Ben Bova - Asteroidenfeuer

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Die nicht allzu ferne Zukunft: Martin Humphries, Erbe des milliardenschweren Humphries Trust, wähnt sich auf der Höhe seiner Macht. Er lebt in einer luxuriösen Idylle auf dem Mond, die er zu einer uneinnehmbaren Festung ausgebaut hat, und ein Asteroid nach dem anderen fällt ihm zu, so dass er seine Macht und sein Monopol in der Raumfahrt immer weiter ausbauen kann. Seinen Rivalen Lars Fuchs hat er nicht nur ausgeschaltet, sondern auch gedemütigt, indem er ihm seine Frau Amanda genommen und geheiratet hat. Sie bringt den ersehnten Sohn und Erben zur Welt. Doch noch immer genügt ihm das nicht: Er will Lars Fuchs beseitigt haben und hetzt einen bezahlten Killer auf ihn, der sich im Asteroidengürtel auf die Lauer legt. Aber Humphries ahnt nicht, dass ihm längst ein viel gefährlicherer Gegner erwachsen ist …
Mit diesem Buch beendet Ben Bova die faszinierende Geschichte, die mit »Der Asteroidenkrieg« begann und in »Asteroidensturm« fortgesetzt wurde.

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Plötzlich verschwand der Punkt der Cromwell . Stavenger starrte auf die Anzeige. Entweder war das Schiff plötzlich zerstört worden, oder sie hatten alle Zielverfolgungs- und Telemetrie-Bojen abgeschaltet. Andere Schiffe waren nicht in der Nähe, soweit das aus der Darstellung hervorging. Also war die Cromwell auch keinem Angriff zum Opfer gefallen.

Wieso sollte sie alle Bojen abschalten, fragte sich Stavenger. Es dauerte nur einen Moment, bis er dahinterkam.

Pancho sprang vom Anhänger, als der Minischlepper an einem chaotischen Haufen aus Ausrüstung und Kisten vorbeirollte