Ein deutlich besserer Indikator ist hier die Häufigkeit der Ausschreibung derselben Stelle. (Dies ist, soweit ich das sehe, aber auch der einzige Vorteil, über einen langen Zeitraum regelmäßig Anzeigen zu scannen.) Denn im Gegensatz zu „Dauerbrennern“ in den Stellenanzeigen, die ich nur als Werbung abstempele, fällt doch auf, wenn ein bestimmtes Unternehmen jedes halbe Jahr bis Jahr dieselbe Position ausschreibt. Quasi immer zum Ende der Probezeit bzw. des ersten Vertragsjahres. In diesem Fall werde ich misstrauisch. Natürlich ist mir bewusst, dass nicht viele monate- oder jahrelang vor einem Wechsel die Jobbörsen prüfen, um Arbeitgeber mit hoher Fluktuation auf der gesuchten Position zu identifizieren. Aber wer kann – oder, wie ich, musste – sollte darauf achten.
Etwas anderes sind die erwähnten Dauerbrenner. Manche Firmen nutzen Stellenanzeigen quasi als Werbeflächen. Sozusagen, damit Sie den Namen einmal gehört haben. Nicht immer schalten die Unternehmen dabei aber Anzeigen, die im Voraus für ein Jahr gebucht werden. Es kann daher gut sein, dass Sie eine Bewerbung verschicken und der perfekte Kandidat wären, nur ist die Stelle tatsächlich gar nicht zu besetzen. Rechnen Sie mit ca. 15% Werbe-Anzeigen.
Dennoch dauert es auch bei den ernst gemeinten Ausschreibungen hin und wieder lange, bis diese aus den Stellenbörsen verschwinden, zum Teil aus den oben genannten Hürden. Es ist für Sie als Außenstehenden daher nicht möglich, zu unterscheiden, was hinter eine Anzeige steckt. Daher habe ich mich immer beworben, wenn mich die Stelle interessiert hat. Weniger als eine Absage kann es nicht werden.
Ich habe mir einmal den Spaß gemacht, nach einer Absage bei einem Unternehmen, das dieselbe Position (inzwischen jahrelang!) ausschrieb, nachzufragen, ob ich nicht die Arbeit machen könne, bis der perfekte Kandidat gefunden sei. Die Antwort: zum einen habe man dermaßen viele Bewerber, dass sich der Prozess auf Grund der Fülle ziehe. (Ja, ok, aber warum sollte man dann noch Geld für die weitere Schaltung der Anzeige zahlen, zumal durch die sich anhäufenden Bewerbungen überflüssiger Aufwand entsteht???) Zum anderen sei man an einer langfristigen Lösung interessiert, weshalb es nach außen durchaus einen zähen Eindruck machen könne.
Ob das wirklich ernst gemeint ist? Sollte dem so sein, steht der deutsche Perfektionismus der Produktivität im Weg. Oder liegt es daran, dass es hierzulande immer noch dramatisch ist, in der Probezeit doch herauszufinden, dass man nicht zusammen passt? Spoiler: Was bei den Stellenanzeigen beginnt, setzt sich in den Gesprächen fort…
Ich weiß, Einarbeitungszeit kostet Geld. Nicht gemachte Arbeit bzw. Aufgaben, die liegenbleiben, allerdings auch. Vielleicht können sich Firmen ein solches Verhalten aber leisten, weil es immer Kollegen gibt, die sich, gutmütig und zum Wohle der Firma, für zusätzliche Arbeit einspannen lassen. Ich habe Menschen gesehen, die nach monatelanger Arbeit für drei kurz vor dem Burn-out standen. Logischerweise. Wurde es ihnen gedankt? Nein. Firma hat Geld gespart, prima. Auf dieser Seite der Rechnung stehen nur die Lohnsausgaben, nicht die Gewinne, die man durch bessere Kundenbetreuung o.ä. mit mehr – und dadurch aufmerksameren – Beschäftigten hätte zusätzlich erwirtschaften können. Aber zu diesem Thema kommen wir noch.
Ist jedenfalls eine Anzeige ansprechend und können Sie sich mit dem Unternehmen anfreunden, ist der nächste Schritt die Bewerbung.
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