„Oh, nur zu, versuch dein Glück“, ermutigte ich ihn und knuffte ihn gegen die Schulter. „Ich würde zu gern sehen, wie du den berühmtesten Frauenheld des Landes anbaggerst.“
„Einen Versuch ist es wert. Wer weiß, wie viele Profisportler heimlich schwul sind und nichts sagen, aus Angst vor dem Mediensturm“, erwiderte er schulterzuckend, griff nach einigen Schnapsgläsern, stellte sie auf ein Tablett und füllte sie mit unserem besten Wodka.
„Die gehen aufs Haus“, flötete er, zwinkerte mir zu und schon war er mit seinem Tablett unterwegs zu der Sitznische, die sich die Tigers eben auserkoren hatten.
„Spinner“, murmelte ich kopfschüttelnd. Einen Moment später unterdrückte ich mit aller Mühe einen Schmerzensschrei, weil sich Theas Fingernägel nicht gerade sanft in die Haut meines Unterarms bohrten.
„Bitte kneif mich. Das darf kein Traum sein“, quiekte sie.
„Wenn du nicht gleich deine Nägel aus meinem Arm ziehst, werde ich noch viel mehr tun als dich zu kneifen“, drohte ich und atmete auf, als Thea ihren Griff lockerte. Grummelnd rieb ich mir die schmerzende Haut.
„Und das Alles nur wegen ein paar Basketballspielern“, murmelte ich. Zum Glück hatte ich so leise gesprochen, dass Thea mich über die dröhnende Musik nicht hören konnte, sonst hätte ich mir eine Standpauke allererster Güte anhören können. Dennoch musste ich zugeben, dass ich zumindest Damians Faszination mit den Spielern jetzt verstehen konnte. All diese Männer zusammen zu sehen, so unglaublich selbstsicher und entspannt, hatte irgendetwas Anziehendes an sich. Nicht zu vergessen ihren unglaublich attraktiven Kapitän, der einen zweiten Blick wert war. Oder einen Dritten. Vierten. Verdammt, hör auf, ihn anzustarren !
Damian scharwenzelte mit seinem Tablett zwischen den Tigers umher und ich konnte ihm ansehen, wie er es genoss die Aufmerksamkeit der Spieler zu erregen, indem er sie kurz am Oberarm berührte. Bei Zack ließ er sich besonders viel Zeit und ich sah sogar trotz der Entfernung und der bunten, blitzenden Lichter wie aufgeregt Damian war. Ich wartete schon fast darauf, dass er auf die Knie fiel und Zacks Lederstiefel küsste. Ich wandte mich an meine beste Freundin.
„Thea, erzähl mir etwas über Mister Conner.“ Es musste schließlich noch irgendeinen Grund haben, weshalb er so im Zentrum der Mannschaft stand, außer, dass er ein echter Leckerbissen war. Die Nervosität aus Theas Blick verschwand. Was die Spieler der Tigers anging, war sie ein wandelndes Lexikon.
„Zack Conner, 28 Jahre alt, 1,98 Meter groß. Aufgewachsen in Detroit, wurde direkt vom College gedraftet, war erst Profispieler in Detroit, vor vier Jahren kam er zu den Tigers und seit letzter Saison ist er Kapitän der Mannschaft. Er ist schnell und athletisch und hat die beste Freiwurfquote der ganzen Liga. Er war dreimal auf dem zweiten und zweimal auf dem ersten Platz des Most Valuable Player Awards und letztes Jahr auf Platz sieben der Sexiest-Men-Alive-Liste.“
„Nur Platz sieben? Und deswegen macht Damian so einen Aufstand?“, scherzte ich, musste meinem besten Freund allerdings Zugeständnisse in Sachen Männergeschmack machen. In meinem Ranking war Zack Conner spielend unter den ersten drei.
„Oh bitte, die Leute vom People Magazine haben doch keine Ahnung“, winkte Damian ab, der in diesem Moment wieder zurück an die Bar kam. Er hatte alle seine Shots verteilt und einen selbstzufriedenen Ausdruck im Gesicht.
„Na, wie ist es gelaufen? Hast du Telefonnummern ergattert und Herzen gebrochen?“, neckte ich ihn.
„Noch nicht, aber der Abend ist ja noch jung.“ Er zwinkerte und drückte mir das Tablett mit den leeren Gläsern in die Hand. „Tu mir einen Gefallen und räum das auf, Daddy braucht eine Abkühlung.“ Er fächerte sich Luft zu und verschwand im Personalraum. Seufzend machte ich mich an die Arbeit, während ich Thea dabei zuhörte, wie sie Jonah von der grandiosen Spielweise und Einstellung der Tigers vorschwärmte, seit Zack Conner der Kapitän der Mannschaft geworden war. Nach ihrem bewundernden Tonfall konnte man fast meinen, der Kerl hätte den Weltfrieden gebracht und gleichzeitig die Hungersnot in Afrika besiegt.
