Alles Nötige ist vorhanden: Waschraum und WC, Herd und Backofen, Dunstabzug, Kühlschrank (sehr kalt!) mit großem Gefrierfach, genügend Schränke und Stauraum und schließlich ein besonders geräumiges Alkovenbett mit sonst unüblicher Sitzhöhe.
Der einziger Nachteil ist der fehlende Durchgang zum Fahrerhaus, - und wegen der hohen Ladefläche muss man stets eine fünfstufige Metalltreppe ein- und auch wieder aushängen, wenn die Fahrt weitergeht.
Kapitel 5 Verpflegung/Food
Die Lebenshaltungskosten im gesamten Norden sind sehr hoch, - denn schließlich muss alles erst einmal hier hertransportiert werden – Landwirtschaft ist in diesem Klima nur sehr begrenzt möglich. Je weiter nördlich man reist, umso teurer wird es. Oben in Inuvik oder Tuktoyaktuk - unserem extremsten Reiseziel - kostet zum Beispiel ein Liter Milch umgerechnet drei bis vier Euro (1999)!! Das Trinkwasser wird in immer kleineren Portionen verkauft, was sich auch auf den Preis auswirkt. Daher ist es notwendig, sich im „Süden“ – idealer Weise in Whitehorse – gründlich mit den wesentlichen haltbaren Dingen einzudecken. Frischwaren kann man bei Bedarf immer noch anderswo nachkaufen. Fließ- und Brunnenwasser ist häufig mit dem gefährlichen “Guardia Llambia“ Erreger infiziert; - der ist verantwortlich für einen auszehrenden Durchfall übelster Sorte. Also bunkern wir Doppelgallonen Trinkwasser (eine Gallone entspricht etwa 4 Litern).
Unsere Ernährung besteht überwiegend aus gefrorenem Fisch und Steaks, Eiern, Nudelprodukten, “No-Name“ Gemüsedosen (sehr gut!) und mehrere Lagen H-Joghurt. Um frisches Obst und Gemüse bemühen wir uns zwischendurch.
Frühere Erfahrungen mit dem gefürchteten amerikanischen „Gummibrot“ sind längst überholt: in Supermärkten kann man “Swiss Rolls“ (knusprige weiße Brötchen), “French Bread“ (Baguettes) und “Italian Bread“ (eine Art Ciabatta) bekommen.
Fertiggetränke sind teuer, - wir bereiten literweise Eis- oder Früchtetee aus Pulver.
Dann stellt sich jedes Jahr wieder die Frage nach einer “Fishing License“ ( hier heisst sie: “Angling License“).
Kanada ist wie auch Skandinavien die Heimat der Lachse, aber man benötigt inzwischen auch hier eine spezielle Lachs-Lizenz (2002: 50 Can$). Im August ist jedoch Laich- und Schonzeit für alle in Frage kommenden Leckerbissen.
Eine Alternative bietet die allgemeine Jahres-Angellizenz („2002: 35 Can$ - Tages- Wochen- oder Monatskarten sind im Verhältnis viel zu teuer!).
Damit darf man auch Seeforellen angeln, und die sind mitunter riesig! Über dem Eingang so mancher Tankstelle prangt ein Exemplar von mindestens einem Meter Länge!!
Die Lizenz gilt jedoch nur für Yukon, - in British Columbia oder den Northwest Territories muss man erneut eine Karte kaufen.
Die Bestimmungen sind sehr umfangreich: viele Gewässer gelten als “High Quality Waters“ und unterliegen besonders strengen Regularien, was Fangmenge, Mindestgröße und Fangzeiten betrifft.
Wenn man also keinen reinen Angelurlaub plant oder mehrere Staaten oder Territorien besuchen möchte, lebt es sich viel günstiger mit Supermarkt-Angeboten.
Wie zum Trost fanden wir einmal in Whitehorse zwei große “pink salmons“ für umgerechnet je 3 Euro. In Koteletts zerkleinert und eingefroren belebte dieses Schnäppchen unseren Speiseplan erheblich, und das ganze vier Urlaubswochen lang!
Kapitel 6 Girls on Tour/On the Road again

Endlich ist es soweit: es geht auf die Straße!
Die große Nord-Süd-Achse ist natürlich der berühmte Alaska Highway.
