Der Hexenmeister schaute das verstörte Hexlein an und sagte zu ihr freundlich: „Wo ist jemand, wo klopft wer?” Hexlein Rumsum zeigte auf ihre linke Brust. 
„Ach du Dummerle, hast du mir eine Angst gemacht. Dein bum bum ist nichts anderes als dein kleines Herz. Du hast ein kleines Herz bekommen. Wieso, dass weiß ich nicht. Doch damit musst du leben”, sagte der Hexenmeister lachend. Somit verschwand er.
„Ach, ein Herz, ein Bum bum Herz. Ich habe ganz für mich alleine ein Herz. Was mache ich mit einem Herz?” Schon wollte sie wieder anfangen zu weinen, da las sie im Zauberbuch alles über das Herz. Und je mehr sie las, umso glücklicher wurde sie. Ja, und stolz wurde sie auf ihr Herz. Denn sie hatte ein gutes Herz. So schlief sie nach langem Lesen ein.
Das glückliche Hexlein Rumsum.
Hexlein Rumsum schlief selig. Als der neue Morgen erwachte und die Vögel zum zwitschern anfingen, öffnete Rumsum ihre Augen. Blitzartig, fiel ihr alles wieder ein. Sie hatte ein Herz. Ein wunderbares Herz.
Sie blickte um sich. Da sah sie zwei kleine Mäuse auf ihrem Bettgestell.
„Wo kommt ihr denn her?“
„Wir sind schon immer hier gewesen. Nur hatten wir Angst vor dir, als du noch kein Herz besaßest. Auch hattest du uns nie wahrgenommen“, piepsten die Mäuse. Rumsum sah sie an, dann lächelte sie und sagte spontan: „Na dann kommt, wir wollen frühstücken. Wie heißt ihr denn?“
„Ich bin Flipsi“.
„Ich bin Floppi“, piepsten sie.
„Kommt schon“, sagte sie fröhlich und sprang aus dem Bett. Zog sich an und ging mit den kleinen Mäusen in die Küche. Als sie gefrühstückt hatten steckte sie Flipsi und Floppi in ihre Rocktasche und setzte sich auf ihren Zauberbesen Rumpelpumpel und flog in die kleine Stadt. Sie war so glücklich, das Glücksgefühl wollte sie mit allen teilen.
So flog sie über das kleine Städtchen und landete mitten auf dem Marktplatz. Die Marktfrauen staunten über die kleine Hexe, die aussah wie ein Kleinkind.
„Guten Tag“, sagte sie ganz freundlich, als sie vorbei ging. Doch die Frauen blickten sie nur misstrauisch an. Rumsum verstand ihr Misstrauen nicht.
„Warum, blicken die Marktfrauen so ernst? Ich bin doch freundlich, wovor haben sie Angst?“, fragte sie Flipsi und Floppi.
"Na, du bist eine Hexe und Hexen sind böse. Sie kennen keine netten Hexen“, piepste Flipsi.
„Wie kann ich ihr Vertrauen gewinnen, so dass sie merken dass ich keine böse Hexe mehr bin?“
„Du musst es ihnen zeigen“, piepste Floppi
„Wie zeigt man den anderen, dass man eine gute Hexe ist?“, fragte Rumsum verwundert.
„Du tust gute Dinge", sagte Flipsi. „Wie, den anderen helfen“.
„Oder, sich für eine gute Sache einsetzten. Wenn jemand in Not ist, ihm beistehen. Es gibt so viel, such dir was aus“, sagte Floppi stolz. Hexlein Rumsum schaute die kleinen Mäuschen an. Dann drehte sie sich um und ging auf die Marktfrauen zu. Dann fragte sie freundlich: „Kann ich euch irgendwie helfen?“
„Wie willst du uns helfen? Ein kleines Kind und dann noch eine Hexe“, murrte ein altes Marktweib. Rumsum sah sich um und entdeckte einige umgeworfene schwere Kisten. Sie sprach laut:
„Hokus Pokus Pakopack
Nichts ist schwerer, als ein voller Sack.
Pokus Hokus Hirsebrei.
Aufgeräumt, eins, zwei, drei.“
Schon rumpelte und pumperte es bei den Kisten. Wie von Geisterhand wurden sie aufeinander gestellt, und alles stand ordentlich da. Den Marktweibern stand der Mund offen.
