Die 20. Fabel, von den Wölfen und Schafen
Die 21. Fabel, vom Holzhauer und den Bäumen
Die 22. Fabel, von dem Wolf und dem Hund
Die 23. Fabel, vom Fuchs und den Trauben
Die 24. Fabel, vom Wolf und dem Hirten
Die 25. Fabel, vom Pfau und der Göttin
Die 26. Fabel, von dem Metzger und den Widdern
Die 27. Fabel, von dem Vogler und den Vögeln
Die 28. Fabel, von dem Pferd und Hirsch
Die 29. Fabel, von dem Esel und dem Löwen
Die 30. Fabel, vom Löwen und den Füchsen
Die 31. Fabel, vom kranken Esel und dem Wolf
Die 32. Fabel, von dem Mann und dem Löwen
Die 33. Fabel, vom Kamel und dem Floh
Die 34. Fabel, von der Ameise und der Grille
Die 35. Fabel, von dem Schaf und der Krähe
Die 36. Fabel, von der Tanne und dem Rohr
Die 37. Fabel, vom Löwen und dem Maultier
Die 38. Fabel, vom jungen Eber und dem Wolf
Die 39. Fabel, vom Fuchs und Hahn
Die 40. Label, von dem Fuchs und der Katze
Die 41. Fabel, von dem neidischen Hund
Die 42. Fabel, vom Adler und dem Raben
Die 43. Fabel, vom Adler und dem Mistkäfer
Die 44. Fabel, vom Luchs und dem Bock
Die 45. Fabel, von der Katz und dem Hahn
Die 46. Fabel, vom Hirtenbuben und dem Wolf
Die 47. Fabel, von der Ameise und der Taube
Die 48. Fabel, von einem Winzer
Die 49. Fabel, vom Affen und dem Fuchs
Die 50. Fabel, vom Löwen und dem Fuchs
Aesop
Fabeln
bearbeitet von Victor Zobel
Die 1. Fabel, von dem Wolf und Lamm
Böser Wille fragt nicht nach Vernunft und Wahrheit. Davon hört diese Fabel.
Ein Wolf und ein Lamm, beide durstig, kamen an einen Bach zu trinken, und das Lamm fern unten. Da der Wolf das Lamm sah, sprach er zu ihm: was trübst du mir das Wasser? Das Lämmlein sagte: wie mag ich dir das Wasser trüb machen, das von dir zu mir herfließet? Der Wolf aber errötete nicht und rief: du fluchest mir gar! Antwortet das Lamm: ich fluche dir nicht. Ja, sprach der Wolf, vor sechs Monaten hast du mirs auch getan. Da sagte das Lamm: nun war ich doch zur selben Zeit noch nicht geboren. Jetzt der Wolf: du hast mir auch meine Wiese ganz verwüstet und verderbt mit deinem Nagen. Drauf das unschuldig Lämmlein: wie möchte das wohl sein, hab ich doch noch keine Zähne. Da ward der Wolf vom Zorn gepackt und schrie: ob du auch noch mehr Ausflüchte machtest, so will ich doch an dir mein reichlich Nachtmahl haben – fing das arm Lämmlein, nahm ihm sein Leben und fraß es.
Die 2. Fabel, von der Maus und dem Frosch
Wie die Übelsinnigen sich selber Übel schaffen, davon zeuget diese Fabel.
Einsmals wäre eine Maus gern über ein Wasser gekommen und begehrte Rat und Hilfe von einem Frosch. Der Frosch nahm eine Schnur und band den Fuß der Maus an seinen Fuß und fing an, über das Wasser zu schwimmen. Aber als er in der Mitte des Wassers war, tauchte er unter und zog die Maus hinab und wollt sie ertränken. Da die elende Maus die böse Tat inne ward, widerstund sie dem Frosch nach Kräften. Indem kommt ein Weih geflogen und packt die Maus mit seinen Klauen zusamt dem baumelnden Frosch und frißt sie beide.
