Und noch etwas: dieses Buch ist völlig authentisch, mit Ausnahme des Autorennamens. Da ich das Stottern schon lange hinter mir gelassen und wenig Vertrauen in die allgemeine Toleranz habe, da ich im Übrigen in anderen Geschäften unterwegs bin, sehen Sie mir bitte nach, dass ich dieses ansonsten vollkommen authentische Buch unter einem Pseudonym geschrieben habe.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen und Courage, Mut für Ihren Weg! Alles Gute! Und vielleicht sehen wir uns mal auf einer Autorenlesung?
The King´s Speech war ein mit OSCARs preisgekrönter Film, der 2010 herauskam. Ich wurde in diesem Jahr 50 Jahre alt. Meine Kinder waren 16 und 13 Jahre alt. Meine Kinder hatten mich nie als Stotterer erlebt. Ich wollte, dass meine Kinder erspüren könnten, wie ich mich gefühlt habe, als ich so alt war wie sie oder ein wenig älter. Stottern hinterlässt Narben, wenn es über mehrere Jahre andauert, tiefe Narben. Diese können verheilen. Doch manchmal, bei psychischer Wetterfühligkeit sozusagen, werden Sie diese Narben spüren, selbst wenn Sie den Tag erfahren durften, an dem Sie nicht mehr stotterten.
Jedem, der fühlen möchte, wie sich ein Stotterer täglich fühlt, sei empfohlen, sich den Film „The King´s Speech“ anzusehen. Die Schauspieler waren glänzend. Letztlich Verursacher des Elends war, in diesem Fall, der Vater. Es gibt eine Szene, wo der Vater den erwachsenen Sohn beschimpft, weil er stottert. Eine Schlüsselszene. Ich bin den Machern dieses Films, allen voran dem glänzenden Schauspieler Colin Firth, sehr dankbar. Der Film hat mir ermöglicht, meinen Kindern zu zeigen, wo ich herkomme. Und er erlaubt allen Menschen, das (fremde) Elend des Stotterers in beklemmender Weise nachzufühlen.
Am Ende des Films muss der junge König eine Radioansprache an sein Volk halten, zum Eintritt Großbritanniens in den Zweiten Weltkrieg. Mit Hilfe seines Coaches gelingt ihm diese Ansprache ziemlich gut. Dabei ist dieser Mann nicht geheilt, er kann nur viel besser mit seinem Stottern umgehen.
Dies ist die einzige Botschaft, die individuell sicher richtig ist, jedoch allgemein auf keinen Fall! Bitte merken Sie sich: Jeder kann mit dem Stottern aufhören. Davon handelt dieses Buch.
Stottern ist vollkommen unnötig!
Das Ziel dieses Buches ist es, Ihnen zu berichten und Ihnen Mut zu machen.Sie interessieren sich für das Stottern, weil Sie entweder selbst stottern oder weil jemand, der ihnen lieb ist, stottert. Ihr Interesse ist der erste Schritt: das Stottern zu überwinden, es los zu werden. Stottern ist wie ein immer hör- und sichtbarer, physischer Makel. Als ob Ihnen ein Auge fehlt oder ein Bein, nur, dass doch jeder flüssig sprechen kann, der intelligent ist, oder?
Stottern ist vollkommen unnötig! Es gibt keinen geborenen „Stotterbock“, und auch keine geborene „Stotterziege“.
Sie haben es in der Hand, obwohl Sie es wahrscheinlich kaum glauben können: es ist Ihre freie Entscheidung, sich vom Stottern zu lösen.
Die dazu notwendigen Schritte zu ergreifen, dabei will sie dieses Büchlein unterstützen. Um dies zu erreichen, schildere ich Ihnen ein paar meiner Erfahrungen und meinen Weg, wie ich mein Stottern ablegte. Ich schildere Ihnen, was mich noch Jahre danach begleitete und was ich über mich herausgefunden habe. Es ist eine sehr persönliche Schilderung und hoffentlich für Sie hilfreich, weil diese Schilderung Sie anregen wird zu eigenen Überlegungen und Handlungen, die Sie auf Ihrem Lebensweg weiterbringen.
Um auch das vorweg zu nehmen: Das Leben stellt Anforderungen an uns. Es ist unsere Entscheidung, wie wir auf diese Anforderungen reagieren. Ich teile die Ansichten Dr. Viktor Frankls. Es ist unsere Entscheidung, ob wir uns annehmen, ob wir uns verändern im Rahmen unserer Möglichkeiten, oder ob wir uns abfinden mit Unerträglichkeiten. Der Mensch lernt nur durch Leiden. Und Stottern ist eine Möglichkeit zu lernen.
Da dies kein akademischer Bericht ist, auch keine Information eines sogenannten Experten für Stottern, habe ich die kurze Auseinandersetzung mit den sogenannten Experten an das Ende dieses Büchleins gestellt. Damit Sie dort nachlesen können, was ich von diesen Experten halte, wenn es um die Therapierung von erwachsenen Stotterern geht.
