Vor Vivis Haustür sagte Ben zu ihr: „Wir sehen uns dann Morgen! Ich hol dich um 15.00 Uhr ab und ich hoffe dir geht’s dann wieder besser.“ „Tschüss!“
Sie konnte in dieser Nacht nicht schlafen sondern musste immer wieder an den Fremden denken, der ihr solche Herzschmerzen verursacht hatte. Am nächsten Tag gingen Vivi und Ben ins Schwimmbad. Ben holte ein Eis für Vivi und sich und Vivi schwamm in der zwischen Zeit einige Bahnen. Schon wieder verlor sie schlagartig das Bewusstsein und tauchte langsam in das zwei Meter tiefe Becken ab. Die Leute die im selben Becken um sie herum schwammen, bemerkten nicht, dass Vivi zu ertrinken drohte. Sie bekam alles mit, aber konnte sich aus irgendeinem Grund nicht bewegen. Jemand packte sie, schwamm mit ihr zur Oberfläche und brachte sie an den Beckenrand.
Ein Junge hatte sie gerettet und sagte, mit einer sanften und irgendwie vertrauten Stimme zu ihr: „Sei vorsichtig, ich kann ja nicht immer da sein um dir zu helfen!“
Als Vivi sich umdrehte um ihren Retter zu sehen war niemand da.
„Wo ist er denn hin? Er war doch gerade noch da und wieso kam mir seine Stimme so vertraut vor? Wer war das?“, dachte sie.
Ben stürmte zu ihr an den Beckenrand und fragte: „Ist alles in Ordnung? Du wärst ja fast ertrunken, nur gut das nichts passiert ist!“
„Ja. Der Junge der gerade da war hat mir ja geholfen!“
Ben schaute sie fragend an: „Da war niemand, du wärst zwar fast ertrunken aber du bist dann alleine zum Beckenrand hingeschwommen! Ich hätte es doch gesehen wenn dir jemand geholfen hätte! Leider können wir jetzt unser Eis vergessen, weil ich dir helfen wollte habe ich das Eis einfach auf den Boden fallen lassen! Tut mir leid!“
„Das macht nix! Ich habe jetzt eh keinen Appetit mehr auf Eis!“, meinte sie.
Sie verabredeten sich jetzt fast täglich und befreundeten sich immer mehr. So waren in kurzer Zeit die Sommerferien vorbei und das neue Schuljahr begann. Weil Vivi und Ben die Abschlussprüfung in der neunten Klasse nicht mitschreiben konnten, mussten sie die neunte Klasse wiederholen und waren wieder zusammen in einer Klasse. Doch egal ob Schule oder nicht, Vivi und Ben verabredeten sich trotzdem weiterhin jeden Tag. Vivi bekam eines Abends einen Anruf von einer Freundin, namens Misa, die mit ihr letztes Jahr in derselben Klasse war.
„Und wie ist es so die Neunte zu wiederholen? Ist es schwer?“
Vivi antwortete: „Nee, ich kenne das meiste ja schon. Ich kann leider nicht so lange mit dir reden, ich hab mich heute wieder mit Ben verabredet!“
„Ben? Der letztes Jahr neu an unsere Schule kam?“
„Ja, genau der!“
„Und was ist dann aus deinem Sandkastenfreund Daniel Suktei geworden?“
„D.. Da.. Daniel? Danny! Weißt du etwas von ihm?“
„Nein! Du bist doch seine Sandkastenfreundin! Weißt du den nicht was mit ihm ist? Ihr habt euch doch immer so gut verstanden!“
„Ben ist da, ich muss jetzt auflegen. Tschüss!“
„Ja, ok tschau!“
Ben und Vivi wollten eigentlich ins Kino gehen. Doch Vivi wollte heraus finden was mit Danny passiert ist.
„Du können wir heute vielleicht doch nicht ins Kino gehen?“
„In Ordnung. Was willst du denn dann machen?“
„Ich.. ich wollte in den Park gehen!“
„OK! Gehen wir in den Park!“
Sie gingen langsam durch den dunklen und gruselig wirkenden Park. Da bekam Vivi auf einmal ganz schlimme Kopfschmerzen, die umso schlimmer wurden umso weiter sie gingen. Als ob etwas nicht wollte, dass sie weitergingen. Aber Vivi wollte auf jeden Fall heraus finden wo Danny war. Auf einmal standen die beiden vor einer zugeschütteten Höhle. Vivi verspürte den ganz starken Drang in die Höhle zu gehen, egal ob ihr Kopf dann vor Schmerzen zerbrechen würde.
