Am besten sollte ich diesen Gedanken sofort beenden. An Mom zu denken, wird die Stimmung zerstören, also werde ich das lassen. Alle meine Gedanken sind auf Logan und seine wunderbar zu küssenden Lippen gerichtet, die sich oh-so-langsam auf meine senken.
Ich bin kurz davor, die Augen zu schließen, als ein hörbares Klicken die Stille stört, und das Wohnzimmer von hellem Licht durchflutet wird. Logan und ich springen auseinander, wie zwei Teenager, die gerade von ihren Eltern beim Sex im Keller erwischt wurden. Mein Herz hämmert bis in meine Kehle hinauf.
Was zum ...
Ich blinzle und fokussiere meine Aufmerksamkeit auf die muskulöse Gestalt, die an der Wand lehnt, die Arme über einer breiten Brust verschränkt. Ein schweres Seufzen ist zu hören.
Verdammt.
Ich hätte es wissen sollen.
Carter fucking Prescott. Oder besser bekannt als die größte Nervensäge, die man sich vorstellen kann.
Was zum Teufel macht er hier?
Er sollte sich mit Noah betrinken und mit seinem Fanclub Hof halten. Ich habe gehört, wie sie heute Nachmittag ihre Pläne besprochen haben.
Habe ich gelauscht?
Bitte, als ob ich jemals ...
Was ich getan habe, könnte man eher als Erkundung bezeichnen. Ich stoße einen gereizten Atemzug aus. Das ist genau die Situation, die ich vermeiden wollte.
Ich blinzle und merke nach einer weiteren Welle des Schreckens, dass Carter kaum etwas anhat. Wie konnte ich das übersehen? Ganz entspannt lehnt er an der Wand, mit nichts an, außer einem weißen, eng anliegenden Slip, der mit roten und schwarzen Elefanten bedruckt ist.
Was.
Zur.
Hölle?
Ich will sterben. Jemand soll mich erschießen und mich aus meinem Elend erlösen, bevor es noch schlimmer wird.
Zu spät.
Logan versteift sich neben mir. Und nicht so, wie ich es mir erhofft hatte.
Bevor ich die Chance habe, Carter anzuschnauzen, schlendert er zu uns und lässt sich auf den hässlichen, übergroßen Lehnstuhl gegenüber von uns plumpsen. Ich hasse diesen Schandfleck und war dagegen, dass er in die Wohnung gebracht wurde.
Aber ich wurde überstimmt.
Nicht wissend, dass ich im Begriff bin, an die Decke zu gehen, oder – genauer gesagt – ohne auf mich Rücksicht zu nehmen, hebt Carter sein Kinn in Logans Richtung. "Hey, was geht ab?"
Ich koche vor Wut. Carter, dagegen, ist vollkommen entspannt, als ob er nicht gerade praktisch nackt herumstolzieren und mein Date ruinieren würde.
Der arme Logan weiß nicht, was er von der Situation halten soll.
"Ahhhh ...", stammelt er und starrt Carter aus weit aufgerissenen Augen an, als ob Carter ein Verkehrsunfall wäre, von dem er nicht wegschauen kann.
Genauso fühle ich mich auch.
Wir reden hier über leblose Körper, die über den Bürgersteig verstreut sind und über mehrere Todesopfer.
Du kannst darauf wetten, dass Carter eines von ihnen sein wird, sobald ich ihn in die Finger bekomme.
Carter sitzt uns mit weit gespreizten Beinen gegenüber. Leider werden sowohl Logan als auch ich mit einer ausgezeichneten Aussicht auf sein ziemlich beeindruckendes Gemächt verwöhnt.
Mist. Habe ich das wirklich gerade gedacht?
Logan wendet seinen Blick ab und zischt aus der Seite seines Mundes: "Wer ist dieser Typ, und was macht er in deiner Wohnung?"
Um die Situation herunterzuspielen, winke ich mit einer Hand in Carters Richtung, als ob das, was passiert ist, völlig normal wäre. "Oh ... der? " Ich zwinge ein gekünsteltes Lachen hervor. "Er ist nur einer meiner Mitbewohner."
Logans Augenbrauen schießen praktisch über seine Stirn hinaus, als er seine Augen weit aufreißt. Unter anderen Umständen wäre der Ausdruck komisch. Leider ist dies nicht eine dieser Gelegenheiten. Meine Aussichten für den Abend haben sich offiziell erledigt. Ein Grinsen hebt Carters Lippen, als ob er gerade zum gleichen Schluss gekommen wäre.
Grrrrrrrr.