„So wie ich das sehe, ist er immer noch nur irgendein überbezahlter Basketballspieler“, wandte ich ein, nachdem sie nach mehreren Minuten immer noch nicht mit ihren Lobpreisungen aufgehört hatte. Nur aus Theas Monolog hatte ich heraushören können, dass der Kapitän der Tigers ehrgeizig sein und über einen ausgeprägten Teamgeist verfügen musste. Eigenschaften, die ich extrem anziehend fand. Es wäre sicherer für mich, wenn ich nicht mehr über ihn erfahren würde. Meine Kopfhaut prickelte und eine Gänsehaut breitete sich über meine Arme aus. Instinktiv schaute ich zur Lounge hinüber und traf erneut auf Zack Conners Blick, als hätte er gewusst, dass wir über ihn sprachen. In seinem Lächeln lag nichts Beschämtes oder Entschuldigendes. Er schaute mich ganz offen an und es hätte gruselig wirken sollen. Müssen. Tat es aber nicht. Er sah mich an wie ich das Eiscremeregal im Supermarkt, wenn ich meine Tage hatte: mit ungezügeltem Verlangen. Ich fand es unheimlich ablenkend.
„Oh bitte, erzähl ihm das. Ich habe die Befürchtung, er entwickelt sonst bald einen Gottkomplex“, mischte sich eine Stimme zu meiner Linken ein und Thea stieß ein atemloses Quieken aus. Ich würde mit ihr ein ernstes Wörtchen über Selbstkontrolle und Fremdschämen reden müssen, wenn dieser lächerliche Aufzug hier vorbei war.
An der Bar stand einer der Spieler, den ich durch Schnipsel aus Theas Erzählungen als Branden Jones erkannte. Er war mir mit seinen freundlichen Gesichtszügen und den warmen, braunen Augen sofort sympathisch. Ich legte den Kopf schief und erwiderte sein Lächeln.
„Solltet ihr als Teamkameraden nicht zusammenhalten?“
Er zuckte mit den Schultern. „Was soll ich sagen? Wir sind Männer. Da weiß man nie genau, wo die Beleidigungen aufhören und die Freundschaft anfängt.“
„Warum ist das wohl so?“
„Gute Frage. Für philosophische Gespräche ist aber der Alkoholpegel unserer Truppe noch nicht hoch genug.“ Bedeutsam hob er die Augenbrauen.
„Da kann ich sicherlich Abhilfe schaffen.“ Ich schnappte mir Notizblock und Stift und sah ihn erwartungsvoll an. Damit begann ein geschäftiger Abend, an dem ich meinen Cocktail Shaker nicht eine Minute aus der Hand legen konnte. Die Tigers und ihre weiblichen Begleitungen, die etwa eine halbe Stunde später hinzustießen, stellten sich als trinkfeste Gruppe heraus. Kaum hatten wir ein Tablett mit Cocktails vollgestellt und zu den Sofas gebracht, wurde schon nach der nächsten Runde verlangt. Damian ließ es sich nicht nehmen, die Getränke jedes Mal persönlich bei den Spielern abzustellen. Da sich das Glas für das Trinkgeld heute schneller füllte als in den letzten Wochen, wollte ich mich nicht darüber beschweren. Von meinem Beobachtungspunkt hinter dem Tresen konnte ich das Schauspiel aus sicherer Entfernung verfolgen ohne selbst in den Trubel zu müssen. Vor allem ohne selbst in die Nähe des Kapitäns zu müssen. Trotzdem ertappte ich mich immer wieder dabei, wie mein Blick unweigerlich von Zack Conner angezogen wurde. Es war fast, als wären alle meine Sinne in höchster Bereitschaft und schlugen Alarm, sobald er sich auch nur minimal bewegte.
Als die Stimmung immer ausgelassener wurde und Thea sich mit Damians und meiner Hilfe etwas Mut angetrunken hatte, wagte sie sich mit Stift und Papier bewaffnet zwischen die Spieler und fragte eingeschüchtert nach Autogrammen und Selfies. Jonah und ich tauschten einen belustigten Blick, als sie die Aufmerksamkeit von Branden Jones, einem der größten der anwesenden Spieler, ergatterte und er einen Moment lang so aussah, als wollte er sich hinknien, um mit ihr zu sprechen. Sie unterhielten sich lange, bevor Thea wieder zu uns zurückkehrte.
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