»Du hast sie also auf mich schießen lassen, ich hätte getötet werden können.«
»Du hast es so gewollt«, sagte Brandi. »Du bist dort hinaufgeschlichen und hast dich den Wachen dargeboten. Unglaublich, dass sie nicht getroffen haben, eigentlich war es so einfach, wie eine Krähe auf einem Zweig zu treffen.«
Tobias konnte nichts zu seiner Verteidigung sagen. Sie hatte völlig Recht. Er hatte sich benommen wie ein Idiot.
»Du hast meine Schuhe gestohlen und bist abgehauen, weil du mir nicht vertraut hast, nicht wahr?«, fragte Brandi.
Tobias nickte schweigend.
»Du hattest ganz Recht«, sagte Brandi. »In solchen Situationen soll man niemandem vertrauen. Ich habe dir auch nicht vertraut. Erst habe ich gedacht, dass du zu den Gegnern gehörst und hergeschickt wurdest, um mir eine Falle zu stellen. Aber ich habe auf jeden Fall das Richtige getan, ich habe dich verbunden und dir zu essen gegeben. Danach war ich immer auf der Hut, und ich habe auch gesehen, dass du ohne meine Hilfe gehen konntest, obwohl du es vor mir verheimlichen wolltest. So, jetzt weißt du, dass du mich nicht hinters Licht führen kannst.«
»Ja«, sagte Tobias unterwürfig. »Ich werde es nicht mehr versuchen. Aber eins wüsste ich gerne noch.«
»Was denn?«
»Hast du die Wachen getötet?«
»Nein. Den einen habe ich in die Schulter getroffen, den anderen in den Oberschenkel, sie sind bestimmt nicht in Lebensgefahr.«
»Wo hast du denn schießen gelernt?«
»Am Computer natürlich. Ich habe noch nie ein richtiges Gewehr in der Hand gehabt. Dieses hier habe ich unter ein paar Brettern unten im Hof entdeckt.«
»Du hast gesagt, du hättest nichts gefunden.«
»Ich habe gesagt, dass ich hier oben keine Waffen gefunden habe«, sagte Brandi und lächelte. »Das da hatte ich unter der Matratze.«
Tobias dachte nach. Doch, es stimmte, sie hatte nur gesagt, sie habe im Tempel keine Waffen gefunden. Aber ihn beunruhigte noch etwas anderes.
»Wenn jetzt doch einer von diesen Wachen gestorben ist, dann hättest du ihn getötet.«
Brandi schaute ihn verwundert an.
»Ja und? Ich habe schon tausende getötet.«
»Aber nur am Computer«, sagte Tobias.
Brandi lachte.
»Du vergisst, dass dies hier nur eine scheinbare Wirklichkeit ist«, sagte sie. »Wir sind nicht in der wirklichen Wirklichkeit.«
Tobias schaute sie zweifelnd an. Sie hatte das Gewehr hinter sich gelegt, umfasste ihre Beine mit den Armen und schaute auf ihn herab. Das Pochen in seinem verletzten Bein hatte noch nicht nachgelassen und ihm war immer noch mulmig angesichts der Erlebnisse auf dem Berg. Brandi klang so selbstsicher. Aber waren sie wirklich immer noch in einem Spiel?
»Jetzt müssen wir den weiteren Fortgang planen«, sagte Brandi. »Hast du gesehen, wie es im Tal auf der anderen Seite aussieht?«
»Nein.«
»Noch nicht mal das? Was wolltest du eigentlich da oben, außer dein Leben aufs Spiel setzen?«
»Es war total blöd von mir. Aber reden wir nicht mehr darüber. Was ist da drüben?«
»Zuerst ein Stück Wald wie in diesem Tal. Dann viele Hausdächer. Ein Dorf also. Hinter dem Dorf ist ein hoher Hügel. Und nun rat mal, was auf dem Hügel steht?«
»Ein Fort?«
»Genau. Es muss das Fort sein, durch das wir gekommen sind. Hinter dem Fort war Nebel, und ich vermute, dass dort der Weg ist, der dich nach Schweden und mich nach Florida bringt.«
»Super!«, sagte Tobias. »Da haben wir vielleicht eine Chance, wenn wir nur an den Wachen vorbeikommen. Aber woher bekommen wir mehr Ammo und Armor ?«
Brandi antwortete nicht. Sie schaute starr auf einen Punkt irgendwo hinter Tobias. Dann streckte sie sich nach dem Gewehr, entsicherte es in aller Ruhe und hob die schwere, alte Waffe an die Schulter.
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