Er wartet, gibt einen kleinen Anstoß.
»Was geschah dann?«
»Dann wachte ich auf. Das war alles. Du langweilst mich, Sigfrid. Wirklich. Ich werde wütend. Woran kann das liegen?«
»Was glaubst du wohl, Rob?«
»Wenn ich es wüsste, brauchte ich dich nicht zu fragen.«
»Sag mir nur, was du fühlst.«
»Schuld«, antworte ich sofort.
»Weshalb?«
»Ich … ich weiß nicht genau. Hör zu, ich glaube, ich sollte heute früher gehen, Sigfrid.«
»Schuld wofür?«
»Ich erinnere mich nicht genau.«
»Schuld wofür, Rob?«
»Dass ich sie ermordet habe, du Saukerl!«, schreie ich.
»In deinem Traum, meinst du?«
»Nein! Wirklich! Zweimal!«
Ich weiß, dass ich schwer atme und Sigfrids Sensoren das aufzeichnen. Ich bemühe mich um Fassung.
»Ich habe Sylvia nicht wirklich ermordet, meine ich. Aber ich habe es versucht! Ich bin mit dem Messer auf sie losgegangen!«
»In deiner Fallgeschichte steht, du hättest ein Messer in der Hand gehabt, als du mit deiner Freundin einen Streit hattest, ja«, sagt Sigfrid ruhig. »Nichts von ›losgegangen‹.«
»Warum, glaubst du, haben die mich eingesperrt? Es war nur Glück, dass ich ihr nicht die Kehle durchgeschnitten habe.«
»Hast du das Messer überhaupt gegen sie eingesetzt?«
»Eingesetzt? Nein. Ich war zu wütend. Ich warf es auf den Boden, stand auf und schlug zu.«
»Hättest du, wenn du sie wirklich ermorden wolltest, nicht das Messer genommen?«
»A-ach! Wenn du nur dabei gewesen wärst, Sigfrid. Vielleicht hättest du ihnen ausreden können, dass sie mich einsperren.« Ich atme tief ein. »Sigfrid«, sage ich, »für einen Computer bist du ganz nett, und die Sitzungen mit dir machen mir vom Verstand her Spaß. Aber ich weiß nicht, ob wir nicht schon alles ausgeschöpft haben, was wir miteinander erreichen können. Du bringst nur alten, unnötigen Schmerz an die Oberfläche, und ich weiß einfach nicht, warum ich mir das gefallen lasse.«
»Deine Träume sind voll von Schmerz, Bob.«
»Dann lass ihn in meinen Träumen. Ich will nicht mehr den alten Quatsch vom Institut hören. Vielleicht möchte ich mit meiner Mutter schlafen, vielleicht hasse ich meinen Vater, weil er gestorben ist und mich verlassen hat. Na und?«
»Ich weiß, Bob, aber mit diesen Dingen wird man nur fertig, wenn man sie an die Oberfläche bringt.«
»Wozu? Damit es mir wehtut?«
»Damit der innere Schmerz heraufkommt und man mit ihm fertig werden kann.«
»Vielleicht wäre es einfacher, wenn ich mich damit abfände, dass es mir innerlich immer ein wenig wehtut. Ich kompensiere gut, hast du gesagt, nicht? Ich bestreite nicht, dass ich von den Sitzungen hier etwas gehabt habe. Manchmal merke ich das. Aber nicht in letzter Zeit. In letzter Zeit finde ich alles ganz langweilig und unproduktiv. Was würdest du sagen, wenn ich dir erkläre, dass ich aufhören will?«
»Ich würde sagen, dass die Entscheidung bei dir liegt, Bob, wie immer.«
»Nun, vielleicht höre ich wirklich auf.« Der alte Teufel wartet wieder. Er weiß, dass ich das nicht tun werde, und er lässt mir Zeit, das zu begreifen. Dann sagt er: »Bob? Warum hast du gesagt, du hättest sie zweimal ermordet?«
Ich schaue auf die Uhr, bevor ich antworte, dann sage ich: »Das war wohl nur ein Versprecher. Ich muss jetzt wirklich gehen, Sigfrid.«
Ich verzichte auf die Zeit im Erholungsraum, weil es nichts gibt, wovon ich mich eigentlich erholen müsste. Außerdem will ich einfach weg von dort. Er mit seinen blöden Fragen. Er tut so weise und überlegen, aber was weiß schon ein Teddybär?

Ich ging an diesem Abend in mein eigenes Zimmer zurück, konnte aber lange nicht einschlafen, und Shicky weckte mich früh, um mir zu erzählen, was geschehen war. Es hatte nur drei Überlebende gegeben, und ihre Grundprämie war bekannt gegeben worden: siebzehn Millionen fünfhundertfünfzigtausend Dollar. Zusätzlich zu den Tantiemen.
