Nur allzu oft lassen wir uns von Dingen mitreißen, die uns nicht guttun. Und die auch nicht unsere eigene individuelle Angst widerspiegelt.
Auch die neuen Regeln wie: Hände waschen, Abstandsregel und Maskenpflicht erfüllten einige Menschen mit Angst. Von einem Tag auf den anderen sollten wir unser Verhalten ändern. Das löste in vielen von uns Unsicherheit aus. Was wiederum Ängste auslösen kann.
Ist das jetzt die neue Normalität?
Der Mensch ist nicht dazu gemacht sich von seiner eigenen Art abzuwenden und Abstand zu halten. Doch plötzlich wurde genau das von uns erwartet. Und auch hier konnten wir nur hilflos danebenstehen und zuschauen, wie sich alles um uns herum veränderte.
Durch die Quarantäne lernten besonders Singles die Einsamkeit kennen. Andere konnten ihre Familien nicht mehr besuchen. Und auch das Leben, wie wir es vorher kannten, gab es in dieser Zeit nicht mehr. Keine Partys, keine Treffen mit Freunden und auch mal eben so ins Kino zu gehen, war nicht mehr möglich.
Dass solche starken Veränderungen Ängste auslösen, ist also mehr als verständlich.
Darum ist es besonders in solchen Zeiten wichtig, sich seinen Ängsten zu stellen.
Warum habe ich Angst?
Wovor habe ich Angst?
Habe ich überhaupt Angst oder fühle ich mich nur hilflos?
Ist meine Angst berechtigt?
Was kann ich gegen meine Angst tun?
Welche Möglichkeiten habe ich, mich meiner Angst zu stellen?
Wie viel von der Angst ist meine und wie viel Angst habe ich von den anderen übernommen?
In Zeiten der Angst ist es durchaus möglich, sich dieser zu stellen und die Angstkurve runterzubekommen. Um das zu schaffen, müssen wir uns unserer Angst bewusst sein und schauen, welche Möglichkeiten wir haben, uns dieser zu stellen.
Wenn es zum Beispiel die Angst vor der Veränderung ist, müssen wir uns fragen:
Warum habe ich Angst vor der Veränderung?
Warum wehre ich mich so dagegen?
Ist es das neue Unbekannte?
Oder habe ich Angst davor mein altes Leben zu verlieren?
Beantworte diese Fragen für Dich und finde heraus, wovor Du wirklich Angst hast. Gehe dann in den Dialog mit Dir und überlege, was Du gegen diese Angst tun kannst.
Hast Du vielleicht Angst davor Dein altes Leben zu verlieren? Dann frage Dich:
Verliere ich mein altes Leben denn wirklich?
Kann ich nicht trotzdem noch einige Dinge tun, die ich vorher gerne getan habe?
Ist es wirklich so schlimm, sich auf was Neues einzulassen?
Werde ich dadurch vielleicht sogar ganz neue Erfahrungen sammeln können?
Kann es nicht sogar sein, dass etwas Neues auch etwas Gutes mit sich bringt?
Diskutiere dies solange mit Dir aus, bis Du zum Kern vorgedrungen bist. Mit jeder weiteren Frage, die Du stellst und jeder Antwort, die Du darauf bekommst, erfährst Du mehr über Dich und kommst so der Ursache Deiner Angst immer näher.
Zu Anfang können die Dialoge mit Dir selbst noch etwas holprig sein, doch mit der Zeit wirst Du lernen immer besser in Kontakt mit Dir zu treten und Deine Angst aufzuspüren.
Wenn es die Angst vor der Veränderung ist, kannst Du Dich ihr stellen, indem Du die Veränderung einfach zulässt oder, wenn es Dir möglich ist, Du selbst die Dinge änderst. In beiden Fällen musst Du Dich aber auf eine Veränderung einlassen.
Denke immer daran:
Veränderungen können auch etwas Gutes bedeuten.
Wie schon im vorherigen Kapitel beschrieben, können Ereignisse von außen Ängste in uns auslösen.
Das sind zum Beispiel Ereignisse wie 9/11, Finanzkrisen oder so etwas wie die Coronakrise. Diese Auslöser sind in den seltensten Fällen auch die Ursache unserer Angst.
Wie sagt man so schön: Es ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Denn oftmals sind die Ängste, die dann hervorkommen, schon in uns verwurzelt. Und es reicht ein Auslöser von außen, um diese Ängste hervorzuholen.
