Fragen für den Arztbesuch
Das Gespräch findet grundsätzlich zwischen Ihrem Angehörigen und seinem Arzt statt; Sie können ihn begleiten und unterstützen, mithören und mitdenken, aber beeinflussen Sie Ihren Angehörigen nicht. Schreiben Sie Ihre Fragen vorher auf, damit Sie nichts vergessen. Machen Sie sich Notizen über das, was Sie im Gespräch mit dem Arzt erfahren haben.
Können Sie mir/uns genau erklären, was ich habe/mein Angehöriger hat?
Welche Untersuchungen müssen jetzt gemacht werden?
Können die Untersuchungen ambulant gemacht werden?
Oder muss ich/er ins Krankenhaus?
Wie kann die Krankheit behandelt werden?
Gibt es andere Möglichkeiten?
Wie wirken die Behandlungen?
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Wann werden die Nebenwirkungen voraussichtlich auftreten?
Was kann man gegen die Nebenwirkungen machen?
Kann ich mich/sich mein Angehöriger auf die Therapie vorbereiten? Wenn ja, wie?
Haben Sie Informationsmaterial, das wir mitnehmen können?
Können wir nach der Behandlung (noch) Kinder bekommen?
Wenn nicht: Können wir etwas vorbereitend machen, damit wir später doch noch Eltern werden können?
Kann ich als Verwandter auf dem Krankenhausgelände wohnen? Ich habe eine weite Anreise?
Wird die Behandlung die Erkrankung voraussichtlich heilen?
Was passiert, wenn die Krankheit nicht behandelt wird?
Wie schnell muss die Behandlung beginnen?
Wer wird uns nach der ersten Behandlung weiter betreuen?
Wo können wir eine psychoonkologische Beratung bekommen?
„Ich habe gelernt, mich in einer ganz neuen Welt zu bewegen.“ Hendrik und Sibylle mit Silvester und Levi
Miteinander ins Gespräch kommen
Offen miteinander in der Familie zu sprechen, ist eine wichtige Ressource für alle Beteiligten. Kommunikation sorgt für praktische und emotionale Unterstützung und hilft dabei, Ängste im Zaum zu halten.
Die Diagnose Krebslöst Angst und Unsicherheit aus. Partner, erwachsene Kinder oder andere Angehörige von Krebspatienten empfinden es als besonders belastend, wenn der Kranke mit ihnen nicht über seine Erkrankung sprechen möchte – weil er selbst die Diagnose noch „verdauen“ muss, weil er den anderen nicht belasten will oder weil er die Tatsache, an Krebs erkrankt zu sein, erst einmal verdrängt.
Auch wenn jeder Betroffene eine solche Diagnose anders bewältigt, lässt sich die Krankheitsverarbeitung grundsätzlich in vier Phasen einteilen:
Schockphase:Der Betroffene verleugnet die Krankheit.
Reaktionsphase:In dieser Phase können sich psychische Belastungen mit Ängsten und Depressionen entwickeln.
Reparationsphase:Der Kranke passt sich an die neue Situation an.
Neuorientierung:Verarbeitet er die Krankheit zunehmend, kann er seine neue Lebenssituation annehmen.
Die Phasen können verschieden lange dauern. Es ist aber erwiesen, dass ein aktiver Umgang mit der Krankheit die Lebensqualität des Patienten verbessert. Unterbleibt dieser, besteht die Gefahr, dass bei Ihrem Angehörigen und auch bei Ihnen Unbehagen und Unsicherheit zunehmen werden.
Krebs ist mit vielen Vorurteilen verbunden. Ihr Angehöriger fragt sich vielleicht, wie sein Umfeld reagieren wird. Sie selbst beschäftigen vielleicht die Auswirkungen der Krankheit auf die Familie. Wenn die Kommunikation in dieser Situation nicht offen ist, können leicht Probleme erwachsen.
Eine offene Gesprächskultur finden
Hören Sie einander zu, nehmen Sie sich gegenseitig aufmerksam wahr und begegnen Sie sich mit Respekt. Das sind die Grundlagen für eine gute Kommunikation.
Es wird möglicherweise einige Zeit dauern,bis Sie und Ihr Angehöriger über schwierige Themen sprechen können. Vielleicht haben Sie Angst, dass Sie nicht die richtigen Worte finden und den anderen verletzen könnten. Vielleicht sind Sie es bisher auch nicht gewohnt, offen miteinander zu reden, und Sie wollen Ihren Angehörigen auch auf keinen Fall belasten. Dann wird es Ihnen jetzt, wo Ihr Angehöriger an Krebs erkrankt ist, umso schwerer fallen. Für Sie und Ihre Familie ist es aber wichtig, dass Sie gemeinsam einen Weg finden, sich über alles, was Sie beschäftigt und bewegt, auszutauschen.
Der richtige Zeitpunkt?
Auch wenn es ratsam ist, schwierige Gespräche nicht vor sich herzuschieben, weil sie dadurch nicht einfacher werden, führen Sie sie auf keinen Fall unter Zeitdruck. Warten Sie lieber, wenn Sie merken, dass Sie oder Ihr Angehöriger noch nicht bereit dafür sind. Dennoch gilt besonders für das erste Gespräch über die Erkrankung: Den absolut richtigen Zeitpunkt wird es vermutlich nicht geben.
Es ist hilfreich, wenn es Ihnen gelingt, für ernste Gespräche eine Atmosphäre und einen äußeren Rahmen zu schaffen, in dem Sie sich beide wohlfühlen. Dazu gehört vor allem ein möglichst ruhiger, geschützter Ort, an dem Sie in Ruhe miteinander reden können. Konzentrieren Sie sich nur auf das Gespräch, am besten schalten Sie die Handys, das Radio und den Fernseher aus. Es würde Sie nur ablenken. Wenn Sie Kinder haben und diese noch nichts von der Erkrankung Ihres Angehörigen wissen, stellen Sie sicher, dass sie nicht mithören und so zufällig von der Krankheit erfahren.
Eine Empfehlung, die vielleicht banal klingt, aber für das Gelingen eines Gespräches wichtig ist, lautet: Hören Sie einander zu, und zwar aktiv. Das heißt, konzentrieren Sie sich auf Ihr Gegenüber, signalisieren Sie Ihrem Angehörigen, dass im Moment nur er für Sie wichtig ist. Nehmen Sie seine Gedankengänge auf und zeigen Sie Empathie. Wichtig ist, dass Sie wirklich verstehen, was er Ihnen sagen will, damit keine Missverständnisse entstehen. Beide Gesprächspartner sollten versuchen, sich so genau und eindeutig wie möglich auszudrücken, statt Aussagen oder Wünsche zu umschreiben und darauf zu hoffen, dass der andere schon wissen wird, was gemeint ist.
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