Jemand sagte mal zu mir:
»Der Mensch gewöhnt sich an alles, auch an das Schlechte.« Durch die Menge der schlechten Nachrichten haben wir uns mittlerweile auch schon an diese gewöhnt. Trotzdem machen diese Nachrichten etwas mit uns, denn sie beeinflussen uns nicht nur bewusst, sondern auch unbewusst. Die Angst vor Terroranschlägen hat sich in uns festgebrannt und wir können ihr nur schwer entkommen. Und wenn uns die Medien mal eine kleine Atempause gönnen, ist es die Werbung, die uns suggerieren will, was wir unbedingt haben müssen und was wir alles für ein glückliches Leben brauchen. In der heutigen medialen Welt werden wir quasi rund um die Uhr von außen beeinflusst. Vielerorts bemerken wir diese Beeinflussung schon gar nicht mehr. Es ist unsere Normalität geworden. Wir brauchen auch gar nicht mehr selbstständig zu denken, denn das wird uns mittlerweile fast überall abgenommen. Es werden uns Meinungen, Wünsche und Bedürfnisse vorgesetzt und wir nehmen sie oftmals an, in dem Glauben, dass es unsere Meinung und unser Bedürfnis ist. Haben wir durch dieses Verhalten verlernt uns eine eigene Meinung zu bilden?
Was will ich wirklich? Was brauche ich?
Und was brauche/will ich nicht?
Wer bin ich überhaupt?
Wo will ich hin?
Woher weiß ich, dass ich dieses Produkt wirklich brauche und ich nicht nur wieder einer Beeinflussung erliege?
Bin ich wirklich der Meinung, dass wir einer Klimakatastrophe entgegensteuern oder plappere ich nur wieder dem Mainstream nach?
Was weiß ich überhaupt über das Klima?
Wie gut bin ich wirklich informiert?
Weiß ich nur, was mir gesagt wird?
Wie sicher sind diese Informationen?
Wie sehr lasse ich mich von dem, was täglich auf mich einprasselt, beeinflussen?
Ich habe gerade sehr viele Fragen gestellt, die ich Dir aber nicht beantworten kann. Denn es ist Deine Aufgabe, diese Fragen für Dich zu beantworten. Nur wenn Du Fragen stellst, bekommst Du auch Antworten. Auf die Art kannst Du Dinge aus verschiedenen Perspektiven betrachten und Dir Deine eigene Meinung dazu bilden. Ein Beispiel: Zeitung X schrieb vor sehr vielen Jahren:
»BER eröffnet 2011« Die Menschen lasen und glaubten es. Immerhin stand es ja so in der Zeitung. Es gab über die Jahre noch einiger solcher Meldungen mit anderen Jahreszahlen. Und wie viele davon wahr waren, wissen wir mittlerweile. Nicht eine! Die beste Schlagzeile, die ich darüber las, gab es Anfang 2020: »Dieses Jahr öffnet BER wirklich« Ist das so? Ich bin gespannt. Das ist jetzt ein harmloses Beispiel, sogar mitunter etwas zum Schmunzeln, über die Aussagen der Medien. Doch findet so etwas jeden Tag statt. Wir werden mit Informationen bombardiert und hinterfragen nicht, was wahr ist und was nicht. Beim nächsten geselligen Treffen wird einfach wiedergegeben, was wir gehört und gelesen haben. Wie oft haben wir schon aus Unwissenheit, falsches Wissen weitergegeben? Viele Menschen von uns haben nie gelernt sich eine eigene Meinung zu bilden. Warum auch? Es liegt doch schon alles fertig auf dem Tisch. Doch die Welt befindet sich im Wandel und es war noch nie so einfach für uns, an Informationen zu kommen. Immer mehr Menschen fangen an die vorgefertigte Meinung zu hinterfragen, um sich aus den Antworten dieser Fragen eine eigene Meinung zu bilden. Und es sind diese Menschen, die weniger bis gar nicht mehr mit Ängsten zu kämpfen haben. Denn gerade bei Dingen, die uns verunsichern oder Angst machen, müssen wir anfangen Fragen zu stellen, um so viel wie möglich darüber zu erfahren. Nur so können wir uns von den auferlegten Ängsten und Sorgen befreien. Wenn wir uns fernab der Industrieländer bei den Ureinwohnern umschauen, erkennen wir schnell, dass sie zwar auch ihre Sorgen haben (so etwas gehört zum Leben einfach dazu) aber sie leiden nicht wie wir Industrieländer an so starken Ängsten und Depressionen. Warum ist das so? Liegt es daran, dass sie nicht wie wir von einer regelrechten Informationsflut überrannt werden? Sie kennen weder Merkel, Trump noch Putin auch können bestimmt nur (wenn überhaupt) die wenigsten Länder dieser Welt aufzählen. Es gibt bestimmt viele unter ihnen, die auf einer Weltkarte nicht einmal aufzeigen können, wo sie gerade leben. Und trotzdem leben sie. Größtenteils sogar angst- und sorgenfreier als jeder andere hier in diesem Land. Keiner von ihnen weiß, wie sich eine Espressomaschine bedienen lässt oder wozu diese überhaupt da ist. Und bestimmt haben sie in ihrem ganzen Leben auch