an dieser Situation ändern, aber ich nahm mir vor, es wiedergutzumachen.
Vielleicht würde sie meiner Aufforderung nachkommen und riefe mich an. Wobei, so wie sie mir beschrieben wurde, würde das wohl eher nicht passieren. Grace meinte, dass Eve sich nur für ihre Blumen interessieren würde.
Sie hatte offenbar keine Freunde und Verwandte und mit ihren Eltern wollte sie wohl nichts zu tun haben. Etwas merkwürdig war das schon, aber vielleicht könnte ich sie ja mit meinem Charme aus der Reserve locken. Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht schaffen würde. Ich würde künftig einfach behutsamer mit ihrer Lieferung umgehen müssen, sie anlächeln und mit etwas Humor käme ich bei ihr bestimmt weiter. Das klappte immer!
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