»Zwei« Situationen und »eine« Zukunft, was nun?
Trotz all unserer Individualität und unterschiedlichen Wesenszügen, ist unsere Wahrnehmung doch letztlich, wie es mir scheint, auf ganz einfache Prinzipien zurückzuführen.
Im Menschen an sich ist alles was wir benötigen, was uns ausmacht und was wir sind. Dennoch gibt es Situationen, wo eine Leere spürbar wird, in der wir Fragende und Suchende nach etwas werden, was der »Ursprung« sein mag. In unserer modernen Gesellschaft sind wir entfremdet und entfernt voneinander. Es geschehen Dinge um uns herum, doch wir nehmen sie kaum wahr, denn sie erscheinen weit weg von uns und uns fehlt die Empathie und die Vorstellungskraft, dass auch wir zu diesen »Anderen« werden können. Irgendwann werden wir jedoch gewahr, dass alle Zeit nur geliehen ist, ganz gleich ob es die glücklichsten oder unglücklichsten Stunden waren.
Es ist eine Lektion, die sich dem aufmerksamen Beobachter durch den nostalgischen Blick zurück offenbart. Wenn ich auf die Vergangenheit zurückschaue, ich die Reaktionen meines Geistes und meines Körpers im Angesicht der Umwälzungen der Krankheit betrachte und versuche, in das Gewesene hin einzuspuren, dann öffnet sich mir nicht Dantes Tor zur Hölle. Ich erkenne, dass der vermeintliche Schrecken anderen Gefühlen und Gedanken gewichen ist. In der Tiefe meiner Verzweiflung hat sich Selbstmitleid in Bewunderung und Faszination hinsichtlich des Lebens und der Liebe verwandelt.
Ich war angekommen im Tal der Tränen, am Boden liegend, zerstört, tief im Herzen der Finsternis.
Negative Gedanken kreisen wie Geier über mir, durchdringen Körper und Geist; verschlingen oder nähren sie mich? Phantasie oder Utopie, Triumph oder Niederlage, Freud oder Schmerz, Treue oder Verrat, Leben oder Tod?
Eine innere Stimme nennt mir die Quelle aller Wunder und Heilungskräfte: Ihr Name ist »Liebe«. Sie greift mir unter die Arme, sie zeigt mir den Weg, der mich vom tiefsten Tal, über den steinigsten Weg, zum höchsten Berg führt.
Träume und Hoffnung geben Halt in einem leeren Raum, man muss sie nur gegen die Realität eintauschen und der Raum füllt sich mit Sorglosigkeit und Wärme. Ich liebe das Leben und die Personen, die mir nahestehen. Ich bin ihnen leidenschaftlich für ewig, aber dabei nicht besitzergreifend, mit Herz und Seele, Verstand und Tollheit sowie Geist und Körper, verbunden. Nur hält sich mein Körper nicht an meine Träume, an meine Gedanken bezüglich der Zukunft und erdachten Lebenssituation, nicht an das Diktat von Zahlen und Wahrscheinlichkeiten; aus rational wird irrational.
Im Glanze des Lebens frage ich mich: Ist der Schatten über meinem Haupt der Wirklichkeit oder der Notwendigkeit geschuldet? Der Sog der Realität zieht mir sprichwörtlich das Blut und das Lebenselixier aus den Adern.
Ketzerisch erwacht in mir der Gedanke: »Ist das der Plan Gottes?«. Auch wenn ich dem Glauben nach vielen fehlenden Antworten den Rücken gekehrt habe, möchte ich mich dennoch nicht versündigen und werfe diesen Gedanken umgehend über Bord; auch wenn er mir Antwort und Weisung ein weiteres Mal schuldig bleibt.
Das Ziel dieses Buches ist, neben dem Erzählen meiner ganz eigenen Geschichte mit der Diagnose Leukämie, meinen Umgang mit der Krankheit darzustellen, die Schilderung der Stationen, durch die eine solche Krankheit einen unweigerlich leitet, und der Versuch den Wandel, den ich als Mensch innerhalb der letzten zwei Jahre der Krankheit durchlaufen habe, erfahrbar zu machen.
Weitergehend möchte ich die These untermauern und ausarbeiten, dass wir uns in einem enormen Wandel, einer ständigen Erneuerung des Verhältnisses zwischen Körper und Geist befinden. In ihr sehe ich viel Potential für unsere ganz persönliche Entwicklung, auch wenn der Preis manchmal hoch ist und viel Schmerz mit der Veränderung einhergeht. Selbstgefälligkeit mit dem Status quo hingegen wäre ein Merkmal des Rückschrittes.
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