Genau gesagt ist dies der Alaska-Canada Hwy, genannt: “Alcan“.
Beginnend in Kanada (Dawson Creek/British Columbia) führt er komplett und sehr gut asphaltiert 1422 Miles/2288Km (“The Milepost“ und meine Beobachtung für 1999-2005) hoch bis nach Delta Junktion/Alaska (kurz vor Fairbanks). Die Schneise durch den Wald ist bis zu 30 Meter breit zugunsten besserer Sicht gerodet. Auch Tiere schätzen den bequemen Weg, und so kann man während der Fahrt grasende Schwarz- und Braunbären, Karibus, Elche, Wapiti-Hirsche, Rotfüchse und sogar Waldbüffel beobachten. Die Alternative ist der etwas ursprüglichere “Cassiar Highway.“ der - inzwischen auch asphaltiert - weiter westlich 450Miles/724Km durch British Columbia in den Norden führt (“The Milepost“).
Es sind aber die Umwege und Abstecher auf die Nebenstrecken, gerne abseits der üblichen Touristenpfade, die unsere Reisen bisweilen zum Abenteuer machen. Sobald man diese Highways verlässt, weicht der Asphalt einer Schotterdecke. Das Radio empfängt nicht mehr, denn in der Wildnis gibt es kaum Funkmasten.
Einige mitgebrachte CDs für das Autoradio sind empfehlenswert.
Der Grund beidseitig des Weges ist in Tälern und Senken häufig sumpfig - der Permafrostboden erlaubt kein Abfließen des Tauwassers. Die ersten Pioniere, Trapper und Goldsucher konnten das Land nur im Winter durchqueren, wenn alles gefroren war, - im Sommer wären sie nicht von der Stelle gekommen oder gleich versunken.
Immer wieder sahen wir ehemalige Waldbrand-Spuren. Die Durchfahrt eines solchen Areals dauerte einmal mehr als eine Stunde (!) – nur um die Dimensionen anzudeuten!
Zwischen schwarz-verkohlten Stämmen wächst zuerst das weithin leuchtende pinkfarbene “Fireweed“ (Weidenröschen),- ein Unkraut, das auch bei uns an Steinschüttungen und Gleisbaustellen wächst und sozusagen den Untergrund für späteres Pflanzenwachstum vorbereitet. Als Autofahrer wird man auf zahlreichen Schildern gebeten, etwaige Brandherde umgehend zu melden; und als Reisende in der Wildnis zB. des “Dempster Highways“ oder des “Top-of-the-World-Highways“ sahen wir so manche Rauchsäule sich zum Himmel kräuseln.
Kapitel 7 The Milepost
Die Bibel der Westkanada- und Alaskareisenden ist “The Milepost“ für etwa 37 Can$ in Telefonbuchstärke. Auf etwa 700 Seiten werden Meile für Meile (und Kilometer!) detaillierte Straßenzustandsberichte geliefert, alle Gegebenheiten im Verlauf der Fahrt kommentiert und erklärt, Baustellen und schlechte Wegstrecken erwähnt, Campingplätze sowie Hotels und wichtige Adressen wie Tankstellen und Autowerkstätten aufgelistet und Sehenswürdigkeiten empfohlen. Natürlich jährlich aktualisiert.
Dies ist eine wundervolle Informationsquelle über die Tour.
Kapitel 8 Mosquitoalarm!!
Der Wappenvogel von Alaska (und eigentlich des gesamten Nordens), so scherzt man, sei die Mücke … und das aus sehr gutem Grund!
Auch für die Tierwelt bleibt nur die enorm kurze Saison zur Selbstverwirklichung: die Weibchen benötigen Eiweiß für die Eiproduktion - das gilt für alle Mücken auf einmal, und zwar jetzt sofort!!
Besonders in Wassernähe stürzen sich wahre Heerscharen wie Kampfgeschwader auf jedes Fleckchen bloße Haut, - ein erfolgreicher Rundumschlag zur Abwehr ist nicht möglich.
Wer schon Paddelurlaub in Skandinavien gemacht hat, weiß was ich meine!!
Noch unangenehmer aber sind die winzigen Kriebelmücken: “nobody-sees-´em“, die sich durch die Haare hindurch bis auf die Kopfhaut vorarbeiten oder in Nase und Ohren krabbeln und dort „wirken“!
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