„Na, aus Frankreich – aber is` doch egal“, der sei ihm sowieso zu teuer, den kaufe er nur zu besonderen Gelegenheiten, antwortet er lakonisch. Was will die denn von mir, sie soll den Mund halten, tanzen und mich zu erotischen Fantasien anmachen.
Yasmin setzt die Lehrstunde kurz fort und erklärt ihm, die Sorte Sekt 'Dom Perignon' sei ein Champagner und Erzeugnis der französischen Weinkellerei Moét Chandon . Der Name Pérignon sei von einem Mönch entliehen.
Ihre Bildung törnt ihn eher ab, er sucht keine Lehrerin oder Ähnliches, er sucht – na, das behalte ich lieber erst noch für mich, sonst läuft sie mir noch weg... Was bildet sich denn dieses junge Ding ein, wen sie vor sich hat, ich will sie eigentlich nur aufs Kreuz legen, aber mit Charme.
Ich werde jetzt meine Verführungsmechanismen anwenden, sonst kommen wir hier nicht weiter. Sie scheint zwar ein unausgebrütetes Landei zu sein, auch wenn sie top gestylt ist, aber schlau dabei, da muss ich sie überlisten.
Mit seiner Bildung ist es nicht weit her, als Schulabbrecher der zehnten Klasse einer Realschule hat er manchmal Minderwertigkeitskomplexe vermeintlich gebildeteren Leuten gegenüber. Hinzu kommt, oft mit den Eltern unterwegs auf weiten Reisen gewesen zu sein, und darunter hat seine Schulbildung gelitten.
Das kompensiert er mit forschem Wesen und einigen schlauen Sätzen, die er sich angelesen hat, zum Beispiel über Bücher bekannter Autoren, Wirtschaftsnachrichten sowie Politik. Da er jedoch in der Politik nicht auf dem Laufenden ist, könnte er sich blamieren, aber die meisten seiner Freunde und Kumpels sind es ebenfalls nicht, das läge an seinem dubiosen Lebenswandel, sagt einer von denen, der als Akademiker mit abgebrochenem BWL-Studium nicht ganz ungebildet zu sein scheint, und dessen Freund nicht der Alkohol ist.
Adrian hat Beno ganz bewusst als Freund angeheuert, da er mit seinen Geschäften einen Betriebswirt braucht, der sich um seine Finanzen aller Art kümmern soll.
Sein, ein Dual-Studium, das bedeutet zunächst eine Fachschule mit Praktikum (bei einem Notar), dann anschließend das Uni-Studium hatte er fast abgeschlossen und wegen einer Krankheit das letzte Semester versäumt.
Für Adrian scheint er trotzdem vollwertig zu sein,- „das bisschen, was da fehlt“, meint er in seiner Unbedarftheit, ohne Achtung dem Wissen anderer gegenüber, „stört mich nicht.“
Beim Tanzen bemerkt Adrian Yasmins umherschweifenden Blick und zwingt sie mit einer Handbewegung, ihn anzusehen. Seine blauen Augen blitzen sie an. Mit einem hypnotischen Augenaufschlag und anschließend sanftem Blick, möchte er Vertrauen aufbauen, damit sie nicht mehr so viel überlegt, wie er erkannt hat.
Er kann ja richtig lieb aussehen, vielleicht sind meine Befürchtungen unangebracht. Vielleicht ist er ein wenig verliebt in mich...
Wenn die Kleine wüsste, wie ich dem ersten Mal mit ihr entgegengiere... nur darf ich nichts überstürzen.
Bei der brauche ich nicht mal einen Schutz...
Yasmin sieht ihn heimlich an, er ist so etwas wie der Prototyp, der fast allen Frauen gefällt. Nackenlange, volle Haare sind bei den Männern eigentlich nicht mehr IN, die jungen haben den Kurzhaarschnitt mit dem rasierten Seitenscheitel, das macht Yasmin nicht an, sein halblanger Schopf ist gut.
Nach einer halben Flasche Sekt unbekannter Sorte, hat sie einen Schwips, nicht an Alkohol gewöhnt. Sein Lachen klingt jetzt angenehm, sein Hypnoseblick erzeugt einen schwachen Schauer, den sie als angenehm empfindet, ein leichtes Kribbeln im Bauch müsste sie warnen.
Bloß nicht schwach werden, falls der mich betrunken machen will und dann abschleppen, sind ihre Überlegungen. Sie nimmt seinen warmen lebendigen Körper wahr, noch nie hat sie pulsierendes Blut so nah erlebt. Nie hat die Mutter sie jemals an sich gedrückt, nur manchmal der Vater.
