Ben Bova - Asteroidenfeuer

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Die nicht allzu ferne Zukunft: Martin Humphries, Erbe des milliardenschweren Humphries Trust, wähnt sich auf der Höhe seiner Macht. Er lebt in einer luxuriösen Idylle auf dem Mond, die er zu einer uneinnehmbaren Festung ausgebaut hat, und ein Asteroid nach dem anderen fällt ihm zu, so dass er seine Macht und sein Monopol in der Raumfahrt immer weiter ausbauen kann. Seinen Rivalen Lars Fuchs hat er nicht nur ausgeschaltet, sondern auch gedemütigt, indem er ihm seine Frau Amanda genommen und geheiratet hat. Sie bringt den ersehnten Sohn und Erben zur Welt. Doch noch immer genügt ihm das nicht: Er will Lars Fuchs beseitigt haben und hetzt einen bezahlten Killer auf ihn, der sich im Asteroidengürtel auf die Lauer legt. Aber Humphries ahnt nicht, dass ihm längst ein viel gefährlicherer Gegner erwachsen ist …
Mit diesem Buch beendet Ben Bova die faszinierende Geschichte, die mit »Der Asteroidenkrieg« begann und in »Asteroidensturm« fortgesetzt wurde.

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Er torkelte zur Toilette und spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht. Die Wirkung der Drogen lässt nach, sagte er sich. Ihre Wirkung lässt überhaupt immer schneller nach. Ich muss eine Medikamententoleranz entwickeln. Das muss ich den Medizinern sagen, wenn wir in Vesta sind. Ich brauche etwas Stärkeres mit längerer Wirkung.

Er warf sich aufs Bett und schloss die Augen. Schlaf, sagte er sich. Ich muss schlafen. Ohne Träume. Nicht träumen. Bitte lass mich nicht träumen.

Doug Stavenger gestattete weder Pancho noch Humphries, sein Wohnzimmer zu verlassen. Sie saßen dort und verfolgten seine verzweifelten Versuche, Kontakt mit seiner Frau bei Ceres wiederherzustellen.

Pancho bot ihm sämtliche Kapazitäten der Astro Corporation an. Sie konsultierte ihren Palm top und sagte Stavenger: »Wir haben drei Schiffe bei Ceres geparkt. Ich habe sie angewiesen, mir zu berichten, was da los ist.«

»Das wird mindestens eine Stunde dauern«, sagte Stavenger. Pancho zuckte die Achseln. »Es ist mir leider nicht möglich, den Vorgang zu beschleunigen.«

Humphries saß derweil stumm auf der Couch und verfolgte jede Bewegung und jede Geste von Stavenger. Pancho hatte nur Verachtung für den Mann übrig … und einen Hauch von Mitleid. Doug wird Humphries töten, wenn seiner Frau etwas zustößt, sagte sie sich. Dann nützt ihm auch sein ganzes Geld nichts mehr. Doug wird ihn in der Luft zerreißen.

Also warteten sie, während Stavenger dringende, verzweifelte Nachrichten an jedes Schiff im Gürtel schickte. Humphries saß schreckerstarrt da, und Pancho zerbrach sich den Kopf über die Situation — sie ließ die bisherigen Geschehnisse Revue passieren, versuchte sich an jede Einzelheit zu erinnern und rekonstruierte die Kette der Ereignisse, die zu diesem Ort, diesem Moment, diesem Kulminationspunkt in der Raumzeit geführt hatten.

»Wir sind noch nicht vollzählig«, sagte sie schließlich.

Stavenger fror die Abbildung auf dem Wandbildschirm ein und drehte sich zu ihr um. Er war offensichtlich ungehalten wegen der Unterbrechung.

»Yamagata«, fuhr Pancho trotz seiner Verärgerung fort. »Nobuhiko Yamagata sollte hier sein, wenn Sie diesen Krieg beenden wollen.«

Humphries rührte sich wieder. »Nur weil sein Konzern Söldner bereitstellt …«

»Er steckt hinter der ganzen Sache«, sagte Pancho mit Nachdruck.

Stavenger widmete ihr nun seine volle Aufmerksamkeit. »Was wollen Sie damit sagen?«

»Yamagata ist der Finanzier des Nairobi-Stützpunkts am Südpol«, sagte Pancho. »Er vermietet Söldner sowohl an Astro als auch an HSS.«

»Ja?«

Sie wies mit einem spitzen Finger auf Humphries. »Sie sagen, dass Sie mit diesem Seilbahnunfall nichts zu tun hätten?«

»Habe ich nicht«, sagte Humphries.

»Wer sonst hätte es dann tun sollen? Wer ist der lachende Dritte, während Sie und ich uns gegenseitig fertig machen? Wer steht zur Übernahme bereit, wenn Astro und HSS schließlich bankrott sind?«

»Yamagata«, sagte Humphries atemlos.

»Yamagata?«, fragte Stavenger, als hätte er sich verhört. Er wollte es noch immer nicht glauben.

»Yamagata«, bekräftigte Pancho.

Stavenger drehte sich wieder zum Wandbildschirm um. »Telefon, verbinde mich mit Nobuhiko Yamagata. Höchste Priorität.«

Leeza Chaptal steckte wieder im Raumanzug, doch diesmal war er gut eingeölt. Dennoch zitterte sie, als die l.uftschleusenluke aufschwang.