Das trieb mir den Schlaf aus den Augen.
»Wofür?«, fragte ich scharf.
»Für dreiundzwanzig Kilogramm Artefakte«, sagte Shicky. »Sie halten sie für einen Reparaturkasten. Möglicherweise für ein Schiff, weil sie es da gefunden haben, in einem Landefahrzeug auf der Oberfläche des Planeten. Aber jedenfalls sind es irgendwelche Werkzeuge.«
Bemerkungen zu Neutronensternen
Dr. Asmenion:Nun haben Sie da einen Stern, der seinen Brennstoff verbraucht hat und in sich zusammenstürzt. Wenn ich sage ›zusammenstürzt‹, meine ich, dass er so zusammengeschrumpft ist, dass das ganze Ding, das vorher vielleicht Masse und Volumen einer Sonne hatte, zu einer Kugel von vielleicht zehn Kilometern Durchmesser zusammengequetscht wird. Das ist Dichte. Wenn Ihre Nase aus Neutronensternmasse wäre, Susie, würde sie mehr wiegen als ganz Gateway.
Frage:Vielleicht sogar mehr als du, Juri?
Dr. Asmenion:Keine Witze im Unterricht. Der Lehrer ist empfindlich. Jedenfalls wären genaue Messungen aus der Nähe eines Neutronensterns sehr viel wert, aber ich rate Ihnen nicht, sie mit dem Landefahrzeug zu beschaffen. Man muss sich in einem voll gepanzerten Fünfer befinden, und selbst dann würde ich nicht näher als auf eine Zehntel AE herangehen. Und Vorsicht. Es sieht so aus, als könnte man näher herangehen, aber die Schwerkraftschere wirkt sich dramatisch aus. Es ist praktisch eine Punktquelle, wissen Sie. Der steilste Schwerkraftgradient, den man sich vorstellen kann – außer man wagt sich, Gott behüte, an ein Schwarzes Loch heran.
»Werkzeuge.« Ich stand auf, wurde Shicky los und ging zur Gemeinschaftsdusche, während ich mir den Kopf zerbrach. Werkzeuge, das konnte alles Mögliche bedeuten. Eine Methode, den Antriebsmechanismus der Hitschi-Schiffe zu öffnen, ohne alles in die Luft zu sprengen. Feststellen, wie der Antrieb funktionierte, und ihn nachbauen. Alles Mögliche, und ganz gewiss dies, dass siebzehn Millionen fünfhundertfünfzigtausend Dollar in bar gezahlt worden waren, nicht gerechnet die Tantiemen, geteilt durch drei.
Und ein Anteil hätte der meine sein können.
Es fällt schwer, sich eine Zahl wie $ 5 850 000 aus dem Kopf zu schlagen (zusätzlich zu den Tantiemen), wenn man sich überlegt, dass man mit ein bisschen mehr Weitsicht bei der Auswahl seiner Freundin das in der Tasche haben könnte. Sagen wir, sechs Millionen Dollar. In meinem Alter und bei meiner Gesundheit hätte ich für weniger als die Hälfte medizinischen Vollschutz kaufen können, also alle Untersuchungen, Therapien, Ersatzgewebe und Organe, die man für den Rest meines Lebens in mich hineinstopfen konnte … das mindestens fünfzig Jahre länger dauern würde, als ich ohne ihn zu erwarten hatte. Die anderen gut drei Millionen hätten mir zwei Häuser, eine Laufbahn als Vortragsredner (niemand war mehr gefragt als ein erfolgreicher Prospektor), ein ständiges Einkommen durch Werbespots im PV, Frauen, Essen, Autos, Reisen, Frauen, Ruhm, Frauen eingebracht … und dazu kamen immer noch die Tantiemen, die unermesslich hoch werden konnten, je nachdem, was Forschung und Entwicklung damit anzufangen vermochten. Sheris Fund war genau das, worum es bei Gateway ging: der goldene Topf am Ende des Regenbogens.
Ich brauchte eine Stunde, um ins Hospital zu kommen, drei Tunnelabschnitte und fünf Etagen im Fallschacht weit. Ich kehrte immer wieder um.
Als ich endlich den Neid losgeworden war – oder ihn verdrängt hatte – und den Empfang erreichte, schlief Sheri.
»Sie können hineingehen«, sagte die Stationsschwester.
»Ich möchte sie nicht wecken.«
»Das könnten Sie gar nicht, ohne Gewalt anzuwenden«, sagte sie. »Aber sie darf Besuch empfangen.«
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