Wie gesagt: Ein wichtiges Merkmal des „Schönen“ ist immer im „einfachen“ – und damit im „Fassbaren/Überschaubaren“ begründet. Dieser Umstand war nun seinerzeit gegeben: Der Himmel über ihnen bestand vornehmlich aus den überschaubaren Komponenten der Wandelnden – griech. „Planeten“ einschl. SONNE und MOND – und dem Ewigen und Unvergänglichen – den Fixsternen.
Entscheidend für die Bestätigung der Stimmigkeit des Logos der natürlichen Zahl dürfte für PYTHAGORAS gewesen sein, das es ihm gelang, deren Beziehungen auf die himmlische Ordnung der Planeten zu übertragen. Wir werden das hier nachvollziehen.
Unterstützt in diesem Findungsprozess wurde er sicherlich auch von der Vielzahl der mythischen Erzählungen seiner Zeit, die ja sein eigentliches Forschungsgebiet darstellten. Hier dürfte er als Forschender immer wieder auftretende Gemeinsamkeiten erkannt haben, die auf allgemein gültige Regeln hinwiesen, und die sich wiederum mit den Beziehungen der natürlichen Zahlen zueinander deckten.
Ich weiß – es klingt alles zunächst etwas verwirrend. Aber wir betrachten uns gleich eine solche Geschichte. Wir sollten nicht meinen, das es sich bei den alten Sagen und Mythen um bloße Fantasie handelt. Vielmehr finden sich hier häufig „Gleichnisse“, die durchaus als die rudimentären Vorläufer der mathematischen „Gleichungen“ gelten können.
Betrachtet man eine solche Geschichte als eine symbolisch verklausulierte Formulierung empirischer Erfahrungen, die weitergegeben von Generation zu Generation, den Erfahrungsschatz der Beobachtungen und Erkenntnisse in sich aufhob, und damit das aktuelle Wissen von der Welt transportierte, findet man oft Erstaunliches.
Aus dem gewonnenen Verständnis der Ordnung der Zahlen in ihren unbedingten Beziehungen zueinander, wie wir sie hier noch kennenlernen werden, und die nun das Fundament jeder beliebigen Erscheinung der Natur sein sollte, war es nur konsequent, das sie sich für die Verifikation dieser Idee, auf die Suche nach der Erscheinungsform und dem Ausdruck eben dieser „Ordnung selbst" machten.
Was liegt nun in Ermangelung von Mikroskopen näher, als jenen Ort genauer zu betrachten, wo diese mutmaßliche „Ordnung“ ihren größten beobachtbaren Auflösungsgrad erreicht: Der Himmel mit seinen Sphären und den darin wandelnden Göttern (Planeten)! Hier, in der Überschaubarkeit des Ganzen, musste sich die vermutete Ordnung offenbaren.
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Kommen an dieser Stelle zunächst zum ersten Fein-Tuning!
Als ersten Akt einer grundlegenden Revision unseres heutigen Astrologieverständnisses, möchte ich nun die Astrologie grundsätzlich unterschieden wissen in eine „ Spezielle Astrologie“ und eine „ Allgemeine Astrologie“.
Man verzeihe mir die gewählte Begrifflichkeit, die hier zunächst etwas blasphemisch erscheinen muss, aber das hier aufzulösende Problem ist nicht unähnlich der Betrachtung einer angenommenen relativistischen Raum/Zeit.
Wie in der speziellen Relativitätstheorie betrachten wir auch hier zunächst ein Inertialsystem – und genau ein solches beschreibt der Zodiakus. Er definiert eine Anzahl zwingend notwendiger Ordnungsfaktoren, deren Eigenschaften und deren grundlegendes Verhalten. Und nicht zuletzt ihre spezifischen Beziehungen zueinander.
Daraus folgt: Die Spezielle Astrologie …
definiert ein Inertialsystem (Zodiakus), und noch keine tatsächliche Wirklichkeit. Die für eine Wirklichkeit - eine Raum/Zeit - entscheidenden Faktoren: Bewegung und Dynamik sind hier noch nicht impliziert – sprich: "Die Zeit" ist hier noch nicht Teil des Systems!
Der Zodiakus definiert also genau genommen eine beliebige " potentielle Wirklichkeit " - einen Zustand, den wir später in Annäherung unter dem Begriff der "Superposition" innerhalb der Quantenphysik wiederfinden werden.
Darauf gründend folgt nun:
Die Allgemeine Astrologie...
... beschäftigt sich mit dem relativen Verhalten von spezifischen Ordnungsfaktoren (Planeten) und deren Dynamik in der Zeit innerhalb der fundamentalen Gesamtordnung (Zodiakus).
