sie hat sich über meine Geschenke gefreut. Ich wollte mit ihr abhauen und uns ein wenig Geld von Lisa mitnehmen, aber Lisa ist uns auf die Schliche gekommen. Sie wollte, dass ich aus ihrem Leben verschwinde und sie wollte zur Polizei gehen. Das konnte ich nicht zulassen, also habe ich einen Plan ausgeheckt. Ich wollte sie nicht töten, aber Antonia meinte, dass sie uns so oder so verraten würde.
Sie hat die Pistole genommen und Lisa erschossen. Ich wollte das nicht, wirklich nicht!“ „Führt ihn ab!“, meldete sich nun Blake zu Wort und zwei Männer kamen herein, die Timothy festnahmen und abführten. Als sie gegangen waren sah Blake Adam an und fragte ihn: „Woher wussten sie das? Sie wussten es von Anfang an, aber woher?“ Adam lächelte: „Lisas Augen waren geschwollen. Sie hat geweint bevor sie starb und Frauen weinen häufig wegen Männern, vor allem, wenn sie auch noch ein Bild von ihm in der Hand halten. Ich habe mir gedacht, dass es etwas mit einem Mann zu tun hat und da ihr Exfreund hier war, war das offensichtlich. Außerdem fahren Frauen mit Liebeskummer entweder zu ihren Eltern oder zu ihrer Freundin, aber da sie weder zu ihren Eltern noch zu ihrer Freundin gefahren ist, musste ihre Freundin da, mit drinstecken. Also, beide waren es.“ „Okay, okay, sie hatten recht“, gab Blake zu, „jetzt müssen sie nur noch das Gleiche mit Antonia machen und der Fall ist in weniger als zwei Stunden gelöst.“ Die Tür öffnete sich wieder und eine junge Frau mit hellblonden Haaren und Pony kam herein. Sie setzte sich auf den Stuhl vor Blake und Adam. „Also, was wollen sie hören?“, fragte Antonia schroff. „Nun, ich möchte lediglich wissen, wieso sie Lisa umgebracht haben“, sagte Adam entspannt. Antonia setzte sich gerade hin und meinte: „Echt jetzt? Ich war es nicht, wie kommen sie darauf?“ „Ihr Freund hat es zugegeben und ich würde ihnen raten es auch zu tun“, entgegnete Adam knapp. Antonia verlor für einen Moment ihre Fassung, fing sich aber schnell wieder: „Das ist ja unerhört!“ „Ja, ich finde es auch unerhört, wenn Menschen ihre besten Freunde so hintergehen“, stimmte Adam ihr locker zu, „also wollen sie es jetzt freiwillig sagen oder muss ich das gleiche wie bei ihrem Freund, auch bei ihnen anwenden? Glauben sie mir, er hat nicht freiwillig geredet.“ Antonia sah ihn geschockt an und sagte dann langsam und bedacht: „Okay, ich habe sie umgebracht, aber Timothy hat mitgemacht. Er hat den Wagen gerammt und eigentlich hatte er vor sie damit zu töten, aber sie starb nicht, also musste ich nachhelfen. Timothy wollte Lisa Geld klauen und dann mit mir fliehen, aber sie hat ihn durchschaut und wir mussten etwas unternehmen.“ Nun lächelte auch Blake und hob nur die Hand und schon kamen zwei Männer herein und führten sie ab. „Tja, ich würde sagen, Fall gelöst!“, lachte Adam und klatschte mit Blake ein. Sie verließen den Verhörraum und gingen zu ihrem Team hinüber. „Ihr habt es geschafft, juhu!“, rief Clair und umarmte Blake. „Gut gemacht und ich nehme an, dass Adam recht hatte“, meinte Greg beleidigt. „Tja Harlo, ich rate ihnen mir das nächste Mal zu glauben“, entgegnete Adam selbstsicher. Er ging zu seinem Schreibtisch und hörte nicht wie Greg hinter seinem Rücken zu Brian flüsterte: „Wieso ist er so? Wo kommt er her, dass er solche Manieren gelernt hat? Weiß er überhaupt wie man freundlich ist?“ „Harlo, fragen sie ihn doch selbst, denn