noch keine Toilettenspülung gesehen. Trotzdem sind sie zufriedener als wir es je sein könnten. Liegt es daran, dass sie nicht jeden Tag versuchen, den Dingen nachzujagen, die sie angeblich für ein glückliches und zufriedenes Leben brauchen? Oder liegt es daran, dass sie gar nicht wissen, wo überall auf der Welt Krieg und Terror herrschen und sie im Umkehrschluss daher auch keine Angst vor so etwas haben? Natürlich könnte man jetzt anführen, dass diese Menschen aber nicht so ein bequemes Leben haben wie wir und ihre Lebenserwartung bei weitem nicht so hoch ist wie unsere. Was natürlich stimmt. Doch sind diese Menschen jetzt von uns zu bemitleiden, nur weil sie nicht all das haben, was wir haben? Oder müssen wir diese Menschen beneiden, weil sie ein glückliches und zufriedenes Leben haben, trotz aller Entbehrungen? Niemand bürdet diesen Menschen die Last der Welt auf, mit all ihren Katastrophen, Kriegen und Pandemien. Wer ist jetzt wirklich zu bemitleiden und wer zu beneiden?Das soll Dich jetzt nicht dazu animieren, alles Materielle aus Deinem Leben zu verbannen und Dein Essen nur noch mit Pfeil und Bogen zu besorgen. Denn dazu sind wir gar nicht mehr in der Lage. Und mal ehrlich: ich möchte auf einen gewissen Komfort nicht mehr verzichten. Meinen Dosenöffner von Tupper gebe ich auch nicht mehr her. Aber mal im Ernst:
Inwieweit lassen wir uns und unsere Gefühle von außen beeinflussen?
Was brauchen wir wirklich, um glücklich zu sein?
Wie vielen Dingen müssen wir tatsächlich Tag für Tag hinterherhetzen?
Können wir nur glücklich sein, wenn wir dieses oder jenes haben?
Finde die Antworten.
Kollektive Angst bei einer Pandemie
In der Coronakrise wurde für viele von uns die Angst zum Alltag. Es kam eine Hiobsbotschaft nach der anderen und kaum einer wusste noch, was jetzt zu tun war.
Einige hatten Angst davor ihren Job zu verlieren, während andere sich davor fürchteten selbst angesteckt zu werden oder andere anzustecken, die dann ihretwegen sterben könnten.
Doch auch die Angst vor Veränderungen spielte eine große Rolle. Plötzlich war von einer neuen Normalität die Rede.
Ein Leben, das vielleicht nie wieder so sein würde wie es mal war. Uns blieb nichts anderes übrig als hilflos dazustehen und zuzuschauen, wie sich von einem Tag auf den anderen alles änderte. Und genau diese Hilflosigkeit ist es, die Angst auslösen kann. Oft versteckt sie sich unter Wut, Angst oder Depression.
In solchen Momenten werden wir dazu gezwungen, die Kontrolle abzugeben und können oftmals nicht mehr tun als abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln.
Dass uns Veränderungen Angst machen, ist ganz normal, denn immerhin wissen wir sehr oft nicht was diese Veränderung mit sich bringen wird. Das bedeutet aber nicht, dass Veränderungen generell schlecht sind. Sie können auch durchaus etwas Gutes mit sich bringen.
Nach den ersten Monaten der Coronakrise sagte eine Freundin mal zu mir:
»Mir ist aufgefallen, dass ich keine Angst vor dem Virus habe aber mir ist bewusst geworden, dass ich mich von der Angst anderer habe anstecken lassen.« Ihre Worte stimmten mich nachdenklich und auch ich spürte einmal in mich hinein und stellte fest, dass es einige Momente in der Coronakrise gab, in denen auch ich mich habe anstecken lassen. Die kollektive Angst in der Coronakrise hatte auch vor mir nicht Halt gemacht. Es gab eine Situation, in der mein Patenkind bei mir zu Besuch war und, wie Kinder so sind, hat er nicht ständig auf den Mindestabstand von 1,50 Meter geachtet. Ich ertappte mich immer wieder beim Zurückweichen. Am Ende des Besuches legte er seine Hand auf meine und bedankte sich bei mir für den tollen Nachmittag. Ein Teil in mir schrie hysterisch auf, dass Körperkontakt gefährlich sei und ich war kurz davor meine Hand wegzuziehen. Nachdem er gegangen war, dachte ich über das Geschehene nach und erkannte erschrocken, dass es nicht meine individuelle Angst war, die so hysterisch in mir geschrien hatte, sondern die Angst der anderen. Obwohl ich immer darauf geachtet hatte, mich nicht von der Angst anstecken zu lassen, konnte ich der Massenhysterie wohl doch nicht gänzlich entrinnen. Sich der Fremdangst bewusst zu sein, ist der erste Schritt, um sich von der Angst zu lösen. Nachdem ich mir das bewusst gemacht hatte, wurde ich viel entspannter und habe darauf geachtet, dass mich die Angst der anderen nicht mehr mitreißt.
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