Ich bin halt ich. Sitze daheim und schreibe. Meine Bücher oder auch Texte für Leute die meinen, dass ich das besser kann als sie. Außerdem habe ich so ein literarisches Herzensprojekt am Laufen, wo ich ziemlich aktiv bin, weil es mir Spaß macht. Bis Sommer 2019 hatte ich so viel mit Menschen zu tun gehabt, dass ich mir nicht vorstellen konnte, noch mal die Wohnung zu verlassen, um irgendwo arbeiten zu müssen, wo ich täglich live mit Menschen zu tun haben würde. Mail ist super - schreiben kann ich eh am besten (denke ich zumindest), Telefon finde ich schon wieder anstrengend. Lange Rede kurzer Sinn, eigentlich lebe ich auf Kosten des Mannes, weil es bei mir beruflich nicht läuft. Das wird sich hoffentlich mit diesem Buch ändern, denn ihr kauft ja jetzt auch alle andern Bücher von mir – oder? Ich meine, dies hier hab ich zwar selbst erlebt, aber auch die anderen Bücher könnten ja irgendwie wahr sein… Aber genug davon.
Im Gegensatz zum Mann (57 Jahre alt) bin ich (52) gesundheitlich recht fit. Der Mann hat zwei künstliche Hüftgelenke, Stents bekam er schon im zarten Alter von Ende 30/ Anfang 40, zudem gibt es drei Bandscheibenvorfälle, Diabetes, daraus resultierend grauen Star auf beiden Augen, der operiert wurde und vor einigen Jahren dachte ich, dass ein Nierenversagen ihn dahinrafft. Wäre er ein Hund… Darüber denken wir besser nicht nach. Sein Schwerbehindertengrad beträgt 40 % und er hat bis Dezember eine Vollzeitstelle innegehabt und die Arbeit auch gemacht. Seit Januar hat er auf 80 % reduziert, was er schon bitter bereut hat, denn aktuell ist es so, dass er zu Hause noch weniger zur Ruhe kommt, als auf Arbeit und das will was heißen! Ich hatte vor mehr als 20 Jahren Krebs und seitdem höchstens mal eine Halsentzündung oder den flotten Otto.
Kern der Familie bilden Herr und Frau X zuzüglich ihrer drei Kinder im Alter von 13 bis 18 Jahren. Zusätzlich laufen verschiedene erwachsene Personen mit ihnen zusammen herum und in die Wohnung hinein, so dass wir nicht mit Sicherheit sagen können, ob das eine Familie ist oder sich vor unseren Augen Verstöße gegen die Coronaauflagen abspielen.
Beruflich sind die Nachbarn X sehr vielfältig aufgestellt, sie erzählen nämlich jedem der Nachbarn Vonabiszohnex und Vonzbisaohnex inklusive uns, etwas anderes. So will Herr X mal Philatelie (O-Ton Herr X) studiert haben, als Designer arbeiten (er näht Gardinen, hat er mir erzählt) und ganz offensichtlich hat er eine Art Onlinehandel oder wenigstens einen Kaufrausch. Frau X hingegen soll auf einer Laufvogelfarm arbeiten, von der ich bis dato nicht einmal wusste, dass es sie im näheren Umkreis gibt.
Ungefragt wurden diverse Informationen am Anfang in die Nachbarschaft gestreut und auch Handwerkern wurde lautstark auf die Nase gebunden, wieviel Miete sie bezahlen würden (sage und schreibe über 400 Euro mehr wie wir!) und einigen der Nachbarn gesagt, dass das Amt die Miete zahlen würde. Letzteres hat sich bestätigt, was uns aber relativ egal ist, weil das für unser Problem unerheblich ist. Unser Problem sind die Menschen und nicht die Geldgeber…
Die Kinder können die Verwandtschaft zu den Eltern nicht leugnen, oder zumindest nicht die erzieherische Prägung, wenn sie denn erzogen wurden. Das wird sich im Fortgang zeigen.
Nach Angaben der Nachbarin X hat der Mann bereits drei Bandscheibenvorfälle gehabt und ist daraufhin berentet. Das wirft Fragen auf, wenn der Mann mit seinen unzähligen Versehrtheiten bis Dezember voll geschafft hat und jetzt auch nur reduziert hat, um weniger Stress zu haben, nicht weil er gesundheitlich nicht in der Lage wäre, die Arbeit zu machen. Die Nachbarin X selbst trägt ein Hörgerät.
Nun soll das Ganze ja kein Konkurrenzkampf der Krankenakten sein, aber zumindest das Gehör der Nachbarin X wird noch eine Rolle spielen.