Ben nahm ihre Hand und sagte zu ihr: „Es tut mir leid! Ich habe dich angelogen!“
Ihm staden die Tränen in den Augen: „Ich weiß was damals passiert ist! Es tut mir Leid, dass ich dich angelogen habe! Aber ich wusste nicht wie du darauf reagieren würdest! Doch das deine Erinnerungen so stark sind, dass sie dich hierher führen, hätte ich nicht gedacht!“
Vivi schaute ihn fragend an und sagte: „Ich habe keine Ahnung wovon du redest! Aber wenn du weißt was passiert ist und wo Danny ist, will ich, dass du mir alles erzählst!“
„In Ordnung!“
Sie setzten sich auf eine Parkbank und Ben erzählte Vivi alles was damals in Fadalia passiert war. Er erzählte ihr vom Kampf mit Bano und auch vom Kuss mit Danny.
Vivi erschrak und fragte: „Ich h… habe Danny geküsst? Er ist oder war mein bester Freund wieso sollte ich ihn den Küssen?“
Sie sah, dass Ben traurig war und wollte keine Antwort wissen.
Sie wollte ihn eigentlich nicht noch trauriger machen aber sie wollte ihn trotzdem etwas fragen: „Weißt …. Weißt du wo Danny ist?“
Er nickte.
Sie schüttelte ihn und schrie: „Dann sag mir wo er ist!“
Er schaute auf den Boden und flüsterte: „ Er ist tot!“
Vivi standen die Tränen in den Augen.
Sie stotterte: „Was!? Wieso!? Warum!?“
Sie fing an zu weinen und ihr liefen die Tränen nur so über die Wangen. Sie schaute ihn an und versuchte ihn etwas zu fragen aber aus ihrem Mund kam kein einziges Wort.
Sie weinte lange, ungefähr eine Stunde bis sie sich endlich wieder gefangen hatte: „Wie? Wie ist er ge… gestorben?“
Ben nahm ihre Hand und antwortete: „Ich habe dir doch von den Kuss erzählt, von dir und Danny!“
Vivi nickte.
„Also ihr habt euch in einer Höhle geküsst die gerade einstürzte und damit wir aus der Höhle entkommen konnten, hat Danny sich geopfert. Es tut mir wirklich Leid!“
Sie zitterte auf einmal am ganzen Körper, Ben legte seinen Arm um sie. Dann flüsterte sie leise aber mit einer trotzdem bestimmten Stimme: „Ich will zu dieser Höhle, ich will in die Höhle gehen! Ich möchte Danny sehen, auch wenn ich weiß, dass nicht mehr viel von ihm übrig sein wird! Ich will ihn sehen! Damit ich weiß, dass er wirklich tot ist!“
Ben stand auf einmal auf und zerrte Vivi zu der eingestürzten Höhle. Dann fragte er: „Willst du wirklich da rein?“
Sie nickte.
„In Ordnung!“
Er ging einen Pfad entlang. Man konnte ihn nur sehr schwach erkennen, was bedeutete, dass hier nicht oft Leute entlang gehen. Auf einmal standen sie vor noch einer Höhle.
Er sagte zu ihr: „Das hier ist noch ein Weg nach Fadalia. Wenn du wirklich in die Höhle willst musst du es von Fadalia ausversuchen, denn von hier aus hast du keine Chance.“
Sie lächelte ein klein wenig und schrie dann: „Worauf warten wir noch auf geht’s!“
Sie gingen in die andere Höhle hinein. Sie war ziemlich dunkel, man konnte nur die Umrisse von einigen Steinen erkennen, einige sahen ziemlich Angst einflößend aus und Vivi klammerte sich regelrecht an Ben fest. Er nahm ihre Hand. Sie sahen ein helles Licht und kamen an einem Bergvorsprung mitten in den Bergen von Fadalia raus.
„Das ist Fadalia, erinnerst du dich?“, fragte Ben.
Sie schüttelte ihren Kopf.
Ben sagte zu Vivi: „Ruf deinen Drachen, dann können wir zur eingestürzten Höhle fliegen.“
Sie schaute ihn fragend an und flüsterte ihm zu: „Ich habe einen Was?“ „Einen Drachen! Er heißt Magnus wenn du ihn rufst kommt er!“
Sie nickte noch etwas ungläubig rief aber dann: „MAGNUS!“
Eine riesige fliegende Gestalt kam direkt auf sie zu. Vivi hatte schreckliche Angst und versteckte sich hinter Ben.
Er beruhigte sie: „Keine Angst! Er tut dir nichts er ist dein Freund!“
Vivi faste allen Mut den sie hatte und ging einen Schritt auf die angsteinflößende Gestalt zu. Dann legte sie ihre Hand langsam und vorsichtig auf seinen Kopf.
Читать дальше