Eigenstrom in der Definition von Asbeck zielt auf den Verbrauch des selbst produzierten Stroms ab. Dies ist auch ein wichtiger Bestandteil meiner Sichtweise, darf aber an dieser Stelle nicht enden. Unabhängig, wer den Strom produziert, bedarf es aber für mehr Nachhaltigkeit zumindest auch eine Betrachtung des Verbrauchs. Strom als Besitz und Wert anzusehen und nicht nur als physikalischen Energieträger.
Natürlich hat die Wortkreation des SolarWorld-Gründers auch einen Charm, da sie zwei Begriffe, die so nicht zusammen gehören, vereint. Eigentum und Strom. Eine ähnliche linguistische Schöpfung wie die Verbindung von Strom und Nachhaltigkeit zu Stromhaltig.
Schaut man bei Eigenstrom allerdings lediglich auf das Szenario der PV-Anlage auf dem Eigenheim, die verbunden mit einem Speicher dafür sorgt, dass ich den selbst produzierten Strom verbrauche, dann schaffe ich eine Welt von Mietern und Eigentümern. Generell nichts schlechtes, da real im Wohnungswesen erprobt. Allerdings ist es wesentlich schwieriger Eigentümer an einem Stormerzeuger zu werden, als eine Eigentumswohnung oder ein Haus zu erweben. Im Rahmen der Artikelserie wird es daher auch um die Frage nach der Finanzierung gehen. Kann man es ermöglichen, dass Besitzer von Eigentumswohnungen und Mieter auch Eigenstromer werden?
Eigentum verpflichtet, lautet eine Redensart. Betrachtet man nur den Strom aus einer Quelle – zum Beispiel die PV Anlage – dann kann es nur mit Einsatz von Speichern und Co. dazu kommen, das man eine Mengenkopplung realisieren kann. Alle anderen Szenarien werfen zumindest die Frage nach der Pflicht zur Vermarktung auf. Im Moment bestehen Abnahmegarantien und Vorrangsregelungen, die aber leider auch dazu führen dass es in seltenen Fällen zu einem negativen Strompreis kommt. Gelingt eine viel engere Verzahnung und damit Ausgleich von Produktion und Verbrauch, dann wird nicht die gesamte Eigentumsverpflichtung über den Markt abzufedern sein.
Die zweite Miete ist ein Stichwort, welches häufig mit den Energiekosten in Verbindung gebracht wird. Warum entscheiden sich Menschen dazu, eine Eigentumswohnung zu kaufen oder ein Haus zu bauen? Vielleicht, da sie keine Miete mehr zahlen wollen. Bei Immobilien will man diese Kosten meist bis zum Renteneintritt abgezahlt haben. Es ist nicht verwunderlich, dass eine Bausparkasse mit dem Slogan wirbt, dass die eigenen „Vier Wände“ die beste Altersvorsorge ist. Ein Leben ohne Energie ist aber auch im Alter nicht möglich. Gibt es Wege, wie man Eigentum erwerben kann, das die Abhängigkeit von Energiekosten im Alter minimierbar wird?
Im Gegensatz zu den USA ist in Deutschland die Verwendung von Kredikarten wesentlich seltener. Geht es um Geld, dann besteht eine kultureller Konsens, dass man die Auswirkungen sofort sehen möchte (=Abbuchung auf dem Konto). Beim Stromverbrauch ist dies allerdings meist anders. Meine Hypothese ist, dass viel Sparpotential nicht genutzt wird, da die Zeitdauer bis sich dieses auswirkt viel zu lange ist. Das gängige Modell ist die Jahresabrechnung auf Basis des Verbrauchs und angepasste Abschlagszahlungen im Folgejahr. Verstehe ich, was bei mir ein “goldener Wasserhahn” beim Stromverbrauch ist, dann kann ich ihn doch morgen schon ändern. Woher kommt aber die Motivation, wenn man über ein Jahr auf die Auswirkung warten muss? Keine Diät hätte Erfolg, wenn man so lange auf sichtbare Ergebnisse warten müsste. Eigenstrom hat daher auch eine Komponente, die es überhaupt erst ermöglicht Eigenverantwortung zu übernehmen.