Auf der anderen Seite kann es natürlich auch passieren, dass ein bis dahin angstfreier Mensch ganz plötzlich Ängste entwickelt, da schlimme Ereignisse von außen einen Menschen traumatisieren können. Ganz plötzlich wird er mit einer Situation konfrontiert, die sein Leben und sein Denken auf den Kopf stellt.
Ohne Vorwarnung ist der eigene Tod oder die Angst vor einer Krankheit zu einem Thema geworden mit dem der Betroffene sich auseinandersetzen muss. All das kann Ängste in uns auslösen, mit denen wir uns zuvor noch nicht beschäftigt haben.
Finanzkrisen bedrohen zum Beispiel unsere Existenz, Pandemien unsere Gesundheit und Terror unser Leben. Auch wenn die Dinge weit weg von uns passieren, wird uns doch bewusst, dass es uns jederzeit treffen kann.
Was, wenn mir das passiert wäre?
Was, wenn meinen Liebsten so etwas zugestoßen wäre?
Ich könnte mein Haus verlieren!
Ein Virus ist stark ansteckend. Was, wenn ich mich anstecke?
Ich bin in Gefahr!
Es kann auch mich jederzeit treffen!
Mein Leben, meine Existenz, alles kann in sich zusammenbrechen!
Was passiert, wenn…?
Was soll ich tun…?
Was, wenn…?
Doch nicht nur Ereignisse von außen können Ängste in uns auslösen. Nicht selten sind es traumatische Erfahrungen aus unserem Leben, die uns irgendwann wieder einholen. In den meisten Fällen reichen dann schon kleine Auslöser aus, um diese Ängste nach oben zu holen.
Jobverlust, das Ende einer Beziehung, Tod im Umfeld, Krankheit oder manchmal reichen sogar Gerüche oder Bilder im Kopf aus, die etwas in uns auslösen können.
Zu Anfang halten wir oft den Auslöser für den Grund der Angst. Ein Auslöser ist und bleibt aber nur ein Auslöser. Nur selten ist es der Grund.
Die Ursache der Angst ist oftmals eine andere. Um die Ursache zuverlässig herauszufinden, hilft in der Regel eine Therapie.
Denn nur, wenn wir uns unseren Ängsten stellen, können wir uns auch von ihnen befreien.
Existenzangst ist eine weitverbreitete Angst in den Industrieländern. Denn je mehr wir haben, desto mehr haben wir auch zu verlieren.
Warum ist es uns so wichtig immer mehr von allem zu haben, wenn doch dadurch nur unsere Angst wächst, es auch wieder zu verlieren?
Und warum entwickeln wir die Angst das Erreichte wieder zu verlieren, statt uns daran zu erfreuen etwas erreicht zu haben.
Viele kämpfen ihr ganzes Leben lang dafür, sich etwas aufzubauen, auf das sie sich irgendwann einmal ausruhen können. Sich etwas Eigenes aufzubauen oder im Job hochzuarbeiten bedeutet oftmals sehr viel Arbeit und Investition in etwas mit dem wir uns irgendwann einmal belohnen wollen. Und wenn wir dann irgendwann an diesem Punkt angelangt sind, wollen wir die Früchte unserer harten Arbeit auch genießen.
Leider kommt es im Leben aber oft anders. Dann ist genau das wofür wir so hart gearbeitet haben in Gefahr. Sei es durch Kunden, die nicht bezahlen, sinkende Verkaufszahlen oder auch Einflüsse von außen wie eine Wirtschaftskrise oder ein Lockdown. Alles wofür wir all die Jahre gearbeitet haben, kann mit einem Mal zu Grunde gerichtet werden. Wir stehen ganz plötzlich vor dem Nichts. Dass so eine Situation Angst auslösen kann, ist normal.
Was passiert jetzt mit mir? Und mit meiner Familie?
Was soll ich jetzt tun? Wo soll ich denn hin, wenn mir alles genommen wird?
Was bleibt mir am Ende noch?
Habe ich alles verloren?
Wie soll es weitergehen?
Wie soll ich denn jetzt die Miete/den Abtrag zahlen?
Inwieweit ist mein Überleben noch gesichert?
Diese und noch ganz andere Fragen schwirren uns in solchen Momenten fast durchgehend durch den Kopf. Und nur selten haben wir in dem Moment Antworten darauf. Und genau das ist es, was die Angst in uns auslöst. Wir stehen vor einer Situation, in der wir nicht wissen wie es weitergeht.
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