Auszug aus dem Lärmprotokoll
Sonntag, 27. Dezember 2020; ca. 19:00 Uhr; Tragen von Möbeln durchs Treppenhaus, laute Gespräche im Treppenhaus
Zwischen 27.12. und 9.1.; immer wieder, vor allem abends; lautes Geschrei - wir haben überlegt, die Polizei zu rufen, weil wir den Verdacht hatten, dass es zu häuslicher Gewalt kommt
Mittwoch, 6. Januar 2021; mehrmals am Tag, langanhaltendes Bohren (bei uns in BW Feiertag)
Samstag, 9. Januar 2021; zwischen 18:30 und 20 Uhr; langanhaltendes Bohren
Sonntag, 10. Januar 2021; ab 13:00 Uhr ; Tragen von Möbeln durchs Treppenhaus, laute Gespräche im Treppenhaus/ Streit, Geschrei - pünktlich ab 15 Uhr ist Ruhe!
Bevor wir den tatsächlichen Namen der Familie X wussten, war uns bewusst, diese Menschen können nichts leise machen. Es war völlig egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit sie etwas taten, sie waren zu hören. Vor allem Herr X hat eine sehr laute Stimme und schreit mit Freude Leute an.
Einen Tag nach dem langanhaltenden Bohren fiel mir bei uns im Bad an der Decke ein Wasserfleck auf, begleitet von zwei Flecken an der Wand. Der naheliegende Gedanke war, dass Nachbarn X oder deren Helfer ein Rohr angebohrt haben. Es kam, wie es kommen musste, zu einem ersten persönlichen Kontakt zwischen uns. Ich klingelte, wurde freundlich empfangen, mir wurde deren Bad gezeigt, das tatsächlich trocken war. Ich informierte UV, HV und Nachbarn die in irgendeiner Weise mit demselben Leitungsschacht zu tun hatten. Bis ein Messtechniker kam, beobachtete ich den Wasserfleck, der sich zwar nur wenig, aber immerhin vergrößerte.
Der Messtechniker kam und stellte fest, dass es ein Leck in der Decke zwischen unserer und der Wohnung der Nachbarn X geben muss. Betroffen war eine Kaltwasserleitung, die wiederum Familie Vonabiszohnex betraf. Bis zur Reparatur sollte Familie Vonabiszohnex das Kaltwasser nur aufdrehen, wenn es gar nicht anders ging. Zur Reparatur hätte es bereits nach 5 Tagen kommen können, doch Familie X ließ die Handwerker nicht rein. Die Begründung war, die Kinder waren allein zu Haus. Das älteste Kind ist wie erwähnt 18 Jahre alt und darf wählen gehen, aber einem Klempner nicht die Tür aufmachen. Während bei Familie X die Waschmaschine 24 Stunden am Tag lief, musste Familie Vonabiszohnex ihre Wäsche bei Verwandten waschen und verbrauchte mehr Warmwasser, weil das kalte ja nur zum Duschen oder für den Spülkasten angedreht wurde. Es zog sich sage und schreibe über mehr als zwei Wochen hin, bis endlich der Installateur in die Wohnung durfte, um das Leck zu suchen und zu reparieren. Das nicht von Frau X ohne angeschrien zu werden. Als wenn der das Leck hingezaubert hatte, um in deren Wohnung zu dürfen.
Zwischen erster Anfahrt der Installateure und dem erfolgreichen Termin versuchte die HV DV zu erreichen, der aus allen Wolken fiel, weil er von einem Wasserschaden noch gar nichts gehört hatte. Klar, möchte niemand, dass eine frisch geflieste Nasszelle aufgestemmt wird, aber was soll man machen? Ich meine dem Eigentümer, der DV ja ist, muss doch klar sein, dass bei Verrottung der Bausubstanz, seine Wohnung unmittelbar mitbetroffen ist? Aber wer soll ihn informieren, wenn nicht seine Mieter?
Bis heute ist ungeklärt, was genau DV und Nachbarn X besprochen haben, DV hat sich durch Nichtannahme von Telefongesprächen (Anrufe andere Eigentümer und HV) und „Totstellen“ der Angelegenheit entzogen. Während Familie Vonabiszohnex nach wie vor kein kaltes Wasser hatten.
Nun denn – ein Klempner kam, ließ sich anschreien und reparierte trotzdem. Wir sind ihm (und das meine ich ehrlich) zu ewigem Dank verpflichtet. Die Wasserflecken waren ja wie bereits erwähnt in unserer Wohnung und auch die Wand und Decke waren schon vom Messtechniker geöffnet worden. Als der Installateur sein Werk vollbrachte, musste er also zwischen den Wohnungen pendeln und bevor er ging, meinte ich, dass er so hoffentlich nicht oft begrüßt wurde, wie bei Familie X.
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