„Das ist ja prima, was kannst du noch mein Kind“, sagte die Alte als erstes und langsam kam Leben in die Frauen. Schon wurde Rumsum umzingelt von den Marktfrauen. Alle wollten nun ihre Hilfe. Das Hexlein wollte ja helfen doch eine jede Frau wollte die erste sein. Die eine zog an ihrem linken Arm, die andere an ihrem rechten Arm. Bis der Hexenbesen, Rumpelpumpel, sich durch die ganzen Füße schwang und seine Besitzerin in die Luft erhob. Erst dann gaben die Marktfrauen ruhe.
„Ich kann euch doch nicht helfen, wenn sich alle auf einmal auf mich stürzen“, rief Rumsum.
Dann flog sie langsam wieder zu ihnen zurück. Sie gab ein verstohlenes Lächeln ab. Das Hexlein sah sich die Frauen sehr genau an und Hokus Pokus, eins, zwei, drei waren sie von ihrem Zwickerlein befreit. Auch half sie beim Beladen der Waren in die Körbe. Zufrieden gingen die Marktfrauen nachhause und man hörte sie murmeln: „Heute war’s ein schöner und leichter Tag. Wir mussten nicht die schwere Aufräumarbeit tun“.
„Aber sie hätte schon noch mehr für uns machen können. Na ja, was willst du schon von einem kleinen Kind erwarten“, sagte die Alte mürrisch und blickte noch mal zurück. Rumsum sah ihre kleinen Freunde an und sagte: „War ich jetzt eine gute Hexe? Warum spricht sie dann so über mich?“, sprach sie verärgert. In ihr brodelte es. Sie stampfte mit dem Fuß und ballte sie Hände zu Fäusten.
„Oh ja, das warst du wirklich, wir verstehen die Alte auch nicht", piepsten die beiden Mäuse.
„Aber gut sein ist anstrengend, ich bin müde und hungrig. Doch am liebsten würde ich dieser alten Frau einen Buckel und eine dicke fette Warze ins Gesicht hexen“, sagte sie erschöpft. Sie wollte sich schon auf Rumpelpumpel schwingen, da sah sie einen wunderschönen saftigen Apfel am Boden liegen. Das Hexlein wusste, wem der Apfel gehörte. Die Alte könnte davon mindestens ein paar Groschen bekommen, die sie wohl auch brauchen würde. Doch Hexlein Rumsum hatte großen Hunger und schwer gearbeitet. Sie verdiente jetzt den Apfel, noch dazu war die Alte so gemein zu ihr gewesen. Sie hob ihn auf und wollte schon hineinbeißen, als die kleinen Mäuschen piepsten: „Willst du wirklich jetzt diesen Apfel essen und ihn nicht doch lieber abliefern. Auch wenn sie undankbar war, ihr gehört er".
„Ich soll jetzt auf diesen Apfel verzichten und dieser gemeinen, alten Frau noch nachtragen? Lieber esse ich ihn auf, so eine Wut habe ich auf sie.“
„Das kannst du nicht machen, das ist böse. Du willst doch eine gute Hexe werden. Also musst du ihre unbedachten Worte verzeihen und nachgeben“, piepste Flipsi.
„Trag ihr den Apfel nach und denk nicht daran, ihn zu essen“, mahnte Floppi.
„Ich habe Hunger, das ist nur ein Apfel, was ist daran schlimm“?
„Du hast jetzt viel Gutes getan nun mache jetzt nichts Böses“, piepste Floppi.
„Dieser Apfel gehört der alten Frau. Sie könnte ihn verkaufen, wenn du ihn jetzt isst, hat sie nichts“, dabei schaute Flipsi, Rumsum mit großen Kulleraugen an. Sie stieg auf Rumpelpumpel und flog zu der Alten. Diese erwartete sie schon.
„Bringst du mir meinen kostbaren Apfel?“, sagte die Alte. Rumsum schaute erstaunt. Sie ging auf das alte Weiblein zu. Reichte ihr den Apfel und blickte in ihr Gesicht. Plötzlich staunte Hexlein Rumsum. Vor ihr stand die Oberhexe. Diese schüttelte den alten Kopf: „Ich glaub es immer noch nicht, wenn ich es nicht selber erlebt hätte. Du bist wirklich eine gute Hexe geworden und du kannst auch schon gut und böse auseinander
halten. Erstaunlich, und verzeihen kannst du auch? Bemerkenswert. Nimm, - du kannst den Apfel behalten, du hast ihn dir ehrlich verdient. Doch geh den Bösen Hexen lieber aus dem Weg. Lass dich bei denen nicht mehr blicken. Mit lieben Hexen, die noch dazu ein gutes Herz besitzen, wollen sie nichts zu tun haben.“ Darauf verschwand die Oberhexe mit einem Donnerschlag.
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