Höchstwahrscheinlich waren es Kinder, die beim Spielen Kleintiere gezähmt haben. Die Eltern haben ihnen dann gezeigt, wie man sie füttert und ihnen ein Zuhause bietet. Aus diesem Streichelzoo und der Freundschaft mit kleinen Tieren hat sich dann die Nutztierhaltung entwickelt. Aus der Freundschaft und dem Zusammenleben mit der unmittelbaren Natur rundherum entsteht ein völlig neuer Zugang zum Leben. Ein dauerhaftes Zuhause. Die Verbindung mit den Ahnen ist dabei ganz wichtig. Familie ist etwas Heiliges, es bringt Glück und Freude. Die Kinder waren die Lehrmeister der Eltern. In ihren Augen konnten die Erwachsenen sich selbst erkennen. Beim Versuch, die Welt um sich herum zu verstehen wird überall die Verbindung gesucht. Der Verstand arbeitet so. Er erklärt das eine durch das andere. Sie haben mit den Wolken geredet und sich bei der Sonne bedankt. Demut und Lernbereitschaft, sowie ökonomisches und ökologisches Denken waren dabei etwas Selbstverständliches. Sie waren mit sich eins, mit dem Partner eins, mit der Familie eins, mit der Dorfgemeinschaft eins und mit der Natur eins. In dieser friedlichen Atmosphäre findet der Verstand die Ruhe, die er braucht um zu lernen und sich weiter zu entwickeln. Worte werden neu zusammengesetzt, neue Worte werden erfunden, die Sprache entwickelt sich weiter. Die grundlegenden Fragen werden ganz bewusst gestellt. Was ist das Leben, was ist der Tod. Wie können wir noch besser leben. Was ist meine Aufgabe. Was sind wir . Mit dem Versuch, eine Antwort zu sein, entsteht die Liebe zur Weisheit, die Philosophie. Und damit der erste Versuch einer umfassenden Beschreibung von der Welt. Man sucht das Vertraute, das was verbindet. Die Überschneidungen der Vorstellungen über die Realität bilden die Grundlage für das gelungene Zusammenleben. In dieser paradiesischen Welt war jeder mit allem in Verbundenheit. Diese Lebensgemeinschaft hat sich ganz langsam ausgebreitet.
Schrift
Wissen
Trennung
Der Plan der Weisen
Chaos und Ordnung
Glaube
Der Weg zurück
Glück
Ein fünfjähriger Junge mit dem Namen Konstantin fragte mich: Wie ist der Anfang? Die Frage ist so schön formuliert. Sie ist die Antwort. Ich konnte nichts erwidern. Und mich erinnern: Wir kommen von dort und gehen dorthin. Kinder wissen das mit einer Selbstverständlichkeit, die in Staunen versetzt. Wir können und sollen von ihnen lernen.
Wenn man etwas sehr gern hat, so achtet man darauf, man beobachtet es aufmerksam. Passiert das in der reinen Form, geschieht etwas Wunderbares. Das Unberührbare berührt uns. Wir sehen das Unsichtbare. Wir hören das Lautlose. Wir erkennen das Geheimnis. Das ist der Anfang.
Es ist hier und jetzt im Moment verbunden. Die natürliche Reaktion ist Bewegung, Leben. Es gibt nichts zu tun. Nur das eine. Es gibt nichts zu wissen. Nur das eine. Es ist.
Wir sind mitten drinnen. Im Urgrund. Wir sind die veränderliche Zeitlosigkeit als Ausdruck des Augenblicks. Wir sind Spiegelbild der ewigen Wahrheit. Resonanz und Reflexion. Die Summe aller Möglichkeiten in grenzenloser Freiheit.
Aufmerksam beobachten und lernen
Der Geist des Weltenerbauers entfaltet sich mit der reinen Aufmerksamkeit. Unsere Antwort ist der kreative Schöpfungsprozess. Wir lernen durch achtsame Wahrnehmung, Beobachtung und Nachahmung.