Die 3. Fabel, von dem Löwen und seinen Genossen
Es ist ein Sprichwort: Hüte dich vor der Gesellschaft der Großen. Hievon sagt Esopus eine Fabel.
Ein Rind, eine Geiß und ein Schaf gesellten sich zu einem Löwen und zogen miteinander auf das Gejag in einen Forst. Alsbald fingen sie einen Hirsch, der ward in vier Teile geteilet. Da sprach der Löw: den ersten Teil nehm ich, darum daß ich ein Löw und König aller Tiere bin; der andre ist mein, darum daß ich stärker bin denn ihr; so will ich auch den dritten Teil haben, darum daß ich fester gelaufen bin denn ihr; welcher aber den vierten anrühret, der soll meine Klaue spüren.
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Nach anderen hat diese Fabel sich begeben mit einem Esel und einem Fuchs. Und als der Esel nun von dem Löwen geheißen ward, den Hirsch zu teilen, machet er drei Teile daraus. Über das ward der Löwe zornig, fletschte die Zähne gegen den Esel und sprach zu dem Fuchs, er sollt teilen. Da stieß der Fuchs die Teile alle drei wieder zusammen und gab sie dem Löwen ganz. Der sprach wohlgefällig: Fuchs, wer hat dich gelehret, so wohl zu teilen? Antwortet das Füchslein: die Sorg und Angst, darin der Esel gestanden, die hat michs gelehrt.
Die 4. Fabel, vom Wolf und dem Kranich
Diese Fabel zeuget, daß nicht Lohn hat, wer den Bösen wohltut.
Ein Wolf verschlang einen Knochen, der ihm überzwerch im Schlunde stecken blieb, litt harte Pein und erbot großen Lohn dem, welcher ihm helfen würde. Da ward berufen der Kranich mit dem langen Hals, der stieß seinen Kragen in den Schlund des Wolfs und zog ihm das Bein heraus und macht' ihn gesund. Als solches geschehen, forderte der Kranich den versprochenen Lohn. Was, schrie der Wolf, ist das nicht genug, daß dein Hals so tief in meinem Rachen gewesen, daß ich dich hab ungeletzt von meinen Zähnen entschlupfen lassen, und begehrest dannoch einen Lohn von mir!
Die 5. Fabel, vom Esel und dem Löwen
Der Weise zürnt dem Narren nicht. So sagt eine Fabel.
Der Esel, als er dem Löwen begegnete, sprach zu ihm: Gott grüß dich, Bruder. Der Löw ward mürrisch, antwortet ihm nicht und schüttelt den Kopf, gedachte bei sich: du willst dich mit dieses blöden Tieres Blut nicht besudeln, denn wo du dich mit ihm einlässest, müßtest du es zerrissen hinter dir lassen, und ist besser, den Toren überhören.
Die 6. Fabel, vom Raben und dem Fuchs
Die auf Schmeichler hören, werden betrogen, als diese Fabel ausweiset.
Ein Rabe raubte einen Käs und setzte sich mit ihm auf einen Baum. Da das ein Fuchs ersah, wässerte ihm das Maul nach dem Käse und sprach zum Raben mit süßen Worten also: o mein Herr Rab, welcher ist wohl dir gleich! Kein Vogel hat solch schimmerndes Gefieder, wie du hast, und ich wollte dich für den allerziersamsten und schönsten schätzen, wenn ich nur deinen Gesang hören möchte. Der dumme Rab freuet sich des listigen Lobes, wollt sich recht erweisen, recket sich hoch und schrie kräftiglich. Als er aber den Schnabel auftat, entfiel ihm der Käs und ward des schlauen Fuchsen Speise.
Die 7. Fabel, vom Esel und dem Hündlein
Übermut tut nicht gut, sagt das Sprichwort und so auch diese Fabel.
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