Auch das pharaonische Ägypten war überzeugt davon, die einzige Wahrheit zu kennen und zu leben. Die alten Hindu waren davon überzeugt und die höheren Stände im Hinduismus (Brahmanen und Kshatria) sind in nördlichen Staaten des Landes Indien bis heute der Überzeugung, dass Gott sie vor niedrigere Stände setzte und somit den Vorzug gab. Ebenso waren Germanen und Römer von ihrer Religion überzeugt und Christen führten blutige Kriege, um ihre ‚einzige Wahrheit‘ in der Welt zu verbreiten. Auch weltliche Mächte unterdrückten und unterdrücken heute noch andere Völker und deren Meinung und Glauben, so dass ich denke, behaupten zu dürfen, dass in der vermeintlichen Bevorzugung der Juden zu Zeiten Abrahams und Moses, nicht der wahre Grund für Feindschaft und Verfolgung zu finden ist. Dazu kommt, dass in heutigen Zeiten ohnehin allzu viele Menschen mit der Religion nichts anzufangen wissen und somit auch der Grund der Bevorzugung durch Gott wegfallen dürfte.
Es mag an dieser Stelle der Einwand kommen, dass Gott (der Programmierer) seine Meinung allzu oft ändere, wenn er tatsächlich mehreren Völkern zu verstehen gab, diese zu bevorzugen. Auch der Satz „Du sollst keine fremden Götter neben mir haben“ mag manchen der Leser dieses Buches verunsichern, doch möchte ich zu bedenken geben, dass es ja durchaus auch mehrere Programmierer geben mochte, die sich untereinander vielleicht uneins waren oder sich auch gar nicht persönlich kannten.
Als Nächstes möchte ich versuchen, die Bedeutung des Begriffes ‚auserwähltes Volk‘ etwas zu beleuchten, da offenbar auch hier doch nicht unbedeutende Missverständnisse zum Tragen kommen. Entgegen landläufiger Meinung und allzu schnell gebildetem Vorurteil ist dieses ‚Erwähltsein‘ offenbar eher ein Dienen denn ein Herrschen. Die ‚Israeliten‘ sollen dem Herrn dienen, indem sie der Menschheit dessen Wort verkünden. Sehen wir uns in der Tora den Abschnitt Exodus 19:3-6 an, in welchem es heißt:
Moses ging zu Gott auf den Berg und Gott sprach: “Sag dem Haus Jakob und den Kindern von Israel: ‚Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern getan habe; dass ich euch auf Adlerflügeln getragen habe und euch zu mir gebracht habe. Und nun, wenn ihr gut auf mich hört und meinen Bund haltet, dann werdet ihr mein liebstes Volk sein, denn mir gehört die ganze Welt. Ihr sollt ein Königreich der Priester und ein heiliges Volk sein. Sagt diese Worte den Kindern Israels.“
Den Juden wurde somit also eine Verpflichtung auferlegt, welche darin besteht, die Aufgaben eines Priesters zu erfüllen und die Menschen davor zu bewahren, sich von Gott zu entfernen. Da man als Jude (mütterlicherseits) geboren ist, kann dieses ‚Priestertum‘ eigentlich nur als Vorbild-Funktion gemeint sein und nicht als ein ‚Bekehren‘ im Sinne Jemanden zum Judenzu machen, da Gott ja ausdrücklich von der ‚ganzen Welt‘ sprach.
Jemand kann nach der mosaischen Religion leben, muss jedoch kein Jude sein, da er kein Abkömmling aus Judäa ist, obwohl der Talmud eine Bekehrung (zum Judentum) ausdrücklich erlaubt. Ebenso wenig kann Jemand, der kein Nachkomme des Sem ist, zum Semiten werden, auf welches Thema ich später noch kommen werde. Mit dem Wort ‚Jude‘ tue ich mich etwas schwer, da es trotz der Existenz eines israelitischen südlichen Reiches ‚Juda‘ erst in persischer Zeit in Gebrauch kam. Eigentlicher Begründer des Judentums ist übrigens Esra (440 v. Chr.). Dieser war in der Zeit des babylonischen Exils Hoherpriester und durfte mit seinem verschleppten israelitischen Volk, das aus etwa 20 000 Menschen bestand, auf Erlass des Perserkönigs Artaxerxes I. zurück nach Jerusalem. Dort ordnete er Tempeldienst und Priestertum neu und ließ die Ehen von Juden mit nicht-jüdischen Frauen als ungültig erklären. Die religiöse Identität ist seither für das Judentum von ähnlicher Bedeutung wie die der Herkunft.
Summa summarum lässt sich bis hier doch wenig bis gar nichts finden, was geeignet wäre, einen Hass auf alles Jüdische zu empfinden und Juden zu verfolgen. Juden waren in kriegerische Landnahmen verwickelt, erlebten die beherrschenden Ägypter vielleicht als dekadentes Volk und widersetzten sich ihnen, doch dies alles geschah auch mit und durch andere(n) Völker(n), welche nicht vom Hass der Menschheit verfolgt werden, wie es bei den Juden der Fall sein soll. Wir wollen darum weiter gehen in der Zeit, um so vielleicht doch noch den Dingen auf die Spur zu kommen.
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