“Das glaube ich mittlerweile selbst. Ich weiß auch nicht, welcher Teufel mich da geritten hat, aber irgendwie war die Alte schon faszinierend. Du nix weißt von Träumen’ ich gewusst, du kommst
was sie damit wohl gemeint haben mag? Sie klang so, als ob sie selbst an all den Blödsinn glaubte. Wer weiß, was für ein Teufelszeug sich in den Kügelchen verbirgt.” Maggie streckte ihre rechte Hand aus und sagte: “Zeig’s mir doch einfach mal, das Wunderding.”
Ich reichte ihr das Döschen, das ich bis zu diesem Augenblick noch gar nicht richtig betrachtet hatte. Es war aus dunklem Holz geschnitzt, der untere Teil schmucklos, rund mit einem sich nach oben verjüngendem Rand, vielleicht vier Zentimeter im Durchmesser und etwa einen Zentimeter hoch. An einer Stelle war die Rundung etwas abgeflacht und wies eine horizontale Bohrung auf, die als Scharnierloch diente, an dem der Deckel, ebenfalls aus dem gleichen Material hergestellt, mit einem Drahtstückchen so befestigt war, dass er sich aufklappen ließ. Der Deckel allerdings wies eine nicht sehr tief ausgeführte, dafür aber detaillierte Schnitzerei auf, die mir zunächst gar nicht aufgefallen war, da ich sie für Unebenheiten des Holzes gehalten hatte. Bei näherer Betrachtung jedoch erwies sich diese Schnitzerei als das Abbild eines Fauns, der eine Flöte in seinen Händen hielt. Am beeindruckendsten jedoch war die Darstellung seines Gesichts. Obwohl nur eine Miniatur, spiegelten seine Augen einen derart lebendigen Ausdruck wider, dass es schwer fiel, den Blick davon abzuwenden, er schien den Betrachter mit seinem Blick regelrecht zu fixieren, man war gefangen von den punktartigen Äuglein des Faungesichts. Merkwürdig verwirrt, klappte ich den Deckel auf, um meinem Schatz den Inhalt zu zeigen. Ein herber, an Moos oder Pilze erinnernder Geruch entströmte dem Inneren des Behältnisses. Misstrauisch betrachtete Maggie die beiden dunklen Kügelchen. “Das also ist das Konglomerat unserer geheimsten Wünsche. Ich bin sehr beeindruckt.” sagte sie mit feierlicher Stimme. Und dann lachte sie, lachte so, wie sie es immer tat, wenn sie etwas sehr, sehr komisch fand. “Weißt du was? Wir werden es einfach ausprobieren. Zusammen, wir beide, so, wie die Zigeunerin es dir gesagt hat. Und wehe, es funktioniert nicht. Oder mir wird schlecht. Oder es passiert sonst was Übles. Dann gehen wir morgen zu der Alten, und wir schieben ihr gemeinsam das Döschen in Ihr Höschen. Oder sonst wohin. Na, was sagst Du?” - “Du bist einfach genial. Deshalb liebe ich dich. Und wegen einiger anderer Dinge auch noch. Oder hauptsächlich wegen der anderen Dinge.”
Ich nahm Ihr Gesicht in beide Hände und zog sie über den Tisch zu mir, um sie zu küssen. Es wurde ein ziemlich langer Kuss, denn als wir aufsahen, stand der Garcon neben uns und tippte wie beiläufig mit dem Kugelschreiber auf seinen Bestellblock. Ob wir noch etwas verzehren wollten? - Nein danke. - Ob er dann bitte kassieren dürfe, er habe jetzt frei und der Kollege wolle den Tisch übernehmen. Immer noch lachend zahlten wir, wobei der Garcon ein ansehnliches Trinkgeld erhielt. Aber das musste sein. Uns ging es so gut an diesem Tag, denn wir waren glücklich.
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