Melanie Ruschmeyer
Mitternachtswende
Seelenbiss-Reihe Teil 3
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Inhaltsverzeichnis
Titel Melanie Ruschmeyer Mitternachtswende Seelenbiss-Reihe Teil 3 Dieses ebook wurde erstellt bei
Vorwort Vorwort Einst, da liebte ich dich, wegen deiner liebevollen Art, wegen deiner gütigen Handlungen, wegen deiner inneren Stärke. Ich weiß nicht, was passiert war; was dir widerfahren war. Doch all das zerbrach im Winde der Gegenwart. Nun liebe ich dich nur noch der Vergangenheit willen, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf – niemals –, dass eines schönen Tages dein Herz wieder zu mir finden wird und begreift, dass du den falschen Weg gewählt hattest. Der Würfel ist gefallen. - Alea iacta est. (Gaius Julius Caesar)
Carla
Ein verschlucktes Wort
Körperlicher Zerfall
Das Erwachen
Briefpapier
Grausame Liebe
Schatten vergangener Zeit
Die erschütternde Wahrheit
Der Verdammnis verschrieben
Das Treffen
Wende um Mitternacht
Geschundenes Herz
Blinder Hass
Eine Tat der Verzweiflung
Für das Wohl aller Vampire
Das Kind des Todes
Verlust der Seele
Unglaubliche Wahrheit
Falsche Sehnsucht
Falsche Sehnsucht 2
Antworten auf so viele Fragen
Getrennte Wege
Der Ruf des Krieges
Geliebter Feind
Schwerer Abschied
Ein wahrer König
Die letzte Ehre
Danksagung
Impressum neobooks
Einst, da liebte ich dich,
wegen deiner liebevollen Art,
wegen deiner gütigen Handlungen,
wegen deiner inneren Stärke.
Ich weiß nicht, was passiert war; was dir widerfahren war.
Doch all das zerbrach im Winde der Gegenwart.
Nun liebe ich dich nur noch der Vergangenheit willen, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf – niemals –,
dass eines schönen Tages dein Herz wieder zu mir finden wird und begreift, dass du den falschen Weg gewählt hattest.
Der Würfel ist gefallen. - Alea iacta est. (Gaius Julius Caesar)
Der Spiegel war ihr irgendwie noch immer zu klein. Er konnte nicht groß genug sein; fasste sie nur teilweise. Carla betrachtete sich in ihm und wusste eigentlich ganz genau, dass sie diesem Gegenstand schon zu lange verfallen war. Viel zu oft nahm er ihre Zeit in Anspruch.
Verhöhnte sie!
Verspottete sie!
Zeigte ihr etwas, wonach sie sich stets so sehr gesehnt hatte und dennoch nicht wollte. Gedankenverloren drehte sie das Gesicht nach links und rechts, fasste an ihre Wangen, zog die Kochen mit ihren Fingerspitzen nach und legte den Kopf schief. Ihre blonden Haare fielen auf eine Seite und sie sah sich einer standhaften Frage gegenüber gestellt: War das wirklich sie?
Die schwarzen Handschuhe über ihrer Haut wirkten wie ein Gefängnis. Sie strich über die Seide, als sei sie lebendig. Die Berührung fühlte sich stumpf an. Lediglich aus Respekt vor ihrer Kraft steckte sie ihre Hand Tag für Tag in diesen Stoff. Er engte sie ein; verwehrte ihr das vollendete Gefühl der Berührung.
In den letzten Wochen hatte sich viel getan. Ihr war eine Welt offenbart worden, die sie nur durch andere Augen hatte sehen dürfen. Tasten, hören, riechen, schmecken; einfach alles war so real, wie nie zuvor. Dennoch wusste sie tief in ihrem Inneren, das es ein Verrat war. Ein Verrat, für den eine andere Seele teuer bezahlen musste. Doch dieses Wissen wies sie von sich. Klopfte es ab wie lästigen Staub, der sich auf die Kleidung legte.
Langsam und bedacht seufzte sie. Der Genuss des Ein- und Ausatmens war so wirklich; so intensiv.
Dieses Zimmer hatte sich verändert; hatte sein eigentliches Sein verloren. Einst das von Sarah und Alexander, spießig und gewöhnlich, hatte sie sich hier nun eine Oase geschaffen. Zwar klebte noch immer dieses seltsame Grün an den Wänden, was sie unwiderruflich an diesen widerlichen Halbwerwolf erinnerte, aber etliche Gegenstände hatten weichen müssen.
Nun zierte ein riesengroßer Schrank, der nur so vor Kleidungsstücken trotze und ein Spiegel mit Tisch und Stuhl davor, auf dem sie Platz genommen hatte, den Raum. Für den Rundbalkon hatte sie sich eine sehr bequeme Sonnenliege besorgt, auf der sie oftmals den gesamten Tag vertrödelte.
