Sie schlug ihm nicht mit der Faust ins Gesicht – sie wies ihm nicht die Tür ...
Sie fühlte nur, wie seine Stimme mit uralter, bekannter Melodie den tödlichen Zauber wieder übte – wie er durch seine Gegenwart, durch seine Person ihre ganze Kraft betäubte. Willenlos saß sie vor ihm und hielt ihm ihre zitternde Seele entgegen, daß er sie marterte, so viel er begehrte.
Er blieb neben ihr stehen, legte seine Hand auf die ihre und blickte sie mit seinen eindringlichen, blauen Augen verlangend an. »– Schickst du mir den Jungen morgen früh an die Bahn? Es ist, wie gesagt, nur ein Versuch.«
»Ein Versuch?« lallte sie mit schwerer Zunge und starren Lippen, »du willst ihn behalten.«
»Ich denke nicht daran, dir das Kind fortzunehmen. Nun – nun – das wird sich ja finden. Jedenfalls kannst du ihn immer sehen, wenn du magst.«
»Nein – ich gebe ihn nicht her«, wollte sie schreien, aber sie konnte nicht, denn sie mußte ihre ganze Lebenskraft aufwenden, um nicht in ein wildes Weinen auszubrechen.
»Jetzt soll der Junge sich ja nur ein wenig zerstreuen ... Lebe wohl, Walborg. Ich hole ihn mir lieber selbst, morgen, nicht wahr? – – Antworte mir doch nur ein Wort?«
Sie nickte geistesabwesend mit dem Kopfe, wie ein Mensch auf der Folterbank auch das Unglaublichste zugibt.
»Dank dir, Walborg. Es ist mir ein rechter Trost, dich so beruhigt und vernünftig gefunden zu haben.«
Der Mann nahm eilig seinen Hut, während er einen mitleidigen Blick über die Frau warf. Er sah, wie etwas in den Zügen ihres Gesichts wühlte, das ihn erinnerte und erschreckte – dem er zu entfliehen wünschte.
Er wollte ihr die Hand reichen, sie riß die ihre jäh zurück. Friedrich zuckte ein wenig die Achseln und ging schnell hinaus.
Walborg fiel schlaff in sich zusammen und starrte in die nächtliche Dämmerung, die grau und fahl das Zimmer zu füllen begann.
– – Es war umsonst gewesen – alles umsonst. Sie war nicht vor ihm gerettet – sie mußte die Qual weiter tragen, ihr Leben lang. –
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