Sogar physisch ist die Begrenzung der Wahrnehmung dieser Augen dieser Nase, dieser Finger, dieses Mundes, dieser Ohren, so lächerlich!
Man kann ihre Wahrnehmungsfähigkeit jedoch entwickeln, wenn man möchte. Zum Beispiel kann es gelingen, nur mit den physischen Sinnesorganen etwas zu hören, was in einer so großen Entfernung stattfindet, dass man es normalerweise nicht mehr hören kann, wenn man seine Sinnesorgane beherrscht und fähig ist, ihren Schwingungsbereich auszudehnen. Man kann auch mit physischen Augen sehen, was sich in der Ferne abspielt, ohne die okkulte Sehkraft einzuschalten.
Man kann es fertig bringen sein Sehvermögen zu erweitern, und wenn man es versteht, die Schwingung seiner Nerven bis außerhalb der Sichtweite der Augen zu verlängern, kann die Verbindung bis zu – ich würde nicht sagen etliche Kilometer weit weg – nein – aber innerhalb eines bestimmten Bereiches ausgedehnt werden, sagen wir, zum Beispiel, durch eine Wand hindurch, was als etwas Unmögliches betrachtet wird. Man kann dann sehen, was in einem Raum geschieht, der von einem anderen durch eine Wand getrennt ist. Aber dafür sind sehr methodische Übungen nötig. Trotzdem ist es möglich auf diese Weise zu sehen, zu fühlen und zu hören. Wenn man sich Mühe gibt, kann man sein Blickfeld beträchtlich erweitern. Aber es erfordert Arbeit, Ausdauer und eine Art beharrlicher Anstrengung. Warum auch nicht, es wurde sogar herausgefunden, dass man im Körper andere visuelle Zentren als das Auge entwickeln kann. Das wurde mit Leuten erprobt, die aus dem einen oder anderen Grund ihr Sehvermögen verloren haben. Man kann durch andauernde methodische Anstrengung anstatt der Augen dann eins oder mehrere andere Sehzentren im Körper entwickeln, um sehen zu können. Jules Romain hat darüber ein Buch geschrieben. Er führte selbst Experimente damit durch und erhielt sehr überzeugende Resultate.
Das bedeutet, dass wir über eine Anzahl von Möglichkeiten verfügen, die wir in uns schlafen lassen, weil wir uns nicht darum bemühen, sie besonders zu entwickeln. Wir können unendlich viel mehr als wir tatsächlich meinen. Aber wir nehmen die Dinge so hin, wie sie sind. (3)
DIE MUTTER
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Um eine Aufgabe zu bewältigen, wie kann man wissen, ob man dazu fähig ist oder nicht?
Wie kann man wissen, ob man dazu fähig ist oder nicht!
Durch Probieren! Das ist das Beste. Und wenn du nicht sofort Erfolg damit hast, dann halte durch. Du musst wissen, dass wenn du einen starken Drang, einen sehr starken Drang spürst, etwas Bestimmtes zu machen, dann bedeutet es, dass diese Arbeit etwas mit dir zu tun hat, und dass du auch dazu fähig bist, sie zu tun. Aber man kann auch Kräfte besitzen, die anfangs so gut in einem selbst versteckt sind, dass man zuerst lange graben muss, um sie zu finden.
Deswegen musst du nicht gleich beim ersten Rückschlag entmutigt werden, sondern weitermachen. (4)
DIE MUTTER
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KAPITEL 2
DIE MACHT DER GEDANKEN
Gedanken – lebendige und bewusste Formationen
Gedanken sind Formen, die ein individuelles, von ihrem Verursacher unabhängiges Leben entwickeln: einmal von ihm in die Welt gesetzt, bewegt sich ihre Energie auf die Erfüllung ihrer eigenen Absicht zu.
Wenn du an jemanden denkst, nimmt dein Gedanke eine bestimmte Form an, und macht sich auf den Weg um diese Person zu finden; und wenn dein Gedanke mit Willenskraft verbunden ist, die dahinter steht, versucht diese Gedankenformation die du ausgesendet hast, sich zu verwirklichen. Sagen wir einmal zum Beispiel, du hast einen heftigen Wunsch, dass eine bestimmte Person zu dir kommen soll, und dass zusammen mit diesem vitalen Impuls deines Wunsches eine starke Vorstellung deine gedankliche Formation begleitet; du stellst dir vor: „Wenn diese Person zu mir käme, würde bei unserem Treffen wahrscheinlich dies oder das passieren.“
Nach einer Weile lässt du die Idee jedoch gänzlich fallen, und du ahnst nicht, dass dein Gedanke weiterhin existiert, selbst wenn du ihn schon vergessen hast. Aber er besteht trotzdem immer noch fort und ist in Aktion, unabhängig von dir, und es würde nur mit großem Kraftaufwand gelingen, ihn von seiner Aufgabe zurückzuholen.
