„Hast du eine Familie, Martha?“, fragte er sie unvermittelt. Der Sänger bemerkte erst jetzt, wie geschmackvoll sich die Frau trotz des hektischen Aufbruches gekleidet hatte. Die Farbkomposition aus ihrer dezent grauen Flanelljacke, dem zarten Rosa ihrer Bluse und dem Hellblau ihrer verwaschenen Jeans gefielen ihm. „Nein“, erwiderte sie, „meine Eltern sind seit Jahren tot, aber sie waren ineinander ver- und haben ihr Kind geliebt. Die Grossmutter väterlicherseits, die mir viel bedeutet hat, war eine einfache und warmherzige Person. Die Grossmutter väterlicherseits war adeliger Herkunft, mit einem Nazi verheiratet und hat den Freitod gewählt.“ „Das tut mir leid“, sagte Aaron. Schweigend lief das Paar an den backsteinroten, einhundertjährigen Wohngebäuden im Village entlang, welches so gar nichts Weltstädtisches an sich hatte. Es genoss seine frühherbstlich bunten, liebevoll gepflegten Vorgärten vor den Treppeneingängen, bis die beiden von drei lautstarken Jugendlichen aus ihrer Spazieridylle gerissen wurden. „Verkaufst du mir deine scharfe Schlaghose, Daddy?“ Ein weisser Rapper im Ringelhemd, seine Wollmütze tief in das Gesicht gezogen und auf Skateboards balancierend, machte den Sänger an. „Entweder du bekommst von mir eins in die Schnauze oder du erhältst für zwei Dollar eine Gesangsprobe gratis!“ Seine Begleiter - ein junges, farbiges Pärchen - stimmte in den rhythmischen Sprechgesang des Rappers ein:
Du glaubst wohl, du bist etwas Besseres/ich sage dir, du bist ein armer Teufel/du kommst in deinem geilen Cadillac daher/klimperst mit deiner goldenen Kette/doch ich schlage dir die Nase blau/und jage dich in die öde Steppe/da sitzt du nun einsam in der Falle/hast Hunger, schreist und fluchst/aber niemand kommt in einem Cadillac/um dir zu helfen in der Not/frisst du am Ende die Kakteen und deine goldene Kette.
„Well“, klatschte Aaron Beifall, „der Blues fliesst nicht in euren Adern, aber Kreativität sollte belohnt werden.“ Er zog einige Geldscheine aus seiner Tasche. „Ihr müsst wissen, Kids, noch vor wenigen Jahren war ich wirklich >evil<. Ein Knackarsch in Lederhose.“ Amüsiert betrachtete der Sänger die gepiercte Oberlippe des Mädchens. „Kannst du damit küssen?“, fragte er betroffen.
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