Rita hatte einen Sieg errungen und kostete ihn voll aus. Als die beiden abends zusammen unter die Dusche gingen, brachte sie ihre neue Muschel mit, wusch sie mit Shampoo und schwenkte sie in der Gegend herum. Sie ließ sie voll Wasser laufen und kippte sie über Hansens Kopf aus, und immer wenn Hans Rita zu sich heranziehen wollte, kam irgendwo das Schneckenhaus dazwischen, und seine Dornen stachen ihn ganz gemein.
Hans war schon ein netter Kerl. Wenn er bloß nicht immer gleich aufs Ganze ginge. Rita hatte in den letzten vierzehn Tagen direkt Angst vor diesen raschen Überfällen bekommen; es war immer schon alles vorbei, eh sie auch etwas davon haben konnte. Jetzt nahm sie die Purpurschneckenschale mit aufs Bett, ließ erst den rechten, dann den linken Brustnippel darin verschwinden, und als Hans sich auf sie werfen wollte, schob sie sie rasch zwischen ihre Beine. Sie sah an sich hinunter - direkt aufregend sah das aus; sie wurde selbst ganz kribbelig davon. Sie hatte das Schneckenhaus mit seiner in diesem Zusammenhang doch recht weiten Öffnung, umgeben, wir wissen es, mit einem fleischroten Rand, nach oben gedreht. Bleich und ungesund lüstern hoben sich die grauweißen Stacheln von dem schwarzen Gekraus und der nussbraunen Haut der Oberschenkel ab; aber ganz schlimm sah der lange Endstachel aus, in dem vor tausend Jahren das Atemrohr der Schnecke gelegen hatte - lang, bleich und dünn zeigte er zwischen ihren Beinen genau nach unten...
Hans war durchaus anfällig gegen diese morbide Art, Sex zu entfalten, aber noch mehr verdrossen über die vielen Stiche, die ihm diese verdammte Muschel unter der Dusche versetzt hatte. Tu's raus, Rita! Nein, schrie Rita, daß man es mindestens noch drei Bungalows weiter hören musste, und klemmte die Beine fester um das Schneckenhaus zusammen. Da riss Hans es mit aller Kraft heraus, so daß die Dornen eine blutige Schramme neben der andern über Rita braune Schenkel zogen, warf es aufs Nachbarbett und drang ohne weitere Präliminarien tief in Ritas Körper ein.
Zweimal versuchten sie noch, während ihres Urlaubs in Portugal im Liebesspiel zusammenzukommen; jedes Mal wurde es eine Katastrophe. Als sie in Frankfurt den Flughafen verließen, sagte sie "Tschüss!" zu ihm und er "Lebe wohl!" zu ihr, und jeder ging seiner Wege. Die große Schnecke der Bakalya hatte noch einmal ihre Kraft gezeigt, wenn auch nur die destruktive.
Rita schenkte sie ihrer Großmutter.
"Um Gottes Willen!" rief die alte Frau mit der ganzen lamentierfreudigen Ehrlichkeit ihres Alters. "Was soll ich bloß mit dem ganzen Zeug? Ist ja ganz lieb gemeint, aber so unsinnig! Musst du denn Geld für sowas ausgeben? Stell's in Gottes Namen da auf die Kommode zu dem andern Kram! Aber warum bringst du mir nur immer Sachen mit, von denen ich gar nichts mehr hab? Warum bloß?"
So geriet die Kalyaschnecke unter Großmutters Nippes. Ihre unmittelbaren Nachbarn wurden eine neapolitanische Tänzerin, rosa, Plastik, mit weißem Spitzenhöschen, ebenfalls aus Plastik, made in Hongkong , und ein Briefbeschwerer, in dem es, wenn man ihn schüttelte, auf etwas schneite, was laut Überschrift Garmisch-Partenkirchen darstellen sollte. Als die alte Dame über's Jahr starb, betrachtete Ritas Vater das alles mit großem Missfallen. Gott, was alte Leute so alles aufheben! Er nahm einen Eimer, fegte hinein, was auf der Kommode stand, und schüttelte ihn in den Container aus, den die unglücklichen Erben von der städtischen Müllabfuhr hatten kommen lassen müssen, für viel Geld.
Zwei Tage später wanderte die große Schnecke Molimas auf einem Fließband der Müllaufbereitungsanlage zu. Im ersten Kessel wurde sie zu Kalkstaub zermahlen. Im zweiten schmolz, was von der Plastiktänzerin übriggeblieben war, und durchtränkte den Kalkstaub, so daß er ganz dunkel wurde.
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