Er konnte das Flüstern in der Menge hören. Lass sie flüstern. Er war jetzt ihr König. Was sie dachten, war ihm egal.
“Aber sie war dennoch stark”, sagte Rupert. „Dank ihr, haben Sie alle überhaupt ein Land. Dank ihr wurden Betrüger des Landes verwiesen und die Magie wurde unterdrückt.
Ein Gedanke kam ihm.
“Ich werde genauso stark sein. Ich werde tun, was nötig ist.“
Er ging zum Sarg und nahm die Krone. Er dachte darüber nach, was Angelica über die Vereinigung der Adligen gesagt hatte, als wenn Rupert ihre Erlaubnis bräuchte. Er nahm sie und setzte sie auf seinen eigenen Kopf und ignorierte das Keuchen der anderen dort.
„Wir werden meine Mutter als die Person beerdigen, die sie war“, sagte Rupert, „nicht mit ihren Lügen! Ich befehle das als ihr König!“
Angelica stand auf, eilte zu ihm und nahm seine Hand. „Rupert, geht’s dir gut?“
„Mir geht’s gut“, erwiderte er. Ein weiterer Einfall kam ihm und er schaute in die Menge. „Ihr alle kennt Milady d’Angelica“, sagte Rupert. „Ich habe eine Ankündigung für sie. Heute Abend werde ich sie zur Frau nehmen. Ihr müsst alle kommen. Jeder, der das nicht tut, wird dafür gehängt.”
Dieses Mal gab es kein Keuchen. Vielleicht konnten sie nicht länger schockiert sein. Vielleicht hatten sie es überwunden. Rupert ging hinüber zum Sarg.
„Da Mutter“, sagte er. “Ich habe deine Krone. Ich werde heiraten und morgen werde ich dein Königreich retten. Ist das ausreichend für dich? Ja?“
Ein Teil von Rupert erwartete eine Antwort, ein Zeichen. Es kam nichts. Nichts außer der Stille der ihn ansehenden Menge und die tiefe Schuld, die sich immer noch durch ihn wand.
Vom Balkon eines Hauses in Carrick schaute der Krähenmeister den sich sammelnden Armeen zu, in dem er durch die Augen einer seiner Kreaturen schaute. Er lächelte dabei, ein Gefühl von Zufriedenheit kam über ihn.
„Die Teile sind an Ort und Stelle“, sagte er, während seine Krähen ihm die Ansammlung der Schiffe zeigten und die Verteidiger, die sich beeilten, Barrikaden zu errichten. „Jetzt schaut zu, wie sie fallen.“
Der blutrote Sonnenuntergang passte zu seiner Stimmung, so wie die Schreie, die von dem Hof unter seinem Balkon kamen. Die täglichen Hinrichtungen schritten zügig voran: zwei Männer waren beim Fliehen erwischt worden, ein Möchtegern Dieb, eine Frau, die ihren Mann erstochen hatte. Sie standen angebunden am Pfosten, während die Hinrichter mit Schwertern und Garrottenseilen arbeiten.
Die Krähen fielen auf sie herab. Es gab wahrscheinlich welche, die dachten, dass er die Gewalt in solchen Momenten genoss. Die Wahrheit war, dass es ihm egal war; nur die Macht, welche solche Tötungen seinen Haustieren brachte, zählte.
Der Krähenmeister schaute sich die Kommandanten an, die auf seine Anweisungen warteten und schauten, ob jemand zuckte oder bei den Szenen unten wegschaute. Die meisten taten das nicht, denn sie hatten gelernt, was von ihnen erwartet wurde. Ein junger Beamter schluckte dennoch, als er zuschaute. Er würde wahrscheinlich beobachtet werden müssen.
Für einen Moment oder zwei, glitt die Aufmerksamkeit des Krähenmeisters zurück zu den Kreaturen, die über Ashton kreisten. Als sie herumwirbelten und Kreise zogen, zeigten sie ihm die Ausbreitung der voranschreitenden Flotte an und die Verzweigungskraft, die weiter oben an der Küste landen wollte. Ein Turm auf einer Stadtmauer zeigte ihm eine Gruppe von Ishjemme-Männern in Handelsklamotten, die am Fluss eine verborgene Waffentruhe öffneten. Ein Rabe in der Nähe des Stadtfriedhofs hörte Männer davon sprechen, wie sie sich zurückziehen sollten, wenn der Angriff kam und die Adligen sich selbst der Verteidigung überlassen sollten.
