Auch in der DKP gab es Bildungsabende zu bestimmten Themen. Wie überhaupt der Bildung ein großer Raum eingeräumt wurde. So gab es die Marxistische Abendschule (MASCH), bei der ich auch einen ca. einjährigen Abendlehrgang zum Marxismus-Leninismus absolvierte. Es gab Manifest-Zirkel, bei denen das Kommunistische Manifest von Marx gelesen und interpretiert wurde. Die gesamte Bildungsarbeit war allerdings so ausgelegt, dass die wesentlichen Schlussfolgerungen vorinterpretiert waren und man gesagt bekam, was man zu denken hat. Kritisches Infragestellen wurde im Notfall damit beendet, dass einem unterstellt wurde, dass man wohl nicht das richtige Verhältnis zur Sowjetunion habe. Und das wollten die deutschen Kommunisten ja bekanntlich nie ändern („Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass wir unser Verhältnis zur Sowjetunion ändern“, sagte einst Herbert Mies, langjähriger Parteivorsitzender).
Die SDAJ Südbayern hatte drei hauptamtliche Funktionäre. Landesvorsitzender, Organisationsverantwortlicher und Kreisvorsitzender von München. Diese waren, wie ich erkannte, als ich selbst zweieinhalb Jahre dazugehörte, direkt der DKP gegenüber rechenschaftspflichtig und es gab keine Personalentscheidung ohne Berlin (Politbüro der SED). Auch finanziell waren sie direkt abhängig. Das Beitrags- und Spendenaufkommen reichte keineswegs.
In der DKP gab es natürlich einen viel größeren hauptamtlichen Apparat aus Kreis- und Bezirkssekretären. Die DKP residierte damals in der Münchner Reisinger Str. 5 und die SDAJ anfangs noch in der Romanstraße und später dann in der Reisinger Str. 3. Es wurden sehr rührige Aktivitäten unternommen, in den Münchner Stadtrat zu kommen, was aber nie gelang. Die Kommunisten waren in nahezu allen sozialen Bewegungen aktiv und sehr häufig auch ihre Motoren. Gewerkschaften, Friedensbewegung, Mieterbewegung etc. wurden auch als wichtige Rekrutierungsbasis für die Partei gesehen. Die Betriebsaktivisten waren immer hin und weg, wenn ein betriebsbekannter Sozialdemokrat mit ihnen gesprochen hatte oder sich gar zu einer gemeinsamen Aktivität bewegen ließ. Das war dann ein Beweis für ihre Massenverankerung und musste auf dem nächsten Gruppenabend verkündet werden.
Es gab regelrechte Familiendynastien. Großeltern, Eltern und Kinder, alles Kommunisten und einige dieser Familiendynastien hielten wichtige Schlüsselpositionen in Partei und Jugendverband. Für viele war die Partei eine Ersatzfamilie und Kritik an ihr eine Blasphemie (wie gesagt: die Partei hat immer Recht ...). Als dann der reale Sozialismus zusammenbrach und sich auch SDAJ und DKP atomisierten, brach für viele eine Welt zusammen und sie verloren die Orientierung in ihrem Leben. Es war doch alles so schön einfach: „Leben heißt kämpfen und der Sozialismus wird siegen, wir haben die Wahrheit.“
Die Partei war auch ein Rundum-Freizteitclub. Man fuhr gemeinsam auf Berghütten oder in den Urlaub. Viele hatten keinen Kontakt mehr zu Menschen, die nicht politisch aktiv waren. Ich hatte noch meinen Freundeskreis in meinem Ort.
Für die Studenten gab es eine eigene Organisation. Das war der Marxistische Studentenbund Spartakus. Dieser Verband war aber meist ziemlich abgetrennt von uns und es gab nicht so besonders viele Berührungspunkte. Auch rümpften die echten Proleten gerne die Nase über die g’spinnerten Intellektuellen. Es gab aber immer wider größere Studentenaktivitäten zu rein studentischen Fragen aber auch zu den Themen Frieden oder Atomkraft. Auch fanden viele Veranstaltungen in den Räumen der TU-Mensa oder der Uni-Mensa statt. Die Ludwigs-Maximilian-Universität wurde zu dieser Zeit von linken Studenten allgemein Geschwister-Scholl-Universität genannt.
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