Mit Hort und Ganztagesplatz war es machbar. Die Wohnung war nicht immer picobello aufgeräumt und manchmal gab es nur Miracoli, aber insgesamt war die kleine Familie auf einem guten Weg.
Im April 1989, kurz bevor Gabi nach Afrika aufbrechen sollte, erhielt Hannes einen Anruf seines Ex-Schwiegervaters. Gabi war mit einer schweren Depression in die Psychiatrie eingeliefert worden. Diagnose: bipolare, besser bekannt als manisch-depressive Persönlichkeitsstörung mit psychotischen und wahnhaften Symptomen. Sie würde wohl einige Wochen oder gar Monate stationär behandelt werden müssen. Nach Afrika könne sie auf gar keinen Fall. Und er solle den Kindern nichts sagen, das würde sie nur verstören.
Mit einem eigenartigen Gefühl im Magen legte Hannes auf. Ein Schmerz um Gabi, die er einmal geliebt, die ihm seine zwei Kinder geschenkt hatte. Ein plötzliches Verstehen. Die Puzzleteile fielen an ihren Platz. Er besorgte sich eine kurze, populärwissenschaftliche Einführung in die Krankheiten der Psyche und fand Gabi in jeder Zeile wieder, die er über die bipolare Störung las. Hätten sie miteinander leben können, wenn ihre Krankheit erkannt und behandelt worden wäre? Aber diese Gedanken waren müßig. Sie waren geschieden und er verspürte nicht die geringste Neigung, die Beziehung wieder aufzunehmen. Nach weiteren drei Monaten meldete sie sich selbst. Als er ihre Stimme hörte, erschrak er. Sie klang benommen und gedämpft, sprach undeutlich und abgehackt. Sie war dauerhaft krankgeschrieben, konnte nicht in die Schule, musste täglich ihre Psychopharmaka schlucken. War noch in der Psychiatrie, würde dann später bei ihren Eltern unterkommen. Wollte von der Gemeinde nichts mehr wissen, musste sich völlig neu sortieren und überhaupt erst einmal schauen, dass sie wieder auf die Reihe kam. Wollte sich den Kindern in ihrem gegenwärtigen Zustand nicht zumuten; er erzählte ihnen nicht, dass ihre Mutter angerufen hatte.
Trotz dieser bedrückenden Nachrichten begann für Hannes eine gute, ruhige Zeit, manchmal meinte er, es sei die beste Zeit seines Lebens. Nachdem er sich in die neue Rolle als Hausmann und Vater eingelebt hatte und die Kinder mit der Situation gut zurechtkamen, suchte er den Kontakt mit seinen früheren Bandkollegen. Es juckte ihn gewaltig in den Fingern, wieder Musik zu machen. Er stellte die Stratocaster griffbereit auf den Ständer und fing wieder an zu üben. Mike, der Bassist der Thirty-nine Bandits , war verschollen, niemand wusste, wo er abgeblieben war. Aber er erreichte Angie, die Sängerin. Sie sang inzwischen in zwei anderen Bands, weniger kommerziell, Blues und Funk, beide Bands waren mit guten Gitarristen gesegnet. Aber sie wusste von einer Rockband, die einen zweiten Gitarristen suchte. Hannes rief an, spielte vor und wurde engagiert. Die Babysitterin erklärte sich bereit, jeden Donnerstagabend die Kinder ins Bett zu bringen, damit Hannes üben gehen konnte. Bald hatte er mit seiner neuen Band Strawberry Overdose die ersten Auftritte. Sein Status als Gitarrist und Sänger führte fast unvermeidlich zu einigen kleineren, unverbindlichen Affären, eigentlich immer nur ein One-Night-Stand nach einem Auftritt. Er achtete darauf, dass sich nie etwas Festeres daraus ergab. Alles in allem war er mit seinem Leben sehr zufrieden, zeitweise hielt er sich geradezu für glücklich.
Und dann kam eines Tages der Brief von Jeannie.
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