Unsere eigene Organisation oder Nicht-Organisation, unser planloses Agieren, die vielfältige Doppel-Arbeit sind andere Räuber. Wir handeln oft nicht durchdacht und machen tagtäglich das Hase-Igel-Spiel mit. Der Hase rackert sich ständig ab und hechelt, der Igel geht andere, schlauere Wege und ist einfach intelligenter. Er kann ja auch nicht so schnell flitzen wie ein Hase und muss sich was anderes überlegen. Das ist wie bei einem alternden Fußballstar. Er kennt die Wege und Pässe und er muss nicht jedem Ball hinterher hetzen wie die jungen Spieler. Er spielt intelligenter und spart dadurch Zeit und Kraft wie auch ein älterer, erfahrener Tennisspieler.
Der Weg zur Arbeit könnte optimaler organisiert werden. Wir müssen nicht immer selbst und alleine mit dem Auto fahren, was ja auch Stress produziert. Man kann mit dem Bus, der Bahn oder dem Fahrrad zur Arbeit gelangen oder Fahrgemeinschaften bilden und während der eingesparten Zeit lesen oder Nachrichten hören.
Die technische Ausstattung in unserem Haushalt ist veraltet, manche Abläufe sollten besser abgestimmt werden. Wir plagen uns mit alten Waschmaschinen, Spülmaschinen, Toastern, Bügeleisen, Backöfen, Rasenmähern und Staubsaugern herum und verlieren dabei viel kostbare Zeit. Auch technische Geräte am Arbeitsplatz könnten erneuert werden und uns dabei helfen, eine Menge an Stunden einzusparen.
Wir gehen in Fitness-Studios mit veralteten Geräten, die nutzlos und zeitraubend sind. Anstatt uns einen modernen Trainingsraum auszusuchen und etwas mehr Geld zu bezahlen (Zeit ist Geld!), knausern wir herum. Rechnen Sie nur mal den Wert Ihrer verlorenen Zeit aus.
Eine unkoordinierte Termin-Organisation beim Arzt, Friseur oder in der Physiotherapie klaut uns weitere Stunden. Wir warten endlos lange und schlagen dabei unsere Zeit tot.
Wir nutzen zwar moderne Kommunikationsmittel wie Smartphone, Tablet oder Laptop, doch wir schöpfen deren Potenzial nur unzureichend aus. Wir könnten viel mehr aus den Geräten herausholen, wenn wir nur mal etwas Zeit einsetzen und alle Möglichkeiten erkennen. Die bringen uns dann wirklich weiter und verschaffen uns Luft für die angenehmen Dinge im Leben wie unsere Freizeit zu genießen.
Aber auch unser eigenes Kommunikationsverhalten vergeudet oft kostbare Zeit. Wir eiern herum und verstehen es nicht, auf den Punkt zu kommen oder uns klar auszudrücken, unsere Wünsche deutlich zu definieren. Wir reden um den heißen Brei herum. Der Gesprächspartner versteht uns nicht, muss nachfragen. Wir trauen uns nicht, klare Kante zu reden und zielstrebig unser Anliegen vorzubringen. Stattdessen geben wir uns in vornehmer Zurückhaltung. Und wir nutzen veraltete Methoden, schreiben endlos lange Briefe zu Weihnachten an alle möglichen Freunde und Verwandte.
Wie viele lange Wege könnten wir uns sparen, wenn wir Termine besser koordinieren würden? Manchmal ist es auch besser, etwas Geld zu investieren, dafür dann aber Zeit für die Partnerin oder den Partner zu haben. Man muss nicht überall hingehen, bestellen Sie den Friseur oder die Kosmetikerin nach Hause. Das ist gut investiert in Ihre bessere Lebensqualität.
So sehr uns das Internet auch beklaut, es bietet auf der anderen Seite aber ebenso viele Erleichterungen. Wir müssen sie nur erkennen und umsetzen. Es hilft uns dabei, sehr viel Zeit zu sparen. Vielfältige Möglichkeiten bietet auch unser Smartphone bei disziplinierter und konsequenter Anwendung. Dazu später mehr.
Auch in der Kinderbetreuung können wir uns das Leben leichter machen. Wenn wir vorhandene Ressourcen voll ausschöpfen, Synergie-Effekte schaffen, etwa durch Absprachen im Freundes- und Bekanntenkreis für den Weg zum Kindergarten oder zur Schule, bei der Hausaufgabenbetreuung und der Freizeitorganisation. Es gibt viele Leute mit den gleichen Interessen oder Problemen, nur es muss einer in die Hand nehmen und das organisieren. Absprachen treffen und sich dabei Zeit freischeffeln, das ist das Gebot der Stunde. Sonst beherrschen uns auch hier die Zeitfresser. Wir wollen doch auch in der Betreuung unserer Kinder Zeit rausholen ohne sie zu vernachlässigen. Man muss also auch loslassen können, seine eigenen Kinder mal abgeben und von anderen mit betreuen lassen. Outsourcing nennt man das in der Geschäftswelt, Aufgaben auslagern an andere, die dafür Zeit haben und im Zweifel dafür auch bezahlt werden. Dazu gehört es auch, dass man alle seine Handlungsweisen mal auf den Prüfstand stellt – was kann ich auslagern, was nehmen mir andere ab, was muss ich nicht unbedingt selbst machen?
