Ben Bova - Asteroidenfeuer

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Die nicht allzu ferne Zukunft: Martin Humphries, Erbe des milliardenschweren Humphries Trust, wähnt sich auf der Höhe seiner Macht. Er lebt in einer luxuriösen Idylle auf dem Mond, die er zu einer uneinnehmbaren Festung ausgebaut hat, und ein Asteroid nach dem anderen fällt ihm zu, so dass er seine Macht und sein Monopol in der Raumfahrt immer weiter ausbauen kann. Seinen Rivalen Lars Fuchs hat er nicht nur ausgeschaltet, sondern auch gedemütigt, indem er ihm seine Frau Amanda genommen und geheiratet hat. Sie bringt den ersehnten Sohn und Erben zur Welt. Doch noch immer genügt ihm das nicht: Er will Lars Fuchs beseitigt haben und hetzt einen bezahlten Killer auf ihn, der sich im Asteroidengürtel auf die Lauer legt. Aber Humphries ahnt nicht, dass ihm längst ein viel gefährlicherer Gegner erwachsen ist …
Mit diesem Buch beendet Ben Bova die faszinierende Geschichte, die mit »Der Asteroidenkrieg« begann und in »Asteroidensturm« fortgesetzt wurde.

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»Ist noch jemand drin?«, hatte der Einsatzleiter gefragt, als Fuchs und der Humphries-Sicherheitschef endlich durch die Luke und die provisorische Luftschleuse wankten, die Selenes Rettungskräfte aufgebaut hatten.

Der Sicherheitschef hatte ernst den Kopf geschüttelt. »Keine Überlebenden«, hatte er gesagt.

Humphries ist tot, triumphierte Fuchs. Er hätte vor Freude lachen mögen, wie er auf dem Krankenhausbett lag — Augen und Lunge noch vom Rauch gereizt. Ich habe es geschafft! Ich habe das mörderische Schwein getötet! Martin Humphries ist tot.

Martin Humphries war jedoch recht lebendig, aber auch schon am Verhungern. Er hatte bisher noch nie Hunger leiden müssen, doch ob er nun auf dem dicken Bodenbelag des Schutzraums ging, saß oder lag — der leere Magen knurrte ihn an. Es schmerzte , dieses hohle Gefühl im Bauch. Es dehnte sich von Minuten zu Stunden, sodass die Gedanken nur noch ums Essen kreisten. Selbst wenn er zu schlafen versuchte, wurde ihm im Traum eine opulente Mahlzeit serviert, die sich dann als Trugbild erwies.

Und der Durst war noch schlimmer. Der Hals wurde trocken, die Zunge schien im Mund anzuschwellen, und die Augen fühlten sich körnig an.

Vielleicht wird das hier mein Grab, sagte er sich. Hundertmal ging er zur luftdichten Platte und berührte sie zaghaft mit den Fingerspitzen. Sie fühlte sich kühl an. Er drückte mit beiden Händen dagegen. Presste die Wange dagegen. Das Feuer muss längst erloschen sein, sagte er sich. Die Armbanduhr sagte ihm, dass über zwanzig Stunden vergangen waren. Das Feuer muss längst aus sein. Aber was ist mit Luft? Gibt es überhaupt noch Atemluft auf der anderen Seite der Platte?

Es wird schon jemand kommen, versuchte er sich zu beruhigen. Mein Sicherheitschef weiß über diesen Schutzraum Bescheid. Wenn er im Feuer nicht umgekommen ist. Wenn er wegen Sauerstoffmangels nicht erstickt ist. Ferrer. Viktoria hat es vielleicht nach draußen geschafft. Sie wird ihnen sagen, dass ich hier bin. Wird sie das wirklich tun, fragte er sich dann. Ich habe ihr den Zutritt zum Schutzraum verwehrt; vielleicht lässt sie mich hier drin verrotten dafür, selbst wenn sie es überstanden hat. Trotzdem wird irgendjemand Leute herschicken, um das Haus zu begehen und den Schaden festzustellen. Selenes Sicherheitsleute.

Die gottverdammten Schadensachverständigen müssen ja früher oder später hier antanzen.

Glaub nur nicht, dass die Versicherungsleute es besonders eilig hätten, hier vorbeizuschauen, sagte eine spöttische Stimme in seinem Kopf.

Das ist nur die Schuld dieses Schwachkopfs von einem Architekten, sagte Humphries sich wutschnaubend. Der Idiot! Baut diesen Schutzraum ohne ein Telefon, um Kontakt mit der Außenwelt herzustellen. Ohne Sensoren, die mir sagen, ob es Luft auf der anderen Seite der Tür gibt. Ich werde dafür sorgen, dass er nie wieder einen Auftrag bekommt. Nie wieder! Er wird an Straßenecken betteln, wenn ich mit ihm fertig bin.

Es gibt hier drin nicht mal einen Wasserhahn. Ich könnte verdursten, bevor man mich findet.

Er sackte auf den Boden und wollte weinen, aber sein Körper war schon zu ausgetrocknet, um Tränen zu produzieren.

Ballistische Rakete

Von ihrem Platz am Bullauge aus sah Pancho aus dem Augenwinkel tief unter sich das zerklüftete Mondhochland vorüberziehen. Sie war der einzige Passagier in der ballistischen Rakete, die sie von Astros Malapert-Basis in einem hohen Bogen über die öde Mondoberfläche nach Selene beförderte. Der Knöchel war in einem Sprühverband fixiert; in Selene würde sie gleich ins Krankenhaus gehen und sich Nanomaschinen spritzen lassen, die den gebrochenen Knochen und die gerissenen Fasern reparieren würden.

