„ In der Volksmedizin galt ein Bienenstich als heilsam für Gicht, eine Salbe aus Honig und pulverisierten Bienen sollte gegen Haarausfall helfen und eine Frau, die eine Biene aß, nicht schwanger werden (auch umgekehrt: unfruchtbare Frauen sollten Bienen verzehren, um schwanger zu werden). Auf Schwellungen infolge von Bienen- und anderen Insektenstichen sollte man kalten Stahl drücken. “ 6
„ Der Gebrauch desselben in den Apotheken war so gemein, dass man kaum ein Pflaster fand, wozu es nicht genommen wurde. “ 7
Es gibt Rezepturen von Ärzten und Apothekern, die mehr als 200 Jahre alt sind und um Heilkräfte von Honig und Kittharz (Propolis) wussten. Ein Beispiel:
"§ 185. Für Geschwulst und allerley Zufälle ein treffliches Pflaster. Nimm Essig-Safft 4 Loth, Honig 5 Loth. Laß dieses miteinander sieden, dass es wohl dicke wird, thue darzu einen Dotter von einem ey, Gersten-Mehl, 3 Loth, Album graecum 2 Loth, lege dieses Pflaster bey Nacht auf, es vertreibt alle Geschwulst zu grosser Verwunderung." 8
Traditionell wird Bienenwachs in Medizin und Physiotherapie als Wärmepackung angewendet bei Husten, Erkältungen, Schmerzen der Muskeln und Gelenke. Von der Antike an fand Wachs auch als Arzneiträger in Wachssalben bzw. Wachspflastern (fachsprachlich auch Cerat , Ceratum bzw. cerotum ) 9 sowie Wachspillen ( cerotum rotundum , als Wachszäpfchen bzw. Wachspessar) 10 Verwendung. 11 12
Ein weiteres wichtiges Bienenprodukt ist der Met, ein mit Naturhefe in Wasser vergorener Honig.
„ Doch das Alles trat zurück vor der Verwandlung des Honigs in Met und Lebkuchen. Jedes deutsche Geschichtswerk wird Dich belehren, was unsere Vorfahren auf dieses süße Gebräu hielten. Es war Ihnen Götter- und Heldentrank, und im Sprichwort sagte man von ihm:
‚Innen Met und außen Öl, Stärkt den Leib und frischt die Seel‘ .‘“ 5
„ Wie bdeutend im Jahre 1050 die Metvorräte an der Oberelbe gewesen sein müssen, erhellet daraus, dass in Meißen aus Mangel an Wasser ein Feuer damit gelöscht werden konnte, das feindliche Völker angelegt hatten. “ 5
Nicht viel Ernte ohne Bienen
Wer außer Honig und Met auch pflanzliche Nahrung zu sich nimmt, dem sei bewusst: “Rund 80 Prozent aller heimischen Nutz- und Wildpflanzen werden von Bienen bestäubt. Bienen sichern so auch die Erträge in der Landwirtschaft und damit unsere Ernährung.“ 2
Ohne Bienenbestäubung geht es natürlich auch. Dazu folgendes Video:
QR-Code 2: Bestäubung per Hand
https://www.youtube.com/watch?v=cah2nyezOyU
„ Die Bienen produzieren aber nicht bloß Honig, sondern auch Wachs. Da man im Mittelalter weder Leuchtgas noch Petroleum kannte, so spielte es als Beleuchtungsmittel eine große Rolle. “ 13
„ ‘Lasset euer Licht leuchten vor den Leuten,‘ sprach einst Jesus zu seinen Jüngern.
Ihre mittelalterlichen Nachfolger im Amte nahmen diesen Ausspruch buchstäblich und zierten die christlichen Altäre oft mit hunderten von leuchtenden Wachskerzen bei allen christlichen Anlässen des kirchlichen und oft dem damit verbundenen staatlichen Lebens.
Der Glanz dieser Wachslichter reichte hin, dem Volk zu imponieren und der priesterlichen Einwirkung und Beteiligung auf Alles und bei Allem Nachdruck und Geltung zu verschaffen.