Wenn wir schon selbst mit dem Auto fahren müssen, können wir auch hier intelligenter ans Werk gehen. Wir verschwenden Zeit, indem wir andere unnütz überholen und dann vor der nächsten roten Ampel sowieso warten müssen. Intelligentes Fahren heißt, Situationen erkennen und ausnutzen, eben schlau Auto fahren, dabei Zeit zu sparen.
In allen Lebensbereichen sollten wir übrigens intelligenter vorgehen. Denken wir doch einfach nur mal darüber nach, was wir alles auf dem Weg zur Arbeit so nebenbei noch erledigen könnten. Man muss nicht extra zur Bank fahren, um Geld abzuheben, oder zum Briefkasten gehen, um Post einzuwerfen, extra in der Reinigung den Anzug abholen oder extra in der Bücherei die ausgeliehenen Bücher wieder abgeben. Wie organisieren wir uns im privaten Bereich besser, im Haushalt, in der Freizeit, auch mit unserem Partner? Koordiniert kann man sich einen Plan erarbeiten und das alles auf einmal erledigen. So spart man Zeit, das ist effizient. Ein Schreibtisch sollte beispielsweise stets aufgeräumt sein und nur die wirklich notwendigsten Dinge enthalten. Ob eingerahmte Bilder oder Magazine, Aschenbecher oder Schminktöpfchen, das hat da alles nichts zu suchen, weil es uns nur ablenkt, das wirklich Wichtige zu tun. Nichts darf uns ablenken. Man braucht oft auch einen Strategiewechsel wie Busfahren statt Gehen oder Zug statt Auto.
Mit Tricks und Tipps Zeit sparen will gelernt sein, aber wenn man es beherrscht, ist es sehr effizient. Man muss sich an langen Warteschlangen vorbeidrängen und listenreiche Ausreden einfallen lassen. An der Kasse warten? Im Amt anstehen? An der Wursttheke ausharren? In der Arztpraxis lange sitzen? Mit ein paar Tricks umgeht man das alles und gewinnt viel Zeit.
Unsere Kopflosigkeit kostet uns eine Menge Zeit. Passiert etwas Schreckliches, reagieren wir doch wie das Kaninchen vor der Schlange. Wir erstarren im Schock, treffen die falsche Entscheidung, anstatt überlegt erst einmal auszuharren und strukturiert den Fall abzuarbeiten. Fehlentscheidungen sind aufwendig zu reparieren. Anstatt in Ruhe zu überlegen und eine Nacht darüber zu schlafen, verfallen wir in blinden Aktionismus. Dabei ist jede noch so dramatische Situation im Nachhinein betrachtet doch ein Klacks. Manchmal lachen wir hinterher sogar darüber. Nichts ist so schlimm als dass es nicht irgendwie geregelt werden könnte. Und nichts ist so endgültig wie der Tod, den wir nicht verhindern können. Durch unüberlegtes Handeln wird uns die kostbare Zeit geraubt, die uns für ein schönes Leben dann fehlt. Denn alles das, was dann aufgrund falscher Reaktionen wieder mühsam repariert werden muss, ist im Grunde genommen vergeudete Zeit. Hätten wir gleich angemessen und richtig reagiert, würden wir viel eingespart haben. Man muss hier wie ein Minimalist vorgehen, wie ein Zeit-Manager in unserem privaten Bereich. Aber auch in der Arbeitswelt passiert das, wenn wir nicht auf den Punkt entscheiden können. Doch das ist auch immer eine Frage, wie wir und wie Mitarbeiter selbst strukturiert sind. Können wir uns nicht optimal organisieren, verlieren wir eben viel Zeit. Es gibt nicht umsonst Spezialisten, die nur darauf hinarbeiten, Arbeitsabläufe zu optimieren, damit eben Zeit und Geld eingespart werden.
Ablenkung, Unkonzentriertheit, Undiszipliniertheit und Strukturlosigkeit sind weitere Zeitfresser, die uns das Leben schwer machen. Wir lassen uns viel zu leicht und zu oft von allem Möglichen ablenken. Sei es das Pinupgirl auf dem Schreibtisch, ein Bild von unseren Lieben oder ein Golfball. Allerlei „Spielzeug“ rundherum stört uns daran, das zu tun, was im Moment ansteht. Wir können uns nicht auf die eine wichtige Sache konzentrieren, nämlich zum Beispiel auf unsere Arbeit. Immer wieder schweifen wir ab. Hätten wir all das Spielmaterial nicht, bliebe uns nichts anderes übrig als zu arbeiten. Wir sind nicht diszipliniert genug uns selbst gegenüber. Dabei ist doch gerade beim Arbeiten eine eiserne Disziplin gefragt. Wenn wir einen Test bestehen müssen, bleibt uns ja auch nichts anderes übrig als die Aufgaben abzuarbeiten. Gerade wer selbständig ist, muss seinem Leben eine Struktur geben, sonst kommt er doch auf keinen grünen Zweig. Sein Geschäft würde den Bach runtergehen. Hier ist Zeit wirklich Geld.
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