Pancho hatte Muße, die Landschaft zu studieren. Sie war in ein Gespräch mit Jake Wanamaker vertieft, dessen runzliges, grimmiges Gesicht sie an die steinige Einöde unter ihr erinnerte.

»… müssten die Nanomaschinen jeden Moment freisetzen«, sagte Wanamaker.

»Und alle Bewohner von Vesta sind unter der Oberfläche?«, fragte Pancho.

»Sollten sie, wo diese Strahlenwolke sie einhüllt. Jeder, der sich jetzt an der Oberfläche aufhält, ist tot — egal, was wir tun.«

Pancho nickte. »In Ordnung. Und welche Bewandtnis hat es mit diesem Brand auf Humphries' Anwesen?«

Wanamaker verzog angewidert das Gesicht. »Eine Gruppe von vier Fanatikern ist in die Felsenhöhle auf der untersten Ebene eingedrungen. Wieso, wissen wir noch nicht. Sie werden von Selenes Sicherheitsdienst im Krankenhaus festgehalten.«

»Und sie haben das Haus niedergebrannt?«

»Das ganze Anwesen in Brand gesetzt. Der Ort ist total verwüstet.«

»Und Humphries?«

»Keine Spur von ihm. Inspektoren von Selene durchsuchen den Ort nun. Anscheinend steht das Haus noch, aber es ist vollkommen ausgebrannt.«

Seltsamerweise freute Pancho sich nicht über die Möglichkeit, dass Humphries tot war. »Hat man seine Leiche gefunden?«

»Noch nicht.«

»Und die Leute, die das Anwesen angegriffen haben, sind im Krankenhaus?«

»Und die Wachen.«

Pancho kannte nur eine Person im ganzen Sonnensystem, die verrückt genug wäre, um Humphries in seinem Bau anzugreifen. Lars Fuchs.

»War Lars Fuchs einer der Angreifer?«

Wanamakers ohnehin schon düsterer Gesichtsausdruck wurde noch eine Nuance düsterer. »Er hat seinen Namen mit Karl Manstein angegeben. Ich glaube nicht, dass Selenes Sicherheitsdienst seine wahre Identität schon kennt.«

Pancho fragte sich, woher Wanamaker überhaupt wusste, dass Manstein ein Deckname für Fuchs war. Aber sie legte das als unwichtig ad acta. »Holen Sie ihn dort raus«, sagte sie.

»Was?«

»Schaffen Sie ihn aus dem Krankenhaus und bringen ihn dann von Selene weg. Schicken Sie ihn in den Gürtel zurück, nach Ceres oder sonst wohin. Entziehen Sie ihn nur dem Zugriff des Sicherheitsdiensts von Selene.«

»Aber er ist ein Mörder, ein Terrorist.«

»Ich hatte ihn nach Selene gebracht, um uns im Kampf gegen Humphries zu helfen«, sagte Pancho, auch wenn das nicht die ganze Wahrheit war. »Ich will nicht, dass Stavonger oder sonst jemand davon erfährt.«

»Und wie soll ich ihn an Selenes Sicherheitspersonal vorbeischleusen?«, fragte Wanamaker besorgt.

Pancho schloss für einen Moment die Augen. »Jake, das ist Ihr Problem«, sagte sie dann. »Lassen Sie sich etwas einfallen. Ich will, dass er vom Mond verschwindet und in den Gürtel zurückkehrt. Am besten schon gestern.«

Er atmete tief durch. »Ja, Ma'am«, erwiderte er unwillig. Sie glaubte schon, er wollte ihr einen militärischen Gruß entbieten.

»Noch etwas?«, fragte Pancho.

Wanamaker machte ein Gesicht irgendwo zwischen einem Lächeln und einer Grimasse. »Ist das denn nicht genug?«

Ulysses S. Quinlan verspürte ein Gefühl der Ehrfurcht und hatte die smaragdgrünen Augen vor Bewunderung aufgerissen, als er mitten im weitläufigen Wohnzimmer im Erdgeschoss von Humphries' Herrenhaus stand — oder was davon noch übrig war. Der große Raum war ein verkohltes, geschwärztes Trümmerfeld: Wände und Decke waren versengt, der Fußboden mit verbranntem Schutt und feiner grauer Asche bedeckt.

Quinlan, in Belfast geboren und Kind eines irischen Vaters und einer irisch-amerikanischen Mutter, war mit Geschichten von Bürgerkriegen aufgewachsen. Seinem Vater zuliebe spielte er von Kindheit an Football, was ihm schließlich ein Sport-Stipendium an der Princeton University einbrachte — was wiederum seine Mutter freute, auch wenn sie bei der Trennung von ihrem einzigen Kind bittere Tränen weinte. Quinlan studierte Maschinenbau und widmete sich lange Jahre der Sisyphusarbeit an den Deichen und hydromechanischen Barrieren, die dann doch nicht zu verhindern vermochten, dass der größte Teil Floridas und der Küstenlinie des Golfs von Mexiko bis hinunter zur Halbinsel Yucatán in Mexiko überflutet wurden.

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