Clemens Setz - Die Frequenzen

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Walter und Alexander waren Freunde, als sie noch Kinder waren — nun kreuzen sich ihre Wege wieder
Dies ist die Geschichte von Walter, dem Sohn eines Architekten mit Einfluss. Er will Schauspieler werden — oder will es nur sein Vater? Walter bekommt seine Chance, als ihn Valerie, eine Psychotherapeutin, die bessere Tage gesehen hat, engagiert, um in Gruppensitzungen fiktive Patientenrollen zu spielen. Doch er geht zu sehr in seiner Rolle auf.
Dies ist die Gechichte von Alexander. Er ist Altenpfleger, ein junger Mann mit ausufernder Phantasie, die sich im Schatten einer einsamen Kindheit entwickelt hat. Alexander kündigt seinen Job, und er will seine Freundin loswerden, um mit Valerie zusammenzuleben. Doch die wird eines Tages brutal zusammengeschlagen…
Nach "Söhne und Planeten", seinem Debüt, das ihm einhelliges Lob der Kritik einbrachte, legt Clemens J. Setz ein Werk vor, das alle Erwartungen sprengt: atemberaubend kraftvoll, bunt, sprachgewaltig und zart.

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Ihr Make-up brachte ihre Tränen mitten auf der Wange zum Stillstand, wie Wachstropfen auf einer brennenden Kerze.

— Aber was hab ich denn –

— Du bist verliebt! Das sieht ja sogar ein Blinder. Erzähl mir nichts.

Wieder verbarg sie ihr Gesicht hinter ihren zu kleinen Händen.

— Idiot, sagte sie leise. Verdammter Idiot.

Der alte Tragödiendichter überspringt ein paar Seiten. Mit dem Daumen, den er sich vorher in den Mund gesteckt hat, blättert er weiter. Sein Mund bleibt offen, die Unterlippe hängt rot herunter, wie die Zunge einer alten Katze .

Also, der Mann, sagt er, während er blättert, der Mann trifft sich also mit dieser viel älteren Frau, wovon seine Freundin natürlich weiß. Der Mann bleibt sehr lange weg. Und er trifft die ältere Frau nach einem ziemlich lächerlichen Vortrag, den sie irgendwo gehalten hat .

Der Dichter kehrt wieder zum Text zurück. Er holt Luft, als wollte er einen neuen Absatz beginnen, dann hält er inne, fährt mit dem Zeigefinger eine Zeile entlang, murmelt leise mit. Er schüttelt den Kopf, er hat sich geirrt. Er blättert weiter, sichtlich verärgert über sein Missgeschick, und die Seiten, die er überblättert, scheinen ihn nicht fröhlicher zu stimmen: Sie sind übersät mit Korrekturen, roten und hellblauen Flecken und dichten Wolken aus Randnotizen. Selbst aus der letzten Reihe sieht man deutlich, dass vieles, was auf diesen Seiten gesagt wird, besser ungesagt geblieben wäre .

— Mein Gott, ich lass dir ja deinen Freiraum, es ist nur –

— Lydia, bitte nicht mehr heute, ich bin müde.

— Ich steh jetzt einfach ziemlich dumm da, das ist alles. Das wollte ich dir am Telefon sagen.

— Wieso das? Wieso stehst du dumm da?

— Du willst mich nicht verstehen, oder?

— Doch. Also wieso?

— Nein, weißt du was, wenn du gerade nicht zuhören kannst … du bist müde und alles … wir können auch später reden. Du solltest einfach hier bleiben und dich ausschlafen.

— Jetzt sag schon.

— Gut, wenn du’s unbedingt wissen willst. Weil ich so für dich gekämpft habe, damals, vor meinen Eltern. Und wie steh ich jetzt da?

— Warte mal, warte mal eine Sekunde … du hast was?

— Ja, jetzt bin ich die, die sich von Anfang an geirrt hat! Was glaubst du, wie die sich hinter meinem Rücken das Maul zerreißen.

— Dann lass sie reißen.

— Ich hätte nicht davon anfangen sollen. War es wenigstens lustig heute? Ich meine, für dich?

Ich antwortete nicht. Lydia hatte mir eine dicke, weiche Decke gegeben, und bald schlief ich ein und träumte von einem weißen Dudelsack, dem bei jeder Bewegung seine fragilen Knochen brachen. Als ich ihn umarmen wollte, schrie der Dudelsack wie eine Ziege. Ich schlief bis Mittag, trotz der Kälte, dann weckte mich der Lärm eines rückwärts fahrenden LKWs. Lydia hatte mich einfach im Garten schlafen lassen. Ich ging zu ihr in die Wohnung. Sie machte mir etwas zu essen und erzählte mir von einem Videofilm, den sie sich gestern ausgeborgt hatte.

Als ich am Nachmittag losfahren wollte, bemerkte ich, dass sich die Pedale meines Fahrrads nicht mitbewegten, wenn man es rückwärts schob. Ich musste es reparieren, denn in ein paar Stunden begann die Oper und ich musste vorher noch nach Hause, mich umziehen. Ich stellte das Rad in der Einfahrt des Hauses auf. Zuerst versuchte ich die Pedale zu bewegen, während ich den Hinterreifen anhob. Es ging nicht. Ich war so darauf konzentriert, den Fehler zu finden, dass ich nicht merkte, wie die Zeit verging.

