Warum es neue Jahreszeitenelfen gibt, kann ich nur ahnen. Denn sicher ist, auch vor mir gab es den Winter. Und es wird ihn auch nach mir noch geben. Ich denke, es hat mit der Liebe zu tun, die wir für unsere Jahreszeit empfinden. Wenn sie weniger wird oder es einen Menschen gibt, der Sommer, Frühling, Herbst oder Winter mehr liebt als wir es tun, dann kann es sein, dass er oder sie einen unserer Plätze einnimmt. Und so wird eines Tages auch jemand kommen, der den Winter mehr liebt als ich. Was dann mit mir passiert? Ob ich sterbe oder in mein altes Leben zurückkehre, darüber mache ich mir keine Gedanken. Alles was jetzt für mich zählt, ist der Winter.
Mit dem Herbstelfen gehe ich oft Pilze sammeln und Drachensteigen. Er kann so wunderbare Geschichten erzählen, dass wir uns oft bei ihm treffen, an seinem Kamin sitzen und ihm stundenlang zuhören können. Nicht nur der Frühling, der Sommer und ich besuchen ihn dann, auch der Nordwind, die kleinen Blumenelfen, der Fliederduft oder die Rosenelfe kommen zu ihm und beschenken ihn mit ihren Gaben. So ist der Herbst für alle die Zeit der Ernte und des Schenkens. Und wenn er seinen Tanz beginnt, sind viele von uns da, um ihm dabei zuzusehen. Ganz anders als beim Sommer, der es nicht mag, wenn er beim Tanzen Gäste hat. Doch er weiß, dass ich seinen Tanz liebe und manchmal lässt er mich für eine Weile daran teilhaben. Einmal haben wir den Sommertanz für ein paar Schritte gemeinsam getanzt. Dieser Sommer blieb uns allen in Erinnerung als der Sommer der weißen Blüten und Früchte. Es war ein schöner und ungewöhnlicher Sommer, aber seitdem haben wir nie wieder einen Jahreszeitentanz zusammen getanzt. Dafür tanze ich um so mehr mit dem Frühling und dem Herbst und im Winter auch manchmal mit den Schneeelfen. Aber dann muss ich sehr vorsichtig sein, weil ich sonst Schneestürme verursache, denen niemand gewachsen ist und auf die sich niemand vorbereiten kann.
Wenn ich durch den Schnee gehe, spüre ich seine Kälte genauso wenig, wie die Hitze des Sommers. Auf meiner Haut sind die Berührungen der Schneeflocken und Eiskristalle warm und angenehm. Ich brauche keinen Mantel und keine Stiefel, um der Kälte zu trotzen, da ich sie mit mir bringe, wo immer ich auch hingehe. So kann man auch im Sommer Spuren des Winters entdecken, in klaren eiskalten Gebirgsbächen oder auf kühlen schattigen Flecken im Wald. Und während wir im Sommer ein Fest nach dem anderen feiern und ich froh bin, dass mir Sonne und Hitze nichts ausmachen, bekomme ich im Winter nur selten Besuch. Im Winter versammeln sich alle, auch die Menschen, vor ihren Kaminen, denken an das vergangene Jahr und machen Pläne für das Kommende. Und viele sind froh, dass sie nicht hinaus müssen in die Kälte. Trotzdem gibt es einige, die sich auf den Winter freuen. Vor allem die Kinder haben Spaß wenn es schneit und sie der Schnee einlädt zum Rodeln und zum Schneemann bauen. Und manch eines von ihnen hat ganz unverhofft einen kleinen Schneeball von mir abbekommen und so eine wilde Schneeballschlacht begonnen.
Für mich ist der Winter noch immer die schönste Jahreszeit von allen und ich hoffe, dass ich noch viele Jahre die Elfe des Winters sein werde. Wer weiß schon, was die ferne Zukunft bringt. Im Moment mahnt mich mein Kalender, dass es an der Zeit ist, den Winter in einen kleinen Ort in den Bergen zu bringen, da bleibt mir keine Zeit mehr, darüber nachzudenken.
Vielleicht siehst du mich einmal in einer sternenklaren Herbstnacht den Wintertanz tanzen oder zum Jahreswechsel über schneebedeckte Wiesen laufen. Dann zögere nicht und komme zu mir, wenn du den Mut hast. Ich habe noch so viel zu erzählen.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.