Einen Brand in der freien Natur zu beobachten ist ein gewaltiges Erlebnis. Alle Tiere flüchten davor. Es ist gefährlich. Neugierde lässt uns trotzdem näher heran gehen und das Feuer genau studieren. Es ist heiß, es raucht, es riecht verbrannt, es verbrennt Holz. Mut lässt einen staunenden Beobachter einen brennenden Ast aufheben und ein Stück weit tragen. Riesige Augen lassen dabei seine Begeisterung erkennen. Die anderen staunen und schauen entsetzt zu. Durch die Nähe zum Feuer ist plötzlich die Angst davor besiegt. Ihr mit Mut zu begegnen lässt uns das Unbegreifliche begreifen. Die Euphorie möchte gemeinsam erlebt werden. Jeder soll den Triumph sehen. Das Feuer wird vorsichtig getragen und auf einem sicheren Platz wieder auf den Boden gelegt. Alle kommen zusammen, um es zu bestaunen. Was ist das, was kann man damit machen? Es wird mit Holzstücken gefüttert. Das Feuer darf nicht ausgehen. Sie beginnen, Wurzeln und Früchte zu erhitzen. Das erste Essen wird gekocht. Das Feuer wird gut bewacht. Und doch ist es irgendwann passiert. Vielleicht hat Regen den Zauber beendet, oder das Feuer ist einfach so ausgegangen. Jedenfalls war der Wille, das Feuer wieder zu entfachen, sehr groß. Erinnerung, Phantasie, Schaffensdrang und Logik beginnen zusammen zu arbeiten. Das Holz muss sehr heiß werden, damit es brennt. Durch Reibung kann man Hitze erzeugen. Kleine, dünne und trockene Stücke brennen leichter. Wenn man genug Hitze erzeugt, könnte es klappen. Und tatsächlich. Es funktioniert. Wir können Feuer machen! Unglaublich aber wahr. Das war der ganz große Triumpf der Vernunft.
Ein Grundpfeiler für unsere Fähigkeit, Liebe zu leben.
Die Menschheit erwacht.
Welches Symbol passt am besten in den freien Platz?
Diese Errungenschaft werden die Menschen nie mehr hergeben. Das Feuerwird gemeinsam gemacht und behütet. Die Älteren zeigen es den Jüngeren. Die lernen so ganz selbstverständlich, wie es geht.
Was sind wir. Das Feuer in der Nacht ist die Geburtsstunde dieser Frage. Es spendet Ruhe, Wärme, Licht und Sicherheit. Die Antwort kommt mit uns. Gewahrsein und Selbsterkenntnis.
1 + 1 = 2
Eins und eins sind zwei. Ein Kind und noch ein Kind sind zwei Kinder. Sie entstehen aus dem gern haben. Es ist einfach. Alles Lebendige kennt die Fürsorge für die eigenen Nachkommen. Es gibt nichts Wichtigeres. Mama, Papa. Bitte, Danke.
Während die Kinder schon schlafen, sitzen die Älteren noch leise beim knackenden Feuer. In den funkelnden Augen spiegelt sich der flackernde Lichtertanz wider. Demut ist darin zu lesen. Dem sanften Blick ins Feuer folgt der ruhige Blick nach oben in den Sternenhimmel. Sind diese vielen kleinen Lichter auch Feuer? Es sind so gewaltig viele. Die Sterne lassen sich nicht angreifen. Sie sind so weit weg. Man kann sie nicht zählen. Wir haben verstanden, dass wir nicht verstehen. Und damit gewusst: Da ist mehr.
Zwei und zwei ist fünf.
2 + 2 = 5
Mit der benachbarten Sippe gab es bei der geringen Besiedelungsdichte keinen regelmäßigen und intensiven Kontakt. Ähnlich wie bei Tieren gab es aus Gründen des Nahrungsangebots höchstwahrscheinlich nur einfache Abmachungen über die Reviere, die aufgeteilt wurden. Sonst bestand kaum Veranlassung für eine Interaktion.
Eines Tages sehen diese Nachbarn das entfernte Lichter- und Schattenspiel in der Nacht. Es übt eine unwiderstehliche Anziehung aus. Ihre Neugierde lässt sie langsam und vorsichtig herankommen. Die Aufregung war auf beiden Seiten groß und als die Besucher mit offenen Händen in die Nähe kommen wird es klar, dass in den staunenden Augen friedliche Absichten zu lesen sind. Kurz darauf dürfen sie sich dazu setzen, sie bekommen eine Kleinigkeit zu essen und sie lernen schnell, auch mit dem Feuer umzugehen. Die ersten Freundschaften zwischen Familien beginnen. Das nächste Mal bringen sie Essen mit und es wird gemeinsam gesungen und gelacht. Sie haben in diesem Moment gespürt, dass das Leben gut ist. Mit absoluter Gewissheit.
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