Irgendwann kam Lydia zu mir nach unten, sah auf die Uhr, dann setzte sie sich auf die Stufen und schaute mir bei der Arbeit zu. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, was mit dem Rad nicht stimmte. Die Pedale hingen irgendwie fest, aber ich konnte ums Verrecken nicht erkennen, wo und warum. Ich hob die Kette an und sie fiel herunter. Ich richtete mich auf und trat gegen das Rad. Die Speichen federten wild hin und her, aber es fiel nicht um.

Lydia polierte einen Apfel an ihrem Hemd und biss krachend hinein.

— Scheißding, sagte ich.

Lydia kaute zustimmend und biss noch einmal in den Apfel.

— Könntest du mich eventuell fahren?

Sie wartete, bis sie geschluckt hatte.

— Weißt du was? sagte sie. Beißen ist wie ein … ein elementares menschliches Vergnügen, findest du nicht auch? Jemanden dabei zu unterbrechen ist fast unverschämt. Beißen, kauen, das ist das Leben selbst, in … in einen Pfirsich, in ein hartes Stück Brot, in eine fremde Lippe, in die glatte Haut am Nacken, so … so raubtierhaft. Oder in einen Apfel wie den hier.

Sie hielt ihn hoch. Der Apfel hatte inzwischen die Form einer verkrüppelten Doppelpagode. Ein letztes Mal biss sie hinein und ließ dieses unvergleichliche Geräusch hören, als würde man einer Holzpuppe das Genick brechen. Zähne, der härteste Teil des Körpers, konzentrierte Stärke, eine Pressgewalt von hundert Kilo bei einem einzigen kräftigen Biss. Kein Wunder, dass wir sie pflegen und sauber halten, aber wie seltsam, dass wir gerade unsere Zähne entblößen, um zu signalisieren, dass wir einander gewogen sind, dass wir uns freuen.

— Kannst du mich fahren? fragte ich freundlich. Bitte.

Lydia lächelte zufrieden.

Ich dachte daran, wie mich die winzige Lücke zwischen den Schneidezähnen von Valerie entzückte. Sie war wie ein Detail aus einem Kindergesicht, das sich in das Gesicht einer erwachsenen Frau verirrt hatte. Ich wollte am liebsten meinen ganzen Kopf zwischen diese Lücke klemmen!

— Sicher, sagte Lydia. Sicher kann ich dich fahren.

— Verfluchtes Scheißding, murmelte ich.

Ich stellte das Rad zurück in den Garten, wo ich es noch einmal verfluchte, und folgte Lydia und ihrem Apfel zurück in die Wohnung. Sie war noch im Pyjama und musste sich erst anziehen.

— Warte, sagte sie. Ich bin gleich so weit.

Ich war schon fertig angezogen und stand in Schuhen vor der Tür. Sie kam lange nicht.

— Was hast du gemacht? fragte ich sie.

— Nichts. Ich hab mir noch die Nägel geschnitten.

— Warum ausgerechnet jetzt?

— Mit langen Nägeln kann ich das Lenkrad nicht halten. Wo soll’s überhaupt hingehen?

— Zuerst zu mir nach Hause, ich muss mich umziehen. Dann zur Oper.

— Du verarschst mich?

— Nein, jetzt komm schon. Ich kauf dir auch ein Eis.

— Jetzt verarschst du mich, oder?

— Ja, komm jetzt.

Das Hemd, das ich in aller Eile angezogen hatte, war zu kurz und ich musste es immer wieder in die Hose zurück stopfen. Dazu fühlte sich das schwarze Sakko so an, als befände sich der Kleiderbügel immer noch darin. Lydia fuhr sehr vorsichtig. Sie ließ alte Frauen bei tödlich roter Ampel über die Straße gehen, hielt für einen roten Ball, der sich auf die Fahrbahn warf, und musste unterwegs auch noch tanken.

Trotzdem kamen wir eine halbe Stunde vor Beginn bei der Oper an.

— Danke, sagte ich zu Lydia und stieg schnell aus.

— Warte, rief sie mir nach. Kann ich dich hinterher anrufen, es ist nur wegen –

— Heute nicht mehr, sagte ich und rannte davon, obwohl der Eingang keine zehn Schritt entfernt war. Als Lydia fort war, stellte ich mich in Warteposition.

Die Zeit begann zu vergehen. Ich lief auf und ab. Irgendwann wurde die Zeit langsamer, schließlich kroch sie nur mehr dahin. Keine Spur von Valerie.

Ich wartete über eine Stunde. Menschen gingen an mir vorbei wie aus einer anderen Dimension: mit sich selbst beschäftigt, unendlich weit entfernt. Als gehörten sie selbst zur verwunschenen Welt der Zauberflöte . Wenn ich um Hilfe geschrieen hätte, wären sie mir wahrscheinlich nur ausgewichen, so wie man einer Statue ausweicht, die zufällig im Weg steht.

Ich trat von einem Fuß auf den anderen. Es war furchtbar kalt. Dreimal umrundete ich das Gebäude.

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