Dann, endlich, übermannt den Sklaven die natürliche Überlegenheit der im Schein dutzender sorgsam aufgestellter Kerzen verführerisch glänzenden Weiblichkeit. Ohne weitere Umschweife wirft er sich vor seiner Göttin auf die Knie und übersät die High-Heels seiner Angebeteten mit lustvollen, feuchten Küssen.
„So ist es brav Sklave“, kommentiert die Domina alsbald schmunzelnd das Geschehen. Ihre Worte sind ein Hauch, und doch liegt ein eiskalter Unterton darin, der jedweden Widerspruch bereits im Keime erstickt.
Eine Weile steht die Frau einfach da. Den Blick zum Diener hinab gerichtet, welcher immer noch damit beschäftigt ist, sie gebührend zu begrüßen. Dann aber, ergreift ihre linke Hand plötzlich einen - auf einem kleinen Tischchen direkt neben dem Eingang - bereitgelegten Gegenstand. Sie grinst breit.
Mit einem ruhigen:“Kopf hoch, Sklave“, gibt sie ihrem Untergebenen sodann routiniert zu verstehen, er möge den Kopf heben. Der Sklave gehorcht prompt, worauf sie ihm gekonnt ein glitzerndes Hundehalsband um den Hals legt und selbiges anschließend mit einer Leine verbindet, welche ebenfalls bereits im Vorfeld auf dem kleinen Tisch für sie bereit gelegt worden war.
Mit einem kleinen Ruck an der Leine, gibt die Göttin ihrem Sklaven anschließend zu verstehen, ihr auf allen Vieren zu folgen. Ohne weitere Worte begeben sich Herrin und Sklave sodann in das Studio, wo sie sich nach allen Regeln der Kunst an ihm vergeht.
So, oder zumindest so ähnlich, läuft es in den Köpfen der meisten Männer ab, stellen sie sich vor, wie ich neue Kundschaft in meinem Studio empfange. In Wahrheit aber, beginnt der erste Besuch in meinem Studio ganz anders, als viele dort draußen sich das vielleicht vorstellen mögen.
Niemand kniet unbekannter weise bereits vor meiner Türe nieder. Niemand küsst einfach so meine Stiefel oder Heels, es sei denn, es wurde ihm oder ihr von meiner Seite vorher ausdrücklich befohlen bzw. erlaubt!
In Wahrheit laufen die ersten Minuten einer solchen Begegnung immer auf Augenhöhe und mit einem gehörigen Schuss Menschlichkeit ab. Im Normalfall ist der Kunde nämlich überaus nervös und stand zuweilen gar bereits unschlüssig einige Minuten auf dem Bürgersteig, bevor er oder sie sich endlich ein Herz fassten und klingelten.
Diese Nervosität gilt es also, ihm oder ihr so weit als möglich im Vorgespräch zu nehmen, denn auch von meiner Seite ist ein Erstbesuch eine echte Herausforderung. Gilt es doch, mein Gegenüber schnellstmöglich wenigstens in so weit kennen zu lernen, wie es meine Tätigkeit als Domina nun einmal erfordert.
Ein Kunde, welcher sich in der fremden Umgebung gut aufgehoben und sicher fühlt, wird zumeist weniger Hemmungen haben, einer - zu diesem Zeitpunkt für ihn noch ebenso fremden - Frau von seinen geheimen Wünschen und Veranlagungen zu berichten. Das muss er nämlich, schließlich soll es in der folgenden Stunde bzw. den folgenden Stunden doch darum gehen, hierauf einzugehen, statt irgendein Standartprogramm abzuspulen, ohne den Menschen am anderen Ende der Peitsche dabei zu berücksichtigen.
Im Grunde gibt es drei Kategorien, welche die Besucher meines Hauses grundlegend recht treffend charakterisieren: Den Neuling, den Egoisten und den Devoten, selbstredend auch in seiner jeweils weiblicher Form.
Während der Egoist ganz genau weiß, was sein Glöckchen zum klingeln bringt, und dies als reine Dienstleistung auch ohne Umschweife fordert, ist der Neuling zumeist nicht nur unsicher im Umgang mit mir, sondern auch darin, was die eigenen Wünsche und Veranlagungen angeht.
Zumeist hat er neben dem, was heutzutage als Sadomasochismus im Internet kursiert, keinerlei reale SM Erfahrung, was es mir selbstredend erschwert, ihn und seine Person richtig einzuschätzen. Andererseits ist es aber auch überaus reizvoll, die ersten Striche auf einer weißen Leinwand zu setzen und das Leuchten in den Augen zu sehen, wenn sich lang verborgene Träume endlich erfüllen.
