Heinrich Mann - Ein ernstes Leben

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Heirich Mann meets Robin Hood."Ein ernstes Leben" ist Heinrich Manns letzte Publikation auf deutschem Boden, bevor der Schriftsteller emigrierte. In seinem Entwicklungsroman erzählt Mann die Geschichte von Marie Lehning, Tochter eines Alkoholikers und einer Landarbeiterin. Die tapfere Frau wird aus Barmherzigkeit zur Diebin. Doch nicht jede Diebesgeschichte gleicht der von Robin Hood. Wird es Marie durch die Kraft der Liebe ihres Freundes Mingo und durch ihre Besinnung gelingen sich aus den Verstrickungen zu lösen? Oder hat sich die junge Frau bereits zu tief in den Untergrund begeben, um den Weg zurück ans Licht zu finden?-

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Als es schon wieder zu lange dauerte, bis Antje sie rief, ging Marie von selbst hin – und bekam vom Portier einen Bescheid, den sie zuerst nicht verstand. Antje war abgereist. Sie war abgereist? Am Morgen hatte sie doch noch gebadet, wie immer mit vielen Bekannten. Marie glaubte dem Portier nicht; er wandte grade den Rücken, da huschte sie nach der Treppe.

Das Zimmer Antjes stand offen, es war verlassen und noch nicht aufgeräumt. Am Boden lag Papier, dazwischen aber dasselbe Kleid, das Antje hatte Marie schenken wollen. Sie brauchte es noch, aber jetzt hatte sie es fortgeworfen. Marie rollte das Stückchen Seide schnell zusammen und steckte es unter ihre Schürze. Auf dem Tisch stand Kaffee, noch warm. Sie hätte ihn trinken dürfen, sie war eingeladen. Sie sollte wiederkommen, hatte Antje gesagt! Antje erwartete ein Abendkleid aus Hamburg und wollte es ihr zeigen! Marie fühlte eine Beklemmung, so angstvoll, daß sie nicht weinen konnte. Das verlassene Zimmer war leer und ohne jedes Geräusch. Plötzlich nahm Marie reißaus.

Hiermit war der Sommer zu Ende, es wurde sofort kalt, die letzten Badegäste verschwanden vom Strand. Marie spielte manchmal allein bei den Booten am Wasser, die Fischer beachteten nicht, was sie trieb; sie war doch noch ein Kind, obwohl so hochbeinig. Sie spielte aber Badegäste, sie verkörperte in einem Vicki, Kurt und Marie. Sie befahl Marie, sie abzutrocknen, sie ließ Marie im Sand bauen, sie freute sich zu dreien und warf Steinchen über die glatte See, – die in Wirklichkeit stürmisch war.

Bald darauf traten schwere Stürme ein, und ein großes Schiff scheiterte vor Warmsdorf. Als es auflief, waren alle Mann schon längst von Deck gespült und ertrunken, aber noch eine Zeitlang trugen die Wellen auf den Strand, was sie besessen hatten, Konservenbüchsen und Geldstücke. Die Warmsdorf er holten sich alles, zugleich mit einer Menge Bernstein, das der aufgewühlte Meeresgrund ihnen schickte.

Der Sturm legte sich endlich, es wurde sogar ein wenig wärmer, und nach der Schule ging Mingo Merten mit Marie an den Strand. Er behauptete, jetzt würden sie etwas finden, das die anderen nicht mehr suchten. Sie fanden aber eine Wiege, die Wiege eines kleinen Kindes, es war das Kind des Schiffers gewesen. Wo war es jetzt, wo waren seine Eltern? Die Wiege wurde durch Metallreifen zusammengehalten, so hatte sie den Wellen widerstanden. Marie lief und holte ihren langen Clown. Er zeigte schon große Schäden, sie legten ihn trotzdem hinein und nannten einander jetzt Vater und Mutter. Sie kochten im Sand, er kam vom Fischen nach Haus, und sie aßen. Bei allem ahmten sie die schweren Stimmen der Erwachsenen nach, – auf einmal sagte Mingo in seinem natürlichen Ton:

»Wenn wir groß sind, machen wir das wirklich.«

Marie sah ihn an und lächelte glücklich. In diesem Augenblick fiel Antje ihr ein. Nach allem, was Antje geredet und versprochen hatte, war sie abgereist ohne ein Wort, und auch seither blieb es von ihr still. Eine Beklommenheit wie in dem verlassenen Zimmer ihrer älteren Schwester wollte Marie ergreifen; sie fürchtete sich vor etwas, das nicht sicher ist. Sie fürchtete die Unzuverlässigkeit alles dessen, was Ernst heißt.

»Spielen wir doch lieber!« bat sie mit zitternden Lippen und die Augen voll Schrecken.

Er erkannte, wie es um sie stand, er sagte: »Auf mich kannst du dich verlassen. Ich heirate dich.« Dann küßte er sie, und sie erwiderte es.

