Ich bin davon überzeugt, dass der Schattenfürst, den niemand kennt, deiner Welt entstammt. Er bedeutet eine tödliche Gefahr für meine friedliche Welt. Ich bin mir dessen sicher, denn ich habe mich ein wenig mit deiner Heimat beschäftigt. Ich habe erfahren, was eure Waffen anrichten, weiß von einigen der schrecklichen Untaten die dort begangen werden. Ich werde es mit all meiner Kraft, meinen Fähigkeiten verhindern, dass Ähnliches auf Smethama geschieht.
Vernichte diese gewissenlose Kreatur, die den Tod zu uns bringt! Trenne danach meine Heimat und die ihrer Bewohner für immer von der Menschenwelt Erde, bevor der Schattenfürst Smethama vernichtet! hatte die Zauberin sie beschworen.
Aber wie, Herrin? Wie soll ich Euch helfen? Wie könnte mir das gelingen? hatte sie gefragt, und dabei waren ihr die Tränen übers Gesicht gelaufen.
Mit Hilfe der Magie, der Waffen und derer, die dir zur Seite stehen werden, hatte die Zauberin geantwortet. Außerdem werden dich „Das Schwert der Ehre“, „Der Ring der Wahrheit“ und „Das Elixier des Lebens“ unterstützen.
Allerdings musst du dir diese Helfer erst verdienen. Ich weiß allerdings nicht wie. Aber du wirst es wissen, wenn die Zeit reif dafür ist. So sah ich es in meinen Visionen, die mir die Götter schickten.
Ich kann dir deshalb auch nicht sagen, welche Aufgabe du erfüllen musst, um „Das Schwert der Ehre“ zu erhalten. Ich weiß nur, dass die Zwerge es wie ihren Augapfel hüten. Sie werden es nicht so ohne weiteres herausgeben.
Über den „Ring der Wahrheit“, ist mir nur bekannt, dass er der Auserwählten die Identität des Schattenfürsten offenbart.
Und „Das Elixier des Lebens“ , wird auf der Insel Korach im Schicksalssee , von dem Ungeheuer Rundringol bewacht. Ich weiß nicht, ob du Rundringol kämpferisch oder diplomatisch entgegentreten sollst, ich weiß nur, dass du dich dem Ungeheuer alleine stellen musst und ihm kein Leid geschehen darf. Mehr konnte ich nicht erfahren. Die Magie, die mich in die Zukunft schauen lässt, ließ es nicht zu. Es tut mir leid.
„Mir auch“, murmelte Ariella. „Die Hohe Herrin hat gut reden. Woher soll ich wissen wie, wann und wo ich an diese Hilfsmittel gelange?“
„Du wirst es wissen“, sagte Samwinn, der schon eine Weile unbemerkt neben ihr stand und ihre Worte vernommen hatte. „Das Erbe deines Volkes und besonders das Erbe Lavertyras ruht in dir. Du wirst nicht scheitern.“
Ariella reckte sich seufzend. Dann stand sie auf und strich ihre Jacke glatt.
„Du siehst toll aus“, sagte Finntam hinter ihr. „Wie eine Kriegerin. Viel besser, als in deinen anderen Sachen.“
Aha, jetzt will er seine kleinen Unfreundlichkeiten von unterwegs wieder gutmachen , dachte Samwinn amüsiert.
Aber Finntam hatte recht!
Ganz in schwarzes Leder gekleidet bot Ariella mit den kniehohen Stiefeln, der schwarzen Jacke, dem ebenfalls schwarzen, mit goldfarbener Stickerei verzierten Oberteil, dem in einem schlichten Futteral auf ihrer Hüfte hängenden Schwert und dem zu einem Zopf geflochtenem schwarzen Haar das beeindruckende Bild einer Kämpferin.
Und eine Kämpferin war sie!
Das hatte sie in einem Testkampf bewiesen. Selbst die Herrin Lisha’yinn hatte begeistert geklatscht, als Ariella den Elfenkrieger Sil’kor besiegte.
Dass Ariella seit vielen Jahren den Schwertkampf als Hobby betreibt, ist unserer Herrin Lisha’yinn bei allem Wissen und aller Weisheit anscheinend entgangen, dachte Samwinn amüsiert, der es von Ariella wusste.
Ich wünsche mir so sehr, dass Ariella bei all dem, was da auf sie zukommt, nichts passiert und dass sie für immer bei uns bleibt, denn ich habe sie vom ersten Augenblick an lieb gewonnen, dachte der kleine Halbling.
„Das habe ich auch, mein lieber, kleiner Samwinn“, sagte Ariella dicht neben ihm.