Vor ihr türmten sich Tuben, Pasten und Dosen. Lidschatten in allen Farben stapelten sich auf der Seite und Carla griff nach dem Mascara, der daneben lag. Unnötig zog sie ihre langen Wimpern nach und glaubte sie so noch um einiges verlängern zu können.
Während sie sich inständig betrachtete und nach dem schwarzen Lidschatten tastete, dachte sie nach.
Carla hatte es nicht leicht in der Familie Davenport. Ihre Art wurde nicht wirklich geschätzt. Gut, sie war ungestüm, wild und manchmal auch etwas zickig, aber war dies ein Grund ihr aus dem Wege zu gehen?
Gleich nachdem sie den ersten Streit mit Josy im Hubschrauber auf dem Weg nach Hong Kong hinter sich gebracht hatte und auch die anderen sie eher mit Unverständnis gemustert hatten, ging ihre Auseinandersetzung hier zu Hause weiter. Eigentlich hatten die Vampirwölfe sie begrüßen wollen. Hatten sie gedacht es wäre Sarah, wurden sie schwer enttäuscht. Plötzlich hatten sie Carla angeknurrt und ihr war nichts besseres eingefallen, als zu sagen: ››Elendes Pack! Entweder ein edler, reinrassiger Vampir, oder ein stinkender, dummer Werwolf. Ein Zwischending wird nicht akzeptiert! Ich hab´ genug davon!‹‹ Demonstrativ hatte sie nach ihnen getreten. Auch wenn sie nur die Luft getreten hatte, reichte diese Geste aus, Josy zum explodieren zu bringen. Waren doch diese Tiere ihre Schützlinge und keiner durfte sie so behandeln.
Sie schüttelte sich bei der Erinnerung. Ein eisiger Schauer, der ihr über den Rücken lief und ihr wieder einmal aufs neue bewies, wie widerlich sie diese Viecher fand.
Seit diesem Tag glaubte Carla hier nicht willkommen zu sein und ging ihren eigenen Weg. Ständig war sie an die Personen dieses Hauses angeeckt. Warum wollte nur keiner ihre Beweggründe hören, oder einfach mal auf sie eingehen?
Selbst ihre Aussage von damals, dass sie nicht Sarah sondern Carla war, wollte niemand so recht wahrhaben. Josy hatte ihr mehrere Male eindringlich zu verstehen gegeben, dass sie dieses Spiel sein lassen sollte. Es hälfe sowieso nicht so zu tun, als sei man ein andere Vampir geworden, um den Schmerz seines Seelenbissverlustes zu unterdrücken. Sollten doch alle dies denken.
Wut. Mehr empfand sie bei diesem Gedanken nicht. Blanke, brachiale Wut.
Weit lehnte sie sich zurück und kippelte mit dem Stuhl. Was sie im Spiegel sah gefiel ihr. Die roten Katzenaugen waren umspielt von tiefer Schwärze und brachten sie erst richtig zur Geltung. Schade nur, dass sie dies unter einer dunklen Sonnenbrille verstecken musste. Diese Tatsache war sie unendlich leid!
Als sie sich so zurücklehnte und ihr Blick durch das Zimmer schweifte, blieb er beim großen Schrank kleben. Carla wusste, was sich dort drinnen befand. Allerhand von Ausbeutungen der letzten Wochen. Sie hatte Alexanders Kreditkarte zum Glühen gebracht. In San Francisco hatte sie die teuersten Budiken besucht und sein Konto bluten lassen. Geschah ihm ganz recht!
Wie konnte man nur ein Halbwesen lieben? Carla verstand das nicht. Zugegeben, er sah ganz ansehnlich aus, aber für sie war er ein Werwolf. Schließlich war sein Vater ein Held der Wölfe, wie könnte da ihre Abneigung falsch sein? Sein Vater musste tausende von ihrer Art in den endgültigen Tod geschickt haben!
Eines jedoch hatte sie trotz allem nicht gewagt. In diesem Schrank war noch etwas anderes. Etwas, was sie nicht selbst gekauft hatte. Edel. Schön. Unbeschreiblich. Aber dennoch eine Errungenschaft von ihm. Sie hatte es lediglich ein einziges Mal betrachtet; hatte es nur ein Mal berührt. Carla wusste nicht, was sie von dem Kleidungsstück halten sollte. Es war ihr ein Dorn im Auge, denn es berührte etwas in ihr. Trotzdem war es irgendwie ein Teil ihrer selbst. Sie sollte es lieben. Aber andererseits glaubte sie auch, sie müsse es hassen, denn die Angst vor diesem Gegenstand war unglaublich beständig; genauso wie der Respekt davor.
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