Er übt innerhalb der Atmosphäre der Person, an die du gedacht hast seinen Einfluss aus, und erweckt in ihr den Wunsch, zu dir zu kommen. Und wenn deine Gedankenformation mit genügend Willenskraft ausgerüstet ist, das heißt, wenn du eine gut konstruierte Formation gemacht hast, wird sie ihre eigene Verwirklichung auch erreichen.
Aber zwischen der ursprünglichen Gedankenbildung und ihrer Verwirklichung liegt eine gewisse Zeitspanne, und wenn während dieses Intervalls dein Denken mit ganz anderen Dingen beschäftigt ist, und es dann später zur Erfüllung deines vergessenen Gedankens kommt, kann es sein, dass du dich nicht einmal daran erinnern kannst, dass du den Gedanken früher einmal gehegt hast, und später weißt du nicht einmal mehr, dass du selbst der Initiator der Ereignisse warst, die jetzt eintreten, und dass du sie selbst verursacht hast. Es geschieht auch sehr oft, dass du inzwischen aufgehört hast dir das bestimmte Ereignis zu wünschen oder, dass du es gar nicht mehr willst, wenn es sich dann einstellt.
Es gibt Menschen mit einer sehr starken formbildenden Kraft dieser Art, und ihre Gedankengebilde werden gewöhnlich auch immer verwirklicht; aber weil ihr vitales und mentales Wesen nicht sehr diszipliniert ist, wollen sie einmal die eine Sache und dann wieder eine andere, und diese unterschiedlichen oder gegensätzlichen Formationen und deren Ergebnisse kollidieren, und stehen im Widerspruch zueinander.
Diese Leute wundern sich dann, wie es dazu kommt, dass sie in so großer Konfusion und Disharmonie leben! Sie machen sich nicht klar, dass es ihre eigenen Gedanken und Wünsche waren, die die Umstände um sie herum geschaffen haben, die ihnen so unzusammenhängend und widersprüchlich vorkommen, und ihr Leben fast unerträglich machen. (5)
DIE MUTTER
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Du kannst nicht konzentriert an etwas denken, ohne dass der Gedanke daran eine bestimmte Form annimmt. Wenn du jedoch glaubst, dass diese Form materiell ist, ist das ein Fehler, tatsächlich existiert diese Formation auf der Ebene der Gedanken. (6)
DIE MUTTER
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Wenn du einen Gedanken hast, eine gut gemachte gedankliche Formation, die du aussendest, führt diese ein unabhängiges Dasein, und verfolgt ihren eigenen Weg um das, was gedacht wurde, in die Tat umzusetzen. Sie verfolgt unabhängig von dir ihr Ziel.
Deswegen musst du auf der Hut sein mit dem, was du denkst. Denn wenn du eine solche Gedankenformation gestaltet hast, und sie dich verlassen hat, ist sie dabei ihre Arbeit zu tun, und wenn du dann nach einer Weile die Erkenntnis hast, dass dieser Einfall den du hattest, vielleicht nicht ganz so glücklich, und die damit verbundene Absicht nicht sehr positiv ist, wird es später sehr schwierig für dich, diese Gedankenformation wieder zu fassen zu bekommen.
Um das zu erreichen, bräuchtest du beachtliches okkultes Wissen. Denn der Gedanke hat dich bereits verlassen und ist unterwegs... Nehmen wir an, dass du in einem Moment voller Ärger dachtest – damit meine ich nicht, dass du es absichtlich machst – aber trotzdem sagtest du dir in einem Moment, in dem du eine sehr starke Wut auf jemanden hattest: „Ach, würde dieser Person doch irgendein Unglück zustoßen!“ Deine Gedankenformation hat sich daraufhin auf den Weg gemacht. Sie ist unterwegs, und du hast keine Kontrolle mehr über sie. Sie macht sich daran, irgendein Unglück herbeizuführen: sie verrichtet ihre Arbeit. Nach einer Weile geschieht der Person dann auch wirklich ein Unglück. Glücklicherweise hast du normalerweise nicht genügend Verständnis um zu erkennen: „Oh, ich bin verantwortlich dafür, weil ich das gewünscht habe“, aber das ist die Wahrheit.
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