ich weiß nicht wo er herkommt oder wer er ist. Er hat noch nie jemandem davon erzählt und sobald man über Vergangenheit redet, meldet er sich zwei Tage krank. Glauben sie mir, sie wollen ihn nicht wirklich danach fragen, oder?“, erwiderte Brian kühl. „Ist ja gut, ich lasse es“, gab Greg zurück und setzte sich an seinen Schreibtisch. Währenddessen las Adam einen Bericht nach dem anderen und bald wurde es Abend. Das Büro leerte sich und um 21 Uhr waren nur noch er und Blake da. Sie packte ihre Sachen und wollte gehen, doch als sie Adam sah ging sie zu ihm und fragte: „Wollen sie nicht mal nach Hause? Sie sollten schlafen.“ „Nein, ich gehe noch nicht nach Hause“, meinte Adam und murmelte leise zu sich selbst: „Was soll ich da?“ Er dachte, dass Blake es nicht hörte, doch sie tat es und das ließ sie noch mehr grübeln. Sie wusste nicht, was sie davon halten sollte, doch vor allem fragte sie sich, was so schlimm war, dass er sich nicht einmal nach Hause traute, weil ihn dort Erinnerungen heimsuchten. Blake machte sich Sorgen um ihn, aber sie wollte ihn nicht fragen, denn sie wusste, dass er dazu noch nicht bereit war. Also verließ sie das Büro und fuhr zu ihr nach Hause. Adam blieb noch einige Zeit sitzen bis er keine Berichte mehr sehen konnte und stand auf. Er stieg in sein Auto und fuhr los, doch anstatt nach Hause zu fahren hielt er an einer kleinen Bar am Straßenrand. Das Gebäude bestand aus alten Holzbrettern, die so aussahen, als würden sie gleich zusammenbrechen. Oben auf dem Gebäude drauf stand in großen, schon abblätternden Buchstaben
FREE HOUSE. Adam öffnete die Tür und trat ein. Es war ein recht kleiner Raum mit einer Teke und nur wenigen Stühlen. Es war kein anderer Gast da und der Barkeeper stand gelangweilt am Tresen. Als er Adam bemerkte sah er auf und meinte: „Hi, wie geht’s?“ Adam war oft hier, weshalb er den Barkeeper gut kannte. „Hi, Joe. Mir geht’s ganz okay und dir?“, fragte Adam ihn. „Och ja, du weißt ja wie das ist. Das Geschäft läuft immer schlechter und eigentlich ist dieser Laden nur noch wegen dir geöffnet“, sagte Joe und schenkte Adam einen Charly ein. „Danke“, murmelte Adam und setzte sich, „ich weiß echt nicht was ich ohne dich tun würde. Ich glaube du bist echt mein einziger Freund.“ „Da kann ich mich ja glücklich schätzen“, sagte Joe und lachte. Es war ein fast zahnloses Lachen, denn er hatte nur noch wenige Zähne. Joe schenkte auch sich selbst einen Charly ein und fragte: „Was für einen Mordfall hattest du denn heute wieder?“ „Ein junges Mädchen wurde von ihrem Exfreund von der Straße gedrängt und von ihrer besten Freundin erschossen. Das nenne ich mal Freunde“, lachte Adam halbherzig, „ach, ich muss einfach immer wieder an San Diego zurückdenken. Ich weiß manchmal gar nicht, was ich hier überhaupt will oder was ich von den Menschen will. Ich meine, ich bin grundlos immer genervt und tu so, als ob mir die Menschen alle egal sind, aber das stimmt nicht. Ich traue mich einfach nicht, mich mit ihnen anzufreunden oder meine Gefühle zu zeigen.“ Ihm stiegen Tränen in die Augen, aber Joe meinte nur spaßeshalber: „Zum Beispiel deine Gefühle für diese Frau. Wie hieß sie noch gleich? Ach ja richtig, Blake.“ „Ich hasse dich“, antwortete Adam und schubste Joe zurück, aber auch er lachte. Es gab nur wenige Menschen, die ihn jemals lachen gesehen hatten und eigentlich wollte Adam, dass es auch so blieb. Erst spät in der Nacht verabschiedete Adam sich von Joe und verließ die Bar. Er stieg in sein Auto und fuhr nun endlich nach Hause. Er wohnte in einer mittelgroßen Wohnung am Rande der Stadt, keines der Viertel, in denen man sich nachts allein herumtreiben sollte. Adam stieg langsam die Treppenstufen hinauf bis in den fünften Stock. Er liebte die Aussicht, aber meistens war er zu beschäftigt oder überhaupt zu selten da, um sie zu genießen. Er trat an die Wohnungstür und schloss sie auf. Was er dann sah ließ ihn erschrocken einen Schritt zurückspringen. Am Ende des schmalen Eingangsbereiches stand die Tür offen und gab den Blick auf das Wohnzimmer frei. Adam besaß nur eine Couch und einen Fernseher, doch er sah schon von Weitem, dass etwas nicht stimmte. Die Couch stand nicht mehr an ihrem gewohnten Platz und der Fernseher lag kaputt auf dem Fußboden. Langsam ging Adam durch den Flur und in das Wohnzimmer. Dort wo sonst die Couch stand war nun eine blutrote Zeichnung in Form eines Hais. Daneben lag ein kleiner Zettel auf dem stand:
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