Das bedeutet, sie beschäftigt sich mit der jeweiligen Ordnungsstruktur eines spezifischen Zeitpunktes bezüglich seiner ihm innewohnenden Impulse (Verhältnismäßigkeiten von Kräften), und dem hier heraus herzuleitenden inneren Zustand der vorliegenden Zeit.
Wir erinnern uns: Ordnung ist zunächst ein beliebiges Muster - jeder Gegenstand des Wirklichen unterliegt der selben Grundordnung, hat darin aber - entsprechend dem exakten Zeitpunktes seines Erscheinens - ein unverwechselbares eigenes Muster - seine ureigene Ordnung - sein ureigenen Fingerabdruck. Er ist sowenig wiederholbar, wie der einzelne Zeitpunkt im Fluss der Zeit. Daher kann es nicht einmal zwei identische Schneeflocken geben!
Betrachtet man nun auch noch die einzelnen Impulse der Ordnungsfaktoren (Planeten) in der Zeit, so wären hier theoretisch Vorhersagen möglich - vergleichbar der Wettervorhersagen der Metereologen. Da jedem von uns die Verlässlichkeit der Wettervorhersagen geläufig sind, die nur mehr als 3 Tage in die Zukunft blicken, muss hier zu den astrologischen Vorhersagemöglichkeiten nichts hinzugefügt werden.
Die Spezielle Astrologie wird in diesem Buch nur hier und da am Rande angeschnitten, wo es dem Verständnis der allgemeinen Astrologie dienlich ist. Grundsätzlich ist sie hier nicht Gegenstand der Betrachtung!
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[Einschub in eigener Sache:
In den vorhergehenden Auflagen dieses Buches (vor Februar 2020), habe ich die Attribute von "Speziell" und "Allgemein" in Bezug zur aufgeklärten Astrologie umgekehrt zur RT verwendet, weil es mir seinerzeit sinnvoller erschien.
Es war eine Dummheit, wie ich inzwischen einsehen musste. Insofern korrigiere ich mich jetzt hier. Falls also einer der Leser das Buch in einer vorangegangenen Bearbeitung bereits kennt, so sei er hiermit über seine Verwunderung aufgeklärt. ...]
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Wie also gesagt, stellt die Formulierung des Zodiakus ein Inertialsystem dar, in dem alle fundamentalen Ordnungsfaktoren des Wirklichen in ihren unbedingten und grundsätzlichen Verhalten zueinander ruhend, aufgeschlüsselt sind. Zueinander „ruhend“ bedeutet hier soviel wie: Sie verhalten sich symmetrisch zueinander.
Die Summe der im Zodiakus in Verhältnis gesetzten Grundkräfte bzw. Fundamentalprinzipien ist von daher 1 – also ein idealisierter Zustand von Entropie=1, in dem alle Kräfte gegeneinander aufgehoben sind und damit keinerlei Wechselwirkung stattfindet!
Der Zodiakus definiert also zunächst die fundamentale Ordnung des potentiell Wirklichen in ihren Teilen und in ihrer Summe, wie sie sich letztlich in jedem beliebigen Gegenstand a priori notwendig entfalten. Dazu gehören das Objekthafte (physik. Körper), wie auch das nicht Objekthafte (Psyche, Geist, Idee, Information, Verhalten usw.)
Wie wir erfahren werden, unterscheidet die Astrologie grundsätzlich nicht zwischen dem Objekthaften und dem nicht-Objekthaften – also dem Stofflichen und Unstofflichen – was ihre inneren „Spielregeln“ angeht!
Alles unterliegt derselben Ordnung, und die Spielregeln der Natur kennen keinen Sonderfall!
Jede Zeit betrachtet die Welt mit ihren Augen – eine triviale Feststellung, deren tiefgehende Bedeutung doch all zu leicht verkannt wird. Wie relativistisch und alles Entscheidend die Art und Weise der Beobachtung und deren Grundlage ist, werden wir im Laufe dieser Auseinandersetzung noch erfahren.
Um den Zuschauer nunmehr auf eine ihm wohl höchst ungewohnte Beobachtungsweise einzuschwören, möchte ich hier zunächst einmal auf das kognitiv zu bewältigende Problem eingehen. Um überhaupt erst einmal eine Vorstellung zu entwickeln, wie es zu einer solchen „Lehre“ wie die der Astrologie kommen konnte, versuche man sich einmal in die Lebensweise des Urmenschen hineinzufühlen. Versuchen wir einmal die Welt mit Augen zu betrachten, die noch keinen Fernsehapparat und kein Auto – ja nicht einmal einen anständigen, trivialen Hammer zu Gesicht bekommen hatten.
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