Stottern nach dem 6. Lebensjahr
Viele Kinder stottern, mehr Buben als Mädchen. Und bei den meisten Kindern verliert sich das Stottern nach wenigen Jahren, irgendwann zwischen drei und sechs Jahren. Bei manchen, mehr Buben als Mädchen, bleibt es. Ich weiß nicht, wie diesen Kindern geholfen werden kann.
Wenn man fragt „Wem nutzt es?“, dann stelle ich nach meinen Erfahrungen fest, dass Stottern Kindern zuerst hilft, und ihnen dann ungemein schadet. Zuerst erntet das stotternde Kind Aufmerksamkeit. „Sprich langsam!“, sagt der angestotterte Erwachsene und wendet sich dem Kind zu. Das Kind bekommt auf einmal dieselbe Aufmerksamkeit wie ein anderer Erwachsener. Es könnte also zutreffen, dass der sekundäre Krankheitsgewinn für diese Kinder überwiegt, die ihr Stottern nicht in den ersten 7 oder 8 Lebensjahren wieder verlieren. Wie gesagt: ich weiß nicht, wie diesen Kindern geholfen werden kann.
Stottert man als Jugendlicher noch oder gar als Erwachsener, erweist sich das Stottern als übler Makel. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, wie man sich als Erwachsener aus dem täglichen Teufelskreis der Angst vor dem Stottern, wieder Stottern, erneuter Angst vor dem Stottern befreien kann. Und darüber handelt dieses Buch: damit Sie die Courage bekommen und sich auf Weg machen, diesen sichtbaren und hörbaren Makel des Stotterns abzulegen.
Viele sogenannte Experten verdienen an Stotterern. Doch kaum jemand bekennt sich, Stotterer gewesen zu sein und darstellt, welche Nöte er ausgestanden hat und welchen Sieg er errungen hat, als er das Stottern ablegte.Ich will Ihnen anhand meiner eigenen Erfahrungen darstellen, dass es funktioniert: Sie können als Erwachsener Ihr Stottern komplett überwinden.
Dies ist kein plötzliches Ereignis; es ist ein jahrelanger, manchmal schwieriger und schmerzhafter Weg. Meinen ganz persönlichen Weg stelle ich in diesem Buch dar, damit Sie Mut fassen, sich von Ihrem Stottern zu befreien.
Als Stotterer befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Spontan fallen Ihnen möglicherweise Diogenes ein, oder Churchill oder der 2014 benannte französische Literaturnobelpreisträger, Patrick Mondiano. Auch der monegassische Fürst soll stottern, allerdings nur in der Sprache seines Vaters. Alles dies waren und sind Personen, die als Erwachsene noch stotterten.
Von Mondiano weiß ich zu wenig, doch von Diogenes und auch von Churchill ist bekannt, dass sie sich durch hohe Disziplin ihr Stottern abgewöhnen konnten. Dies ist Teil meines Weges gewesen, den ich Ihnen nachfolgend darstelle.
Die Voraussetzungen, damit Sie Ihr Stottern verlieren, sind zuerst Ihre unbedingte Entscheidung, kein Stotterer mehr sein zu wollen, und dann Ihr tägliches Zugehen auf dieses Ziel. Es ist Ihre persönliche Entscheidung, Ihr Stottern zu lassen oder es zu behalten.
Orientieren Sie sich, wenn Sie möchten, an der Philosophie Professor Dr. Viktor Frankls, des Wiener Psychiaters, über den Sinn des Lebens. Frankl lebte zwischen 1905 und 1997. Frankl war ein weltweit bekannter Psychiater, der sich auch mit Philosophie und Anthropologie beschäftigte. Viktor E. Frankl ist der Begründer der sog. Logotherapie. Seine Frage nach dem Sinn des Lebens und seine Antworten auf diese Frage sind heute aktueller denn je.
Frankl stammte aus Wien, kam in der NS-Zeit in Konzentrationslager (Theresienstadt, Auschwitz, Dachau) und überlebte diese, anders als seine Eltern und seine Frau, die in den KZ ermordet wurden. Frankl lebte und arbeitete danach in den Vereinigten Staaten von Amerika und starb 1997, hochbetagt, in seiner Heimatstadt Wien. Er war promoviert in Medizin und in Philosophie. Frankl war in Kontakt mit Freud und Adler. 1955 Professor für Neurologie und Psychiatrie an der Universität Wien, Gastprofessuren in Harvard, Dallas und Pittsburgh, schrieb Frankl 32 Bücher. Viele wurden in zahlreiche Fremdsprachen übersetzt. Er erhielt weltweit zig Ehrendoktorate, zweifelsohne zu Recht.
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