„Schloß Oberfrauenau ist verschwunden – Frauenau. Der Glasmacherort zeigt seit einigen Wochen äußere Spuren eines Garnisonsortes. Überall sieht man neben den Feriengästen und Einheimischen auch Angehörige der Bundeswehr. Es sind Pioniere, die von ihrem Standort Degerndorf bei Rosenheim für einige Wochen nach Oberfrauenau abkommandiert wurden, und da haben sie eine Aufgabe erfüllt, die dem Glasmacherort ein weithin sichtbares Kennzeichen genommen hat, nämlich das Schloss Oberfrauenau. Seit 8 Tagen ist der Majestätische Bau an den dunklen Wäldern des Rachelhanges verschwunden. Am Kirchweihmontag wurde der letzte große Turm gesprengt, den sich die Gebirgsjäger zum Schluss der Abbrucharbeiten aufgehoben haben. Nur noch die Kapelle mit der Familiengruft, die am hinteren Ende des rechten Seitentrakts angebaut war, ist stehen geblieben und wird in nächster Zeit mit einer entsprechenden Fassade versehen werden. Dort aber, wo der weitläufige Schlossbau und die Reithalle gestanden haben, werden die aufgerissenen Erdmassen planiert und bepflanzt, sodaß die Kapelle in einigen Jahren einsam inmitten des ruhigen Rachelwaldes stehen wird .
Bericht in der Bayerischen Waldzeitung über den Abbruch des Schlosses 1959 ohne Foto – Stadtarchiv Zwiesel
So hat denn das Schloss Oberfrauenau keine 100 Jahre überdauert. Im Jahre 1873 wurde der Bau dieses Schlosses begonnen. Der Münchner Architekt Dr. Albert Schmid erstellte die Pläne. Das Schloß wurde im Stil der Neurenaissance erbaut und eingerichtet, mit 3 mächtigen Türmen und einer klar gegliederten Fassade versehen, einer Reithalle, prächtigen Gartenanlagen und einem großen Hirschpark ringsum. Der Bauherr des Schlosses war Georg Benedikt II. Poschinger von Oberfrauenau, der mit 19 Jahren das Erbe seiner Ahnen übernommen hatte. Unvermählt starb er im Jahre 1900 an den Folgen von Verletzungen, die ihm sein Lieblingshirsch beigebracht hatte. Das Schloß diente bis zum Jahre 1945 der Familie von Poschinger als Wohngebäude. Dann wurde es von den amerikanischen Besatzungsmächten als Truppenunterkunft benützt und anschließend für zahlreiche Flüchtlingsfamilien zur Wohnstätte .
Der jetzige Besitzer von Oberfrauenau Senator Hippolyt Poschinger von Frauenau ließ das um 1750 erbaute alte Herrenhaus neu gestalten, um es als Wohnstätte für seine Familie zu benützen. Als heuer im Frühjahr die letzten Flüchtlinge aus dem mittlerweile schwer ramponierten Schloss ausgezogen sind, entschloss sich der Besitzer zum Abbruch des stolzen Gebäudes, und dieses Werk ist nun von einer Pioniereinheit vollbracht worden. Schloß Oberfrauenau gehört der Vergangenheit an. Sicherlich werden spätere Generationen noch immer sprechen von diesem Prachtbau an den dunklen Waldhängen des Rachels.“
Schlosskapelle nach Abbruch des Anbaus; sie erhielt eine neue Fassade – Sammlung Josef Sedlmeier
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