(Anmerkung Verfasser: Die Kirche hatte die Hohe Schätzung und ausgedehnte Verwendung des Honigs und Wachses aus dem heidnischen Kultus in den christlichen Gottesdienst herüber genommen und damit dem produzierenden Tiere selbst eine in gewissem Grade eine Art von Verehrung gesichert. “ 13
„ Lange Zeit diente auch das Wachs als Schreibmaterial, und es waren z.B. in Straßburg bis zum Jahr 1550 n. Chr. wächserne Tafeln zur Beschreibung des Einkommens und der Ausgaben meiner Stadt in Gebrauch.
Ebenso diente es als Material zum Siegeln und war für die verschiedenen Stände die Farbe des Siegelwachses genau vorgeschrieben. “ 7
Wachs und Honig für die Schönheit
Auf die Bedeutung des Spruchs ‚Innen Met und außen Öl, stärkt den Leib und frischt die Seel‘ wurde schon eingegangen. Bienenprodukte sind aber auch für die äußerliche Anwendung und Körperpflege von Bedeutung.
Honig wird zum Beispiel als Mittel für die Revatilisierung der Haut gepriesen, z.B. für Gesichtsmasken.
QR-Code 3: Video "Honigmaske"
https://youtu.be/ROlUMBlj6bQ
Bienenwachs ist auch heute Bestandteil von ausgewählten Cremes, Salben, Pasten, Lotionen und Lippenstiften. Entsprechende Produkte sind mit dem Hinweis „Enthält echtes Bienenwachs“ versehen. 14
Verschiedene Handwerke kamen ohne Wachs gar nicht aus. So wurde es bei den Lebküchnern, Schuhmachern 15, Buchbindern 16, Färbern, Seilern oder den Bildhauern 17 verwendet.
Darüber hinaus gibt es auch heute noch viele Anwendungsbeispiele auch in der chemisch-technischen Industrie, der Elektroindustrie und der Medizin 18.
Wertvolle antike Möbelstücke werden beim Restaurieren mit Wachs eingerieben und poliert 19.
Wozu braucht der Osterhase Wachs?
Nach altem Brauch werden die Sorbischen Ostereier mit gefärbtem Wachs gestaltet. 20
Auch in einigen Süßigkeiten, die in den Osternestern versteckt werden, z.B. Gummibären, wird Bienenwachs als Überzugs- und Trennmittel verwendet. 14
QR-Code 4: Sorbische Wachsmaltechnik
https://www.youtube.com/watch?v=iDsmjAyec1Y
„Summ, summ, summ Bienchen summ herum“ so beginnt ein bekanntes Kinderlied.
https://www.youtube.com/watch?v=rCsyjAU8ZWQ
QR-Code 5: Summ, summ, summ Bienchen summ herum
Wie trugen die Bienen sonst noch zu unserer musikalischen Unterhaltung bei?
„V om Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1920er-Jahre benutzte man bei Phonographen-Walzen Wachs erst als Tonträger für einen Vorläufer des Diktiergeräts und später weiterhin als Ursprungsmaterial für die Original-Aufnahme, die dann nach dem Vergolden in verschiedenen Prozessen vervielfältigt werden konnte.
Für die von 1895 bis 1955 hergestellten Schellackplatten und auch für Singles und LPs diente ebenfalls immer eine Wachsplatte zunächst für die Ur-Aufnahme. “ 19
„ ‘Endlich mag noch der eigentümlichen Verwendung Erwähnung geschehen, welche Honig und Wachs im Strafrecht fanden, und zwar der Honig bei einer besonderen Form der Todesstrafe und einer Art des Ehrenverlustes, das was bei oder nach gewissen Arten des Feuerurteils beim Gottesurteil. Es wurden nämlich in einzelnen Fällen Verbrecher mit Honig bestrichen, um in der brennenden Sonne den Fliegen ausgesetzt und dadurch getötet, oder um unmittelbar hernach in Federn gewältzt, dem Volke zur Schau vorgeführt und dem allgemeinen Spotte preisgegeben zu werden.‘ “ 21
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