Logan wirft mir einen verwirrten Blick zu. "Du lebst mit einem Kerl zusammen?"
Ich beiße mir auf die Unterlippe und zermartere mir das Gehirn für eine plausible Begründung, welche die Situation erklärt und uns wieder auf Kurs bringt. Aber mein Kopf bleibt leer. Da oben zirpen nur Grillen.
"Eigentlich lebt sie mit zwei Kerlen zusammen", wirft Carter, wenig hilfreich, ein.
Logans Gesicht verzerrt sich vor Schreck. "Ist das wahr?"
Hitze überflutet meine Wangen, und ich räuspere meine jetzt knochentrockene Kehle. "Nun, ähm, ja."
"Seid ihr beide ...", Logan verengt die Augen und wackelt mit einem Finger zwischen uns hin und her, "... zusammen ? Weil ich mich bestimmt nicht in so eine seltsame Beziehungs-Situation reindränge."
"Was? Nein!" Ich kichere, hoch und nervös, was in der Stille der Wohnung lächerlich laut klingt, und plappere: "Wir sind nicht zusammen! Überhaupt nicht!"
Ich warte darauf, dass Carter einsteigt und seine große Klappe öffnet, aber er sagt nichts. Ich werde ihn mit bloßen Händen erdrosseln. Das ist der einzige Gedanke, der mich diese Situation überstehen lässt.
"Ich lebe mit meinem Cousin zusammen", murmle ich. "Und seinem Freund."
Logan wirft einen skeptischen Blick in Carters Richtung, aber da er immer noch mit gespreizten Beinen dasitzt und seine Männlichkeit stolz zur Schau stellt, wendet mein Date schnell seinen Blick ab. "Bitte sag mir, dass das dein Cousin ist", fleht Logan.
"Ist er nicht." Sobald ich die Worte murmle, weiß ich, so vielversprechend wie unser Abend begann, dies ist das Ende.
Als ob Logan meine stillen Überlegungen bestätigen wolle, schnellt er hoch und wirbelt zu mir herum. "Tut mir leid, Daisy. Was auch immer du hier vorhast, es ist ein wenig zu kompliziert für mich." Er strafft die Schultern.
Habe ich erwähnt, dass Logan erstaunliche Schultern hat?
Breit und muskulös?
Ja ...
"Ich bin raus", sagt Logan.
Die feste Haltung seines Kiefers sagt mir, dass es keinen Sinn hat, zu streiten.
Ohne Carter eines weiteren Blickes zu würdigen, stürzt Logan schnurstracks zur Tür, als ob er gerade entdeckt hätte, dass ich eine Serienmörderin bin, die beabsichtigt, Lampenschirme aus seiner Haut herzustellen. Ich mache mir nicht die Mühe, aufzustehen, um ihn nach draußen zu begleiten. Stattdessen starre ich Carter an, der mir lässig gegenüber sitzt.
Vielleicht wird er in Flammen aufgehen, wenn ich mich stark genug darauf fokussiere.
Leider habe ich kein Glück.
Die Wohnungstür schließt sich mit einem kräftigen Schlag.
Carter kratzt seinen stoppeligen Kiefer. "Nun, das war wirklich seltsam. Warum glaubst du, ist er so schnell abgehauen?" Ein Lächeln umspielt seine Lippen, und ich knirsche mit den Zähnen. Es braucht alles, was ich an Beherrschung in mir habe, um die Lampe auf dem Beistelltisch nicht zu ergreifen und auf ihn zu werfen.
"Ja", presse ich heraus. "Dass er ging, war definitiv der seltsame Teil des Abends." Ich klopfe ein paar Mal auf meine Stirn. "Aber dass du in deiner Unterwäsche herein stolzierst und deinen Schwanz zur Schau stellst, war natürlich vollkommen normal."
Seine Schultern zittern vor unterdrücktem Lachen. Er räuspert sich und sagt: "Ich hoffe, du redest von den Elefantenrüsseln auf meiner Unterhose und nicht ..."
"Was machst du überhaupt hier?", unterbreche ich ihn. Ich bin ziemlich nahe dran zu explodieren. Und ich habe soeben das Limit erreicht. Ich werde nie verstehen, warum Carter es genießt, sich mit mir anzulegen. Es ist unerträglich.
"Umm, ich wohne hier." Er zieht eine Augenbraue nach oben, als ob ich schwer von Begriff wäre. "Du erinnerst dich?"
"Das ist unmöglich zu vergessen." Ich verschränke meine Arme über der Brust und starre ihn finster an. "Warum bist du nicht mit Noah unterwegs?"
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