Der nächste Sommer kam und ging fast unbemerkt. Mutter Lehning arbeitete auf einem entfernten Hof, Marie ganz allein mußte alles im Hause verrichten, was der Vater und die Geschwister brauchten. Im Herbst war sie schon vor Abend oft sehr müde; sie hätte nicht geglaubt, daß es eine so große Müdigkeit gibt. Sie wurde damals zwölf Jahre alt. Eines Tages gegen Abend machte sie sich auf, um in den Tannen etwas Reisig zu sammeln. Der Weg rechts hinauf führt zum Friedhof. Das Bündel auf ihrem Rücken drückte Marie, sie wollte ausruhen in einem Winkel der Friedhofsmauer, wo es windgeschützt ist. Auf ihren bloßen Füßen näherte sie sich unhörbar, da saß in dem Winkel schon jemand, ein Mädchen, es hielt das Gesicht in den Händen.

»Frieda! Bist du das?«

Die ältere Schwester zeigte ihr Gesicht, um zu bestätigen, daß sie es sei. Sie sagte nichts.

»Was tust du da? Hast du keine Arbeit?«

Denn Frieda hatte immer Arbeit, seit sie zu Schlächter Heim gekommen war. Das geschah vor so langer Zeit, daß Marie es nicht mehr wußte, und sie kannte ihre Schwester nicht anders, als von schnellen Begegnungen. Schon zwei Jahre war Frieda verlobt mit Karl Boldt, jetzt sah man sie noch seltener.

»Wo ist Boldt? Daß du hier so allein sitzt! Und bei Heim hast du doch sonst viel länger zu tun.«

»Ich hab gar nichts zu tun«, äußerte Frieda endlich. Sie hatte ein Gesicht wie immer, nur regungsloser. »Oder, was ich zu tun habe, ist meine Sache.«

Marie verstand dies nicht.

»Heiratet ihr denn nun im Frühling? Kauft Boldt, das Geschäft?«

Frieda stand auf. »Ja, ja«, sagte sie. »Wir denken uns das alles so. Mir aber ist, als würde es nichts.«

»Fehlt dir etwas?« fragte Marie.

»Nein nein. Und wenn, dann muß ich selbst zusehen.«

»Du bist doch in der Krankenkasse.«

»Aber nicht dafür!« Dies schrie das Mädchen. Hierauf begann sie merkwürdigerweise sich zu entschuldigen, weil sie so lange nicht mehr in den Katen gekommen war. Während alles dessen, was sie sprach, blickte sie über die Gräber hin.

»Ich war nie frei«, sagte sie. »Aber das ist es nicht. Ich konnte euch auch nichts mitbringen von Heim, ich hätte es selbst bezahlen müssen, und Boldt wollte alles sparen für das Geschäft. Jetzt ist das auch gleich.« Leise für sich wiederholte sie: »Auch gleich. Bezahlen«, – als prägte sie sich die Worte ein.

Marie sah, daß Frieda noch schöner als Antje war, obwohl sie nur ein altes schwarzes Tuch um die Schultern trug. Aber Marie empfand Angst, sie gab vor, daß sie noch Holz sammeln müsse, und machte sich davon. Nachher tat es ihr leid, sie kehrte nochmals zu der Stelle zurück, da stand aber keine Frieda mehr.

Drei Tage später war Frieda tot. Marie erfuhr, was ihre Schwester getan hatte; aber seit der letzten Begegnung war ihr so viel durch den Kopf gegangen, daß sie schon selbst alles wußte. Mutter Lehning wanderte von dem entfernten Hof herbei, ihr Zorn war größer als ihr Schmerz. Sie ließ sich zu Marie über alles aus.

»Mit einer Stricknadel! Damit das Kind nicht kommt, und dabei sollten sie heiraten!«

›Sie hat sich ganz schrecklich quälen müssen‹, dachte Marie. ›Bevor sie sterben konnte!‹

»Dann hätte doch mal eine von uns ein besseres Leben gehabt!« sagte Mutter Lehning mit rauher Stimme.

Bei dem Begräbnis Friedas aber war das ganze Dorf, auch die Fischer, auch die Kaufleute, und der Lehrer, der Pastor, der Arzt. Die Familie der Toten, so viele Kinder noch mitgehen konnten, drängte sich hinter dem Sarg zusammen, klein und erstaunt über das Ansehen, in dem ihre Frieda gestanden hatte. Ihnen folgten die guten Kleider, die guten Bratenröcke und der Zylinderhut, den jeder Älteste von seinem Vorgänger ererbt hatte. Als die Friedhofsmauer in Sicht kam, beugte Marie die Stirn und legte die Hände darüber – so, wie Frieda dagesessen hatte in jenem windgeschützten Winkel.

Sie mußte nicht sogleich wieder zur Schule gehen, auf einem Gang aber hörte sie die Kleinen drinnen singen, es war der Vers: »Lütt Matten gev Pot, de Voß bet em dot.« Hierbei dachte sie: ›Alles eins – bezahlen‹, die letzten Worte ihrer Schwester. ›Mir aber ist, als würde es nichts‹ – auch das fiel ihr wieder ein. ›Mit einer Stricknadel!‹ Dies war die Stimme der Mutter. Auf einmal meinte sie, auch Antje spreche zu ihr. Antje, die nie mehr ein Zeichen gegeben hatte, sollte sie je wieder eins geben? ›So wenig wie Frieda‹, mußte Marie denken. Gleichzeitig erschien ihr das Gesicht eines Gendarmen, der schon längst nicht mehr im Dorf war, aber er hatte den Vater abgeholt, als die kleine Dörtje oben in den Tannen lag mit dem Rock über dem Kopf.

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