Es schien, wie eine Kombination, die seine Haustiere hungrig hinterlassen würde. Das konnte er nicht gebrauchen. „Wir haben eine Aufgabe auszuführen“, sagte er zu den wartenden Männern, als er seine Aufmerksamkeit wieder zu sich selbst gebracht hatte. „Folgt mir.“
Er führte sie durch das Haus und nahm es als selbstverständlich an, dass die anderen folgen würden. Diener wichen eilig aus, eifrig nicht im Weg von so vielen mächtigen Männern zu stehen, während sie hinunterstiegen. Der Krähenmeister konnte ihre Feindseligkeit und ihre Angst fühlen, aber das machte nichts. Es war nur die unverweigerliche Konsequenz des Herrschens.
Im Hof waren die Schreie still geworden, auf eine Art, die nur der Tod bringen konnte. Sogar die ruhigsten der lebenden Kreaturen hatten das weiche Geräusch des Atems, das flatternde Schlagen eines Herzens. Jetzt war nur noch das Krächzen der Krähen zu hören, das durch die Stille schnitt, während die Körper schwach an den Pfosten hingen.
„Ordnung muss gehalten werden“, sagte der Krähenmeister und schaute zu einem Beamten, der ein Flackern an Abneigung gezeigt hatte. „Wir sind eine Maschine, die aus vielen Teilen besteht und jeder muss seine Rolle spielen. Jetzt, da sie ihre Grenzen überschritten haben, besteht die Aufgabe dieser Drei darin, die Aasvögel zu füttern.“
Diese flogen jetzt in größerer Anzahl hinunter, setzten sich auf die kürzlich still gewordenen Leichen und begannen zu fressen. Der Krähenmeister konnte bereits die Macht spüren, die von den Toten in seine Herde floss, zusammen mit den Hundert weiteren, die sich im Reich der neuen Armee ausgebreitet hatten. Es gab sogar ein paar seiner Vögel, die im Königreich der Witwe fraßen.
“Es ist Zeit einen Daumen auf die Waage zu legen”, sagte er und zog an der Macht und fuhr gedanklich silberne Linien der Konsequenzen in seinem Gedächtnis nach. Jede stellte eine Möglichkeit dar, eine Wahl. Der Krähenmeister konnte nicht wissen, welche davon eintreten würde; er war nicht die Frau vom Brunnen oder einer der Hellseher. Er konnte jedoch genug sehen, um zu wissen, wo er Einfluss ausüben musste. Wo er auf die Wirkungen, die er wollte, drängen konnte. Er griff nach den herumfliegenden Vögeln um Ashton. Seine Gedanken gingen zur Stelle zurück, wo ein paar gut platzierte Wörter vielleicht am meisten helfen konnten und Krähen aller Arten vom Himmel kamen, um sie zu krächzen.
Ein Rabe landete auf seinen Befehl hin in der Nähe des Kommandanten von Ashtons Stadtwache und schwarze Augen starrten zu ihm hoch.
“Nordländer auf dem Fluss”, krächzte es, als der Krähenmeister die Wörter aussprach. “Nordländer auf dem Fluss verkleidet als Händler.”
Er wollte nicht warten, um den Schock des Mannes zu sehen, der versuchte zu verstehen, was passierte. Stattdessen wandte der Krähenmeister seine Aufmerksamkeit einem Turm auf dem Friedhof zu, er ließ eine Krähe auf einem Grabstein in der Nähe der Möchtegernverschwörer landen, der plante zu fliehen.
„Sei mutig“, krächzte die Krähe. „Du wirst beobachtet.“
Um das auszugleichen, schickte er einen weiteren Vogel zu einem Mann an einem der Hauptwände und ließ ihn Vorboten des Todes krächzen. Er säte Mut und Feigheit, gab Wahrheiten bekannt und erzählte Lügen, verwebte alles in einem Fluch von bekannten und halb unbekannten Dingen.
Nicht alle der Vögel waren erfolgreich. Er schickte einen schwarzen Vogel zu Prinz Ruperts Fenster, nur um es versperrt zu finden. Er schickte eine Krähe in Richtung der Schiffe, die am Hafen warteten, ließ ihn niedrig über Ishjemmes Flagge kreisen, nur um seine Aufmerksamkeit dem Anblick eines jungen Mannes zu widmen, der hochschaute. Der Krähenmeister kannte den jungen Mann. Er war derjenigen, der in Ishjemme ein Schwert in ihn gestoßen hatte. Er starrte jetzt hoch zum Vogel und seine Hand glitt zu seinem Gürtel und zog schon fast unmenschlich schnell eine Pistole…
“Verdammt”, knurrte der Krähenmeister, als er seine Aufmerksamkeit gerade noch rechtzeitig vom Vogel abwandte.
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