Die metallene Auskleidung des kreisförmigen Schachts war offenbar fast bis auf Augenhöhe zerfressen. Aber nicht weiter, wie sie sah. In den zwölf Stunden, seit sie zuletzt im Schacht gewesen war, hatten die Nanomaschinen sich nur einen Meter oder so tiefer heruntergefressen.

»Ich glaube, dass sie angehalten haben«, sagte sie ins Helmmikrofon.

»Woher wollen Sie das so genau wissen?«, ertönte die Antwort in den Ohrhörern.

Leeza machte den Handlaser vom Koppelgürtel los. »Ich werde eine Markierungslinie ziehen«, sagte sie und betätigte den Schalter des Lasers. Ein dünner, ungleichmäßiger Strich brannte sich in den Stahlüberzug. Sie wurde sich bewusst, dass ihre Hände stark zitterten.

»Okay«, sagte sie, zog sich rückwärts durch die Luke zurück und schob sie zu. »Ich werde in einer Stunde wieder herkommen und schauen, ob sie sich an der Markierung vorbeigefressen haben.«

Sie stapfte im klobigen Anzug zur nächsten Luke zurück und schlug dagegen. »Den Tunnel mit Luft füllen und öffnen«, befahl sie. »Ich muss mal für kleine Mädchen.«

»Sie ziehen ab«, sagte Edith.

Sie stand noch immer mit dem Kapitän und Big George auf der Brücke der Elsinore und sah, wie das Schiff, das das Habitat zerstört hatte, sich mit hoher Beschleunigung aus diesem Gebiet zurückzog und mit weiß glühenden Raketendüsen in der ewigen Dunkelheit untertauchte.

»Sie verschwinden vom Schauplatz des Verbrechens«, sagte der Kapitän.

George sagte nichts, doch Edith sah den lodernden Zorn in seinen Augen. Plötzlich schüttelte er sich wie jemand, der aus einer Trance erwachte. Oder aus einem Albtraum.

Er ging zur Luke.

»Wohin gehen Sie?«, fragte der Kapitän.

»Zur Luftschleuse«, erwiderte George über die Schulter und quetschte seinen massigen Körper durch die Luke. »Ich brauche einen Raumanzug. Muss nachschauen, ob in Chrysallis noch jemand am Leben ist.«

Edith wusste, dass es keine Überlebenden geben konnte. Aber George hat Recht, sagte sie sich. Wir müssen uns zumindest vergewissern.

Und dann wandte sie sich auch zum Gehen. Sie begriff, dass sie diese Katastrophe, dieses Massaker dokumentieren musste. Ich muss alles aufnehmen, damit die ganze menschliche Rasse sieht, was hier geschehen ist.

Selene: Friedenskonferenz

Drei Tage nach dem Chrysallis -Massaker fand eine Konferenz in Doug Stavengers persönlichem Büro statt — oben in der Turmsuite, in der Selenes Regierungsmitglieder und Bürokraten residierten. Das kleine, private Büro glich nun einem Hochsicherheitstrakt.

Es saßen nur vier Menschen am runden Tisch in der Mitte des Büros: Pancho, Humphries, Nobuhiko Yamagata und Douglas Stavenger. Keine Adjutanten, keine Assistenten, keine Nachrichtenreporter oder sonst jemand. Sicherheitsbeamte von Selene waren vor der Tür postiert und patrouillierten in den Korridoren. Der ganze Trakt war nach Abhörgeräten untersucht worden.

Nachdem die vier Platz genommen hatten, eröffnete Stavenger die Sitzung: »Diese Unterredung unterliegt der höchsten Geheimhaltungsstufe. Nur wir vier werden wissen, was hier gesprochen wurde.«

Die anderen nickten.

»Niemand von uns wird diesen Raum verlassen, bis wir eine Vereinbarung zur Beendigung dieses Kriegs getroffen haben«, ergänzte Stavenger mit todernstem Gesicht. »Es werden keine Sonderkonditionen gewährt und keine Ausflüchte akzeptiert. Hinter dieser Tür ist eine Toilette«, sagte er und wies in die entsprechende Richtung, »aber der einzige Weg nach draußen ist durch die Tür zum Gang. Und es wird niemand gehen, bis ich mir sicher bin, dass wir eine verbindliche Übereinkunft erzielt haben.«

»Was gibt Ihnen eigentlich das Recht …«, echauffierte Humphries sich.

»Mehrere tausend Tote, die im Asteroidengürtel verstreut sind«, sagte Stavenger schroff. »Ich bin ihr Sachwalter. Sie werden entweder mit diesem verdammten Krieg aufhören, oder Sie werden hier an diesem Tisch verhungern. Es gibt keine dritte Option.«

Yamagata lächelte unbehaglich. »Ich bin auf Ihr Ersuchen und aus freien Stücken hier erschienen, Mr. Stavenger. Das ist keine Art und Weise, einen Gast zu behandeln.«

Stavenger wies in Panchos Richtung und erwiderte: »Ms. Lane war doch auch Ihr Gast in der Nairobi-Basis im Shackleton-Krater, nicht wahr? Und Sie hätten sie, verdammt noch mal, fast getötet.«

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