Eine dritte Kategorie von Kunden, welche ich eben bereits als „den Devoten“ bezeichnet hatte, bilden solche Menschen, denen es im Grunde mehr darum geht, der Domina zu dienen, als irgendwelche speziellen Praktiken zu erleben.
Diese Menschen suchen oft seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten nach einer dominanten Dame, welcher sie in einer Beziehung gehören dürfen, und nutzen den Besuch im Dominastudio daher eher als eine Art Ventil, wenn der Leidensdruck der unerfüllten Veranlagung einfach wieder einmal zu groß wird.
Viele dieser Kunden bleiben mir seit Jahren treu. Die Meisten von ihnen sehen sich als meine Sklaven und mich als ihre Herrin, und zwar auch dann, wenn wir uns nicht gerade in den Räumlichkeiten meines Studios befinden.
In den folgenden Kapiteln soll es um den ersten Besuch von Sklave Jens bei mir gehen, einem meiner treuesten devoten Sklaven, dessen erste Kontaktaufnahme für mich auch heute noch als eine Art Blaupause für einen gelungenen Erstbesuch gilt. Den Namen des Sklaven habe ich selbstverständlich geändert. Diskretion ist in meinem Gewerbe schließlich oberste Pflicht!
Bereits im Vorgespräch offenbarte sich mir, was sich später in einer jahrelangen Beziehung mit meinem Diener immer und immer wieder bestätigen sollte: Jens ist ein Sklave.
Natürlich ist er das, werden Sie jetzt vielleicht denken, meine lieben Leserinnen und Leser. Schließlich sucht er eine Domina in ihrem Studio auf, aber so ist meine Aussage ihn betreffend nicht gemeint.
Was ich hingegen meine, und was sich mir bei Sklave Jens bereits in den ersten Minuten unseres Kennenlernens offenbarte, das ist jene natürliche Veranlagung, welche mache Männer dermaßen in Abhängigkeit von der Zufriedenstellung einer Frau setzt, dass sie am liebsten ihr gesamtes Leben danach ausrichten würden.
Für eine Stunde den Sklaven spielen? Für viele ist dies nur ein Mittel zum Zweck, die eigene Befriedigung zu erlangen. Sie küssen meine Stiefel, weil es sie geil macht und sie sich am Ende unseres - zugegebener Maßen finanziell für mich sehr reizvollen - Beisammenseins einen zünftigen Orgasmus erwarten.
Andere sind Masochisten. Ihre Sehnsucht gilt allein dem Schmerz. Sei es, weil sie derart sexuelle Befriedigung intensiver erleben können, oder gar, weil Schmerz für sie sexuelle Befriedigung darstellt. Manche bevorzugen in diesem Zusammenhang auch den emotionalen Schmerz, genießen es also, erniedrigt und gedemütigt zu werden, auch das ist in der Szene weit verbreitet.
Karl war anders, irgendwie selbstlos. Alles, was er bei unserem ersten Beisammensein vor der Session an Vorstellungen von dem hatte, was gleich mit ihm zu veranstalten wäre, war im Grunde komplett auf mich fixiert.
„Ich möchte gerne ihr Sklave sein und sie glücklich machen, Lady Saskia“, war beinahe alles, was er im Vorgespräch über die Lippen brachte. Keine Vorlieben, keine Tabus, geschweige denn überhaupt eine Ahnung von den Möglichkeiten, oder Erfahrungen aus dem weiten Feld des BDSM. Ich war damals gerade einmal seit ein paar Tagen Eigentümerin meines eigenen Studios, arbeitete ich auch bereits einige Jahre als Professionelle. Das fing ja gut an!
Ich war verblüfft. Einerseits reizte es mich von Beginn an, mein Gegenüber in eine Welt eintauchen zu lassen, in welcher ich völlig frei und nach meinen Gefühlen führen konnte. Andererseits birgt gerade diese Unerfahrenheit des Sklaven selbstredend die Gefahr, zu weit zu gehen und den Neuling derart unbemerkt zu überfordern.
Um überhaupt einen Anhaltspunkt zu haben, ließ ich den Sklaven meinen Neigungsfragebogen im Multiple-Choice Stil ausfüllen, aber mehr als einige Dutzend Kreuze, jeweils im Kästchen „möglich“ direkt hinter den jeweiligen Praktiken, kam auch hierbei nicht heraus.
Immerhin: Natursekt und Kaviar, also Urin und Kot, das überstieg die Vorstellungskraft dieses - bei unserer ersten Begegnung gerade einmal 26 Jahre alten - Sklaven, sonst aber schien es für ihn keine weiteren Tabus zu geben.
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