Innerlich sehen wir uns die drei Dutzende, die drei Kolonnen an und wir machen uns bewusst, dass wir den Ort, an dem sich unsere Zahl befindet, ohnehin bald sehen werden.
An einem öffentlichen Roulette-Tisch wird, nachdem die Kugel gefallen ist, mit einem langen Schieber auf die Zahl gezeigt. Dieses Erlebnis können wir uns zusätzlich vorstellen. Es reicht aber auch, wenn wir uns nur fragen, liegt sie im oberen, mittleren oder unteren Dutzend, rechts, links oder vielleicht in einer Ecke des Spielfelds? Eine sehr genaue räumliche Vorstellung von unserem Spielfeld wird später ein Bild zur Folge haben, welches eine Raumangabe enthält.
Dank dieser starken Vorstellung stellt es sich - wie von selbst - vor. Es stellt sich vor uns hin: Ein leuchtendes, helles Bild.
Bevor dieser Augenblick eintritt, beschleicht uns gelegentlich das Gefühl der Überforderung, denn wir schicken uns an, eine Grenze zu durchbrechen.
Doch das Bild, welches wir sehen werden, ist in der Regel kaum länger als eine Sekunde da. Es wird eine entspannte Sekunde sein. Die Vorstellung und die damit verbundene Anspannung liegen zurück.
Für die, die das Bild noch nicht gefunden haben: Sie stellen sich den Moment der eintreffenden Zahl einfach weiter vor, streifen weiter im Geiste durch die Felder des Spieltisches und dorthin, wo die Zahl liegen wird. Sie kennen diesen Platz!
Die Frage kann hin und wieder neu gestellt werden, entweder laut ausgesprochen oder nur innerlich, sowie es einem am kräftigsten vorkommt, denn ein Abschweifen der Gedanken lässt sich auf Dauer nicht vermeiden. Dann kehren wir wieder zu unserer Frage zurück. Wie oft wir zu unserer Frage zurückkehren müssen, das ist uns gleichgültig. Wir bleiben einfach beharrlich und beurteilen uns nicht.
Zuweilen freilich kommt die Antwort gerade dann, wenn wir in Gedanken etwas abgeschweift sind! Es ist natürlich dennoch die Antwort auf unsere Frage. Das Abschweifen der Gedanken ist gleichzeitig ein Loslassen, das den Entspannungsmoment für die Antwort einräumt.
Mein Eindruck ist tatsächlich, dass die Zukunft in der Gegenwart anwesend ist, und dass wir sie dort aufspüren können. Sie gleicht einer unsichtbaren geometrischen Blume, die wir sichtbar machen können, wenn wir das fest vorhaben. Sie steht in der Mitte eines dunklen Raumes vor uns und wartet darauf, dass wir uns ihrer bewusst werden. Das Bewusstmachen eines uns bevorstehenden Erlebnisses nenne ich Hellsehen und es führt uns zu einem hellen Bild.
So wie wir uns vergangener Erlebnisse bewusst werden, indem wir uns gelegentlich an sie erinnern, können wir uns zukünftige Erlebnisse bewusst machen, indem wir uns diese Zukunft sehr intensiv vorstellen, sprich visuell auf uns zukommen lassen.
Im Laufe der Zeit wird der Vorgang des Hellsehens zu etwas sehr Selbstverständlichem, so wie wir auch sonst eine Frage stellen und gewöhnlich darauf eine Antwort erhalten.
Warum unsere Frage auf den Platz
der Zahl gerichtet ist und nicht
auf die Zahl als bloße Zahl
Der Sinn wird sein, dass der direkte Weg zur Zahl, also einfach ein Bild von der Zahl selbst, uns wahrscheinlich mehr verschlossen ist als der indirekte. Wir brauchen als Schlüssel für unsere Antwort ein geometrisches Bild, ein Zeichen.
Über diesen indirekten Weg gelingt es, einen enorm großen Teil der Spannung aus der Fragesituation herauszunehmen und damit eine Tür zu öffnen, die wir als eingefleischte Rationalisten bisher für fest verschlossen hielten.
Trotzdem besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass wir auf unsere Frage kein geometrisches Bild zur Antwort erhalten, sondern gleich ein Bild von der Zahl selbst.