Ein Gefühlschaos wabert durch sie hindurch, und es schwemmt ein wenig ihre Ablehnungsmechanismen weg. Sie erschreckt nun nicht mehr, als sie seine Männlichkeit durch den dünnen Stoff ihres Tanzkleids spürt. Ich hätte besser einen Hosenanzug angezogen, geht ihr noch durch den alkoholisch eingelullten Kopf und Körper.
Sie versucht sich loszureißen, jedoch hält Adrian sie ganz fest und flüstert ihr ein paar beruhigende Worte ins Ohr. Manch anderer würde ganz schlimme Wörter flüstern, aber sie will er nicht erschrecken. Noch einen Cocktail spendiert er ihr, jetzt scheint sie fähig zu sein.
Fähig wozu? Nüchtern wäre sie zu keiner Hingabe bereit. Nicht, weil es sich nicht gehört, dieses Denken gebe es nicht mehr im einundzwanzigsten Jahrhundert, das hat sie längst erkannt. Nicht nur, weil es die allgemeine Meinung und der Lifestyle sind, sondern weil es das Liebesleben auch erleichtern würde.
Er zieht sie durch den Saal, vorbei an den grinsenden Barkeepern zu seinem schwarzen Sportsman Convertible Coupé, der wie ein Panther wirkt, und setzt sie auf den Nebensitz, in dem sie fast versinkt.
Es wird das erste Mal für sie sein, sinniert Adrian auf der Fahrt, ich werde ganz einfühlsam sein, auch wenn mir das schwerfallen wird.
Yasmin hat die Orientierung verloren, kein Zeitgefühl mehr, wollte sie sich auf keinen Fall abschleppen lassen? Weiß nicht, ihr dreht sich alles nach dem Cocktail und der anschließenden Autofahrt.
Seine Wohnung, trotz ihres Schwipses erkennt sie die Unordung, barocke, schwarze Seidenlaken, zerknüllte Kissen in einem runden Bett in der Mitte des Raums.
Also eine Zweitraumwohnung in Ostberlin, wie er sie angekündigt hat, ist das hier nicht, aber zu weiterer Kritik kommt sie nicht mehr.
Ziemlich heftig greift er sie sich trotz der vorgenommenen Rücksicht. Irgendwie findet sie es entwürdigend, wie er sich ihrer bemächtigt, als wäre sie ein Bund Flicken, und er flüstert leise: „Ich will dich jetzt.“
Schnell hebt er ihr Röckchen hoch und reißt ihr den winzigen Slip herunter, denkt kurz, die Weiber sind ja selbst Schuld daran, wenn man so geil wird – und stößt ohne weitere Ankündigung mit heftigem Ruck seinen Penis in sie. Yasmin, die lange Zeit nach Joe keinen Verkehr hatte, schreit. Da fällt ihm ein, dass er vorsichtig sein wollte mit der Defloration, wie er glaubt. Er kann sich aber nicht zurückhalten und macht mit schnellen Stößen weiter, bis er mit einem lauten Ächsen sich in ihr entleert...
Jasmin fühlt wenig, sie ist zu blau, der Alkohol wirkt immer erst nach einer Stunde voll. Das Erlebnis eines Orgasmus bleibt bei ihr aus. Sie hört ihn auf sich herumreiten, sein Stöhnen, als wäre er ein brünstiger Jungbulle.
Ich weiß gar nicht wie ein Bulle schnauft, geht ihr blitzartig durch ihr benebeltes Gehirn – und sie ist von dem Geräusch abgestoßen.
Müde ist sie, sehr müde und traurig, und der Schlaf kommt. In der Nacht fühlt sie ihn über sich, nochmals bedient er sich an ihrem Körper, wieder hört sie ihn stöhnen, als seine Manneskraft sich mit voller Wucht in sie ergießt. Lieb ist er jetzt danach, ganz sanft, anscheinend hat er endlich für heute seinen Frieden gefunden...
Der alte Robert hat schlechte Laune. Nicht nur, weil seine Erotikpuppe geplatzt ist, sondern auch, weil er als Hartz-IV-Empfänger ewig zum Job-Center laufen muss, um nach zuweisen, dass er Arbeit sucht, ständig legt er Bewerbungen vor, allein in den letzten Monaten vier, um als Zimmermann zu arbeiten. In seinem fortgeschrittenen Alter hat er keine Chancen mehr.
Immer öfter sieht er sich an der Decke seiner Einzimmerwohnung hängen, obgleich die Decke dafür nicht hoch genug ist. Seine miese Laune resultiert aus seiner Perspektivlosigkeit und dem Umstand, auch nicht mehr so viel Weiber abschleppen zu können wie früher, da brauchte er nur mit dem Finger zu schnippen.
Nun bleibt ihm nur noch eine neue Puppe aus Plastik fürs Vergnügen,..
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