Mit dem Kohlepfennig fing die Entfremdung an
Von 1974 bis 1995 existierte auf dem Gebiet der alten Bundesländer der Kohlepfennig. Eingerichtet um den Steinkohleabbau quer zu finanzieren –so war es wohl die erste Umlage, die sich auf die heimische Stromrechnung auswirkte. Gefolgt vom Erneuerbaren Energiegesetz (EEG), einer Umlage für den Netzausbau und der Abschaltprämie, werden so auf der Rechnung des Versorgers aus 5 Cent 25 Cent. Umlagen und Entgelte sind generell kein schlechtes Instrument, sorgen aber für eine Entfremdung zwischen Marktpreis und Nutzen (Verbrauch). Strom ist natürlich nicht das einzige Produkt, bei der eine Entfremdung auftritt. Mineralöl oder Tabakprodukte haben ähnliche Hebel durch Steuern. Bei Strom wurde jedoch häufiger das Mittel der Umlagenfinanzierung gewählt, bei der es jemanden gibt, der diese empfängt und einen direkten Nutzen hat. Bei Steuern ist dies anders, hier kann durch Zahlung kein direkter Empfänger ausgemacht werden. Der Staat übernimmt bei den Umlagen keine steuernde Funktion.
Bei den Strompreisen entsteht eine weitere Gefahr, denn die Realisierung von Einsparungszielen lässt sich durch reine Verteuerung schwer realisieren. Bestes Beispiel für diese Aussage ist die Ökosteuer, die nicht zu einer Reduktion des Benzinverbrauchs geführt hat (lediglich zu einer Vertikalbewegung mit dem Dieselverbrauch). Ähnliches geschieht wohl auch beim Stromverbrauch. Die Umlagen haben somit ganz allein eine finanzierende Wirkung.
Für den Verbraucher wird es schwer ein Gefühl für den Wert eines Gutes zu erkennen, wenn der Preis entkoppelt ist vom Aufwand der Herstellung. Eine Tatsache, die sehr hinderlich ist, wenn es darum geht das Eigen in Eigenstrom verständlich zu machen. Der Umstieg auf erneuerbare Energien verlangt, dass Stromerzeugung und Verbrauch enger miteinander verknüpft werden. Die Schaffung eines Marktes ist für eine solche Herausforderung wäre das adäquate Mittel. Besteht ein großes Angebot bei geringer Nachfrage, so geht der Preis nach unten – und umgekehrt. Dieser Markt existiert in Form des European Energy Exchanges (EEX) in Leipzig.
Geht der Aufwand/Kosten zur Stromproduktion um 10% nach oben, so macht dies weniger als 5% des Preises aus, den der Kunde zahlen muss.
Auf 9,8 Cent je Kilowattstunde beläuft sich der Anteil der Stromkosten, der vollständig losgelöst von der aktuellen Produktion ist. Die Umsatzsteuer wurde in dieser Rechnung bewusst nicht beachtet, da sie sich linear zum Preis und nicht zur Menge entwickelt.
Vielleicht kann man aus dieser Rechnung sehr deutlich erkennen, warum kaum Interesse bei den Privatkunden an dynamischen Strompreisen besteht. Deren Schwankung würde in einem Umfang ausfallen, bei der eine steuernde Wirkung auf den Verbrauch nur gering ist. Vielleicht ist es auch der Grund, warum es nur wenige Geräte gibt, die man als “Ready-For-Smartgrid” bezeichnen kann – die also die Möglichkeit haben dann Strom abzunehmen, wenn dieser günstig ist.
Schade ist, dass die kurzfristige Lösung dieser Problemstellung, allein durch Umgehung des Marktes/Netzes erfolgen kann. D.h. wer es sich leisten kann, sollte Strom selbst produzieren, speichern und verbrauchen. Eigenstrom in seiner reinsten Form. Besteht diese Möglichkeit nicht, so bestehen aktuell nur wenige Möglichkeiten die Entfremdung aufzulösen.
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