Dann hat es bereits jene Eigenschaft erreicht, die ich als „Traumbild“ bezeichne. Wenn wir eine überraschend große Begabung zum Hellsehen haben bzw. in der Lage sind, nach einer konzentriert gestellten Frage uns an einem Tisch auch soweit zu entspannen, dass wir beinahe schlafen, benötigen wir keine geometrischen Bilder; denn ein geometrisches Bild muss anschließend immer erst entschlüsselt werden, und das natürlich richtig! Ich selbst habe 16 Jahre zunächst nur mit Hilfe der geometrischen Bilder gearbeitet und erst dann auch direkte Zahlenbilder empfangen bzw. Traumbilder im Wachzustand. Kurz vor dem Einschlafen bzw. kurz nach dem Aufwachen, also meistens einfach in meinem Bett. Doch dies ist meine persönliche Entwicklung, sie wird selbstverständlich nicht für jeden gelten.
Dieses Buch soll eine Hilfe und ein Ansporn sein, den Weg des Hellsehens versuchsweise zu beschreiten. Sehr schnell wird jeder feststellen, dass sein Weg ein eigener ist, und dem hier beschriebenen vielleicht nur ähnelt.
Ein dunkler Raum, in dem ein Bild aufleuchtet
Sobald wir unsere Hände vor die geschlossenen Augen gelegt haben, sehen wir in diese von uns herbeigeführte Dunkelheit hinein. Wir lassen das Auge weiter sehen, so als wäre es noch offen. Es braucht eine kurze Weile bis die letzten sekundären Bilder von außen ganz verschwinden. Eine ruhige Dunkelheit kehrt ein und in diese Dunkelheit sehen wir hinein. Es ist erstaunlich, dass die Aktivität des Sehens mit dem Schließen der Augen nicht zwangsläufig aufhören muss!
Wie sieht denn diese Dunkelheit genau aus? Vollständig schwarz ist sie nicht, sondern eher grau. Wir üben keinen Druck mit den Händen auf unsere Augen aus, sondern lassen sie die ganze Zeit über nur gleichmäßig locker aufliegen.
Unsere Frage haben wir gerade konzentriert gestellt. Sie begleitet unser Sehen und kann in regelmäßigen Abständen auch wiederholt werden.
Das erste, was wir in der grauen Dunkelheit wahrscheinlich entdecken werden, ist ein kleiner weißer Punkt. Oder nur ein kurzer, dünner, weißer Strich. Das ist nicht viel, aber es ist etwas!
Verheißungsvoll wie das Morsezeichen eines fernen Schiffes.
Oder stellt so ein kleiner weißer Punkt etwa die winzige Öffnung zu einem sehr hellen Raum dar, der noch hinter dieser Dunkelheit liegen könnte? Dann würde die Dunkelheit einer grau-schwarzen Wand gleichen, die an manchen Punkten oder winzigen Strecken offensichtlich aufreißt. Betrachten wir also die weiß blitzenden Punkte als Löcher und die kurzen weißen Striche, haben wir sie erst einmal entdeckt, als kantenartige Risse! Auch scheint es, je länger und tiefer wir in die Dunkelheit hineinsehen, dass sich diese ein wenig erhellt, aus Schwarz-Grau wird ein Hellgrau. Besteht das Hellgrau oder auch Weißgrau etwa aus einer unendlichen Menge dieser weißen Punkte, die aber nur sehr schwach durchleuchten? Ist da womöglich eine große Helligkeit, die zu uns durchdringen will?
Stattdessen mögen wir dann aber auch den Eindruck einer Milchstraße haben, wo unendlich viele dieser weißen Punkte, sprich Sterne auch ein solches Weißgrau erzeugen. Es will uns scheinen, als blickten wir gerade in eine Art inneres Himmelszelt.
Einzelne Sterne leuchten hierbei stärker auf. Kanten reißen von Stern zu Stern oder sogar innerhalb ganzer Sterngruppen auf und bilden so für nur kurze Zeit eine Form.
Wie auch immer - wir suchen gerade innerhalb dieser weißgrauen Wand oder innerhalb unserer wolkigen Milchstraße nach einem zarten, hellen und flächigen Gebilde. Können wir feststellen, dass der weißgraue Himmel vor uns wechselnde Musterungen aufweist? Diese Musterung kann auch den Eindruck eines dahinterliegenden vorhandenen Rasters erwecken. Da wir ein geometrisches Bild erwarten, kann es dort sehr gut entstehen.
Vermuten wir eine große Helligkeit hinter der Dunkelheit, dann bedeutet diese Annahme, dass sie früher oder später die Dunkelheit partiell durchbrechen wird und uns für einen kurzen Moment eine flächige und sehr exakte Form zeigt.
Welche Form diese flächige Erscheinung auch haben mag, sehr gut zu vergleichen ist sie mit dem Anblick unseres Mondes. Wenn er am frühen Nachmittag nur zart am Himmel zu sehen ist, dann sind wir dennoch überrascht ihn gesehen zu haben! Das Bild kann aber auch genauso gut stark leuchtend erscheinen, so wie unser Mond bei Nacht.
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