Samwinn erschrak. Was war geschehen? Las Ariella etwa seine Gedanken? Aber das konnte nicht sein, oder doch?!
„Keine Sorge, Samwinn. Normalerweise werde ich diese neue Gabe bei meinen Freunden nicht ohne deren Erlaubnis nutzen“, beruhigte ihn Ariella.
„A … aber wieso?“, stotterte Samwinn.
„Die Stunden bei eurer Hohen Herrin Lisha’yinn waren nicht vergebens“, erwiderte Ariella leise. „Es war nicht besonders schwer. Es hat den Anschein, als wollte die Magie zutage treten, als hätte sie darauf gewartet, sich auf Smethama endlich zu entfalten. Und sie wird mit jedem Tag stärker und sich mir offenbaren, hat mir die Hohe Herrin prophezeit.“
„Da … dann bist du jetzt auch eine Zauberin?“. stotterte nun auch Finntam verwirrt. Nur gut, dass ich nie böse Gedanken habe , dachte er erleichtert.
„Außer vielleicht, wenn du hungrig bist“, neckte ihn Ariella. „Das war jetzt das letzte Mal“, entschuldigte sie sich, als sie seinen entsetzten Gesichtsausdruck gewahrte. „Ab sofort lese ich nur noch in euren Gedanken, wenn ihr es mir erlaubt.
Aber um auf deine Frage zurückzukommen, Finntam. Noch bin ich wohl keine große Zauberin. Doch verfüge ich bereits jetzt über einige Fähigkeiten, die uns bei unserem Vorhaben nützen werden“, erklärte sie.
Koktos musterte abfällig den Söldnerführer Krisbert, der hinter einem massiven Holztisch saß, den er selbstgefällig als Schreibtisch bezeichnete.
Ich kann diesen dämlichen Angeber auf den Tod nicht leiden, dachte er nicht zum ersten Mal. „Was willst du? Warum hast du mich rufen lassen?“, fragte er unfreundlich.
Der langaufgeschossene, hagere Söldnerführer mit dem kahlgeschorenen Kopf, der die Abneigung Koktos aus vollstem Herzen erwiderte, musterte sein Gegenüber herablassend. „Setz dich“, befahl er kalt.
Koktos starrte ihn wütend an. Seine Hand krallte sich um die Peitsche, die er noch in der Hand hielt. Wie gerne würde ich dich damit Bekanntschaft machen lassen! dachte er hasserfüllt.
Krisbert las in dem harten Gesicht wie in einem aufgeschlagenen Buch. Er wusste, dass Koktos in ihm einen Konkurrenten um die Gunst des Schattenfürsten sah, doch das störte ihn nicht. So lange dieser ihn und seine Söldner brauchte, glaubte er sich vor der Gewalttätigkeit seitens Koktos’ sicher.
Ihm alleine oblag die Befehlsgewalt über die Söldnertruppe, und das würde er sich von niemandem streitig machen lassen! Er fürchtete sich nicht im Geringsten vor diesem gewalttätigen Sadisten, der da zornbebend vor ihm stand; da hatte er schon ganz andere Gegner ausgeschaltet! Und bei diesem Gedanken verzog sich Krisberts Raubvogelgesicht zu einem schiefen Grinsen.
Er hielt dem hasserfüllten Blick Koktos’ stand und dachte : Eine Kugel in deinen dämlichen Schädel wird dir sehr schnell die Mordgedanken austreiben! Aber noch ist die Zeit nicht reif dafür. Doch sie wird kommen, das wissen wir beide!
„Verdammt noch mal, Koktos! Setzt dich endlich auf deinen fetten Arsch, wir haben einiges zu besprechen, was nicht warten kann!“, befahl der Söldnerführer.
Koktos zog sich wutschnaubend einen Stuhl heran und ließ sich darauf fallen. Zwar knarrten die Verstrebungen unter der Last, doch das Holz hielt. „Und was sollte das sein?“, knurrte er aufgebracht.
„Unser Herr, der Schattenfürst, ist mit den Abbauergebnissen nicht zufrieden. Er verlangt, dass die Produktion in der Mine, gesteigert wird.“
„Das weiß ich schon lange“, nörgelte Koktos. „Und was soll ich dabei tun? Das ist doch deine Aufgabe. Du wirst schließlich dafür bezahlt und gar nicht mal schlecht.“
„Ich brauche mehr Arbeiter. Der Sauerstoffmangel, die Anstrengungen und die giftigen Substanzen in der Mine raffen die Meisten viel zu schnell dahin. Und dann schlägst du mir auch noch die Stärksten von ihnen zu Brei und nur deshalb, weil sie dir nicht unterwürfig genug sind!
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