Was scheiße ist. Auf keinen Fall würde ich jemals etwas mit Noahs Cousine anfangen. Er würde meine Nüsse abhacken und sie über offenem Feuer braten. Wie ich Noah kenne, würde er wahrscheinlich noch ein paar Lagerfeuerlieder singen, während er es tut.
Ich bewege mich unruhig, als dieses Bild meine Gedanken trübt. Aber nicht mal diese Vorstellung reicht aus, um mein Begehren zu bändigen.
Ich kann es Noah nicht verübeln, dass er Daisy vor Typen wie mir beschützen will. Zum Teufel, alles was ich will, ist auch, sie vor Typen wie mir zu beschützen. Es macht mich verrückt, wenn ich andere Kerle dabei erwische, wie sie Daisy beobachten.
Als ich nicht wegschaue, verstärkt sich der finstere Ausdruck auf Daisys Gesicht. Ich kann nicht widerstehen und hebe die Wasserflasche zu einem stillen Toast. Ihr Körper spannt sich an, sie wirbelt wieder herum und führt ihre Unterhaltung mit ein paar meiner Teamkollegen fort.
Ich hasse es, verdammt nochmal, wie sie Daisy anglotzen. Als wäre sie ein saftiges Steak und sie hätten seit Jahren kein Fleisch mehr gegessen. Angesichts dieses kleinen, rosa und schwarzen Bikinis, kann ich es diesen Arschlöchern nicht mal verübeln, dass sie sabbernd vor ihr stehen. Ich sitze ja auch hier, wie ein verdammter Heuchler und sabbere.
Anstatt auf ihren wohlgeformten Arsch zu starren, reiße ich mich von dem Anblick los und durchsuche die Menge nach Noah.
Wo zum Teufel steckt der Kerl?
Er sollte dort drüben sein, ein paar Schädel zusammenschlagen und diesem Scheiß ein Ende setzen. Ich bin versucht, es selbst zu übernehmen, aber es gibt nichts, was ich in dieser Situation tun kann.
Daisy ist nicht meine Cousine.
Auch nicht meine Freundin.
Sobald der Gedanke durch mein Gehirn dröhnt, materialisiert sich Noah wie aus dem Nichts und fällt auf den Stuhl neben mir. Er grinst mich faul an und streckt sich aus, als würde er es sich für die nächsten Stunden gemütlich machen wollen. Bei dieser Hitze kann ich es ihm nicht mal verübeln. Das Einzige, wofür ich dankbar bin, ist, dass wir nicht auf dem Spielfeld sind, und uns zu Tode laufen.
"Es ist verdammt heiß", sind die ersten Worte aus seinem Mund.
"Ja, nicht wahr?" Deshalb sind wir so gute Freunde und haben uns vom ersten Tag des Trainingslagers an verstanden. Es ist, als könnten wir die Gedanken des Anderen lesen. Gott sei Dank hat Noah keine Ahnung, was durch meinen Kopf geht, wenn es um seine Cousine geht, er würde mit Sicherheit ausflippen.
Daisy mag vielleicht ein Senior sein, wie Noah – sie ist ein paar Monate älter als er, aber er behandelt sie wie die kleine Schwester, die er nie hatte.
Noah stützt sich auf seine Ellbogen, als ihm etwas am anderen Ende des Pools ins Auge fällt.
Ich schaue in dieselbe Richtung und hoffe, dass er die Jungs, die Daisy anmachen, erspäht hat.
Stattdessen sehe ich Tanner, einen der Footballspieler, der gerade eingezogen ist. Er sitzt neben Daisys Freundin Olivia. Tanner grinst, und Olivia wirft ihren Kopf zurück und lacht laut, was seltsam ist, normalerweise ist sie eher der ruhige Typ. Sie hat ihr goldbraunes Haar zu einem zerzausten Dutt zusammengefasst und trägt einen Bikini, ähnlich wie der, den Daisy anhat. Nur sieht er bei Olivia anders aus, da sie schlank ist und nicht so volle Kurven hat, wie Daisy. Daisy, wiederum ...
Ja, am besten denke ich jetzt nicht darüber nach.
Nicht, dass Noah es bemerken würde.
Manchmal denke ich, dass Noah etwas für Olivia übrig hat, aber er hat nie etwas darüber verlauten lassen. Er ist mit Ashley zusammen. Es gibt Jungs im Team, die eine Freundin haben und nebenher fremdgehen, aber Noah gehört nicht dazu. Trotzdem scheint dies die perfekte Gelegenheit zu sein, meine Theorie zu testen.
"Sieht so aus, als hätte Olivia heute Nachmittag einen neuen Freund gefunden", kommentiere ich in lässigem Tonfall.
Solange Tanner mit Daisy nicht auf zu dicke Freunde macht, bin ich einverstanden. Tatsächlich ist es mir so lieber. Ich würde es hassen, ihn beim Training auseinandernehmen zu müssen, weil er eigentlich wie ein anständiger Kerl wirkt.
Als Antwort bekomme ich eine Art zustimmendes Grunzen. Ich bin ein wenig enttäuscht, dass Noah den Köder nicht geschluckt hat. Aber andererseits ist es wahrscheinlich das Beste, denn Ashley schlendert gerade mit ein paar ihrer Freundinnen auf uns zu.
"Hey, Schatz", grüßt sie und platziert ihren knöchernen Arsch auf Noahs Schoß.
Eine von Ashleys Freundinnen grinst mich an, und weil ich eine Ablenkung brauche und dieses Mädchen dafür wie gemacht ist, antworte ich mit einem langsamen, anerkennenden Lächeln. Sie fasst das als grünes Licht auf und kommt an meine Seite.
Zusätzlicher Bonus – sie sieht nicht aus wie Daisy.
6
Ich behalte Carters Schlafzimmertür von meinem Platz an der Küchenzeile aus im Auge und grabe mich durch eine Schale Cap'n Crunch. Es ist nicht gerade das gesündeste Frühstück, aber das ist mir egal.
Ich brauche den Zucker.
In mir brodelt es noch immer über den Zusammenstoß mit Carter, gestern. Zuerst sagte er, dass ich die letzte Person sei, die er beobachten würde. Dann besitzt er die Frechheit, mir zu sagen, dass mein Bikini zu klein wäre. Jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, will ich ihm etwas an den Kopf werfen.
Nach diesem Gespräch hielt ich mich für den Rest des Tages von ihm fern, was nicht einfach war, wenn man bedenkt, dass wir auf derselben Party waren. Mehr als nur ein Mal spürte ich die Hitze seines Blicks auf mir. Ich musste all meine Selbstbeherrschung aufbringen, um meine Krallen nicht auszufahren und ihm das Gesicht zu zerkratzen. Carter hat die Gabe, mir das Gefühl zu geben, zu einem tollwütigen Hund zu werden.
Ich hasse es, dass er so viel Macht über mich hat.
Es sollte keine Überraschung sein, dass der King of Hookups am Ende der Nacht ein Mädchen mit nach Hause brachte. Es war nicht einmal die gleiche Braut, die sich den größten Teil des Nachmittags wie ein Blutegel an ihn geklammert hatte.
Ugh.
Wie auch immer.
Es ist nicht so, dass es mich interessiert.
Eigentlich hätte ich es selbst nicht besser planen können. Wie Carter gleich herausfinden wird, kann Rache ganz schön unangenehm sein. Ich werde nicht wütend werden, nein, ich werde mich rächen.
Was gestern geschah, war der Strohhalm, der dem sprichwörtlichen Kamel den Rücken brach. Es war schwierig, aber ich ließ nicht zu, dass dieser Vorfall meinen Tag ruinierte. Stattdessen tat ich das, was ich gleich von Anfang an hätte tun sollen und ignorierte den eingebildeten Trottel.
In Gedanken an die geplante Vergeltung, grinse ich böse, schiebe mir noch einen Löffel Erdnussbutter-Müsli in den Mund und warte geduldig auf meine Chance. Ich muss nicht lange warten. Zehn Minuten später schwingt die Tür zu seinem Schlafzimmer auf, und das Mädchen, das er nach der Party mit nach Hause gebracht hatte, schlendert heraus.
Tja, da sieht wohl jemand etwas mitgenommen aus. Die Hälfte ihres Make-ups ist unter ihren Augen verschmiert, was ihr ein Waschbär-ähnliches Aussehen verleiht, und ihre langen, dunklen Haare sehen aus, als hätten Vögel ein Nest darin gebaut.
Schön, das ist eine Lüge. Ihr Haar ist auf diese frisch gefickte Art zerzaust, und sie hat verschlafene, sexy Augen, die sagen: Hey, ich bin bereit für Runde zwei. Oder wäre das drei oder vier?
Schlampe.
Siehst du, was dieser Typ mit mir macht?
Innerhalb weniger Minuten wende ich mich gegen eine Geschlechtsgenossin.
Ein hemdloser Carter tapst hinter ihr her, als ob er es nicht eilig hätte, das Schlafzimmer zu verlassen. Er streckt sich und bewegt seine Arme hinter seinen Kopf. Alles in mir wird wach und nimmt Notiz. Mein Blick gleitet über seine muskulöse Brust, bevor ich ihn wegreißen kann. Dunkle Haare ziehen eine Spur seinen Sixpack hinunter zu dem gemeißelten V, das bis unter die Shorts geht, die er nicht richtig angezogen hat. Wenn der Stoff noch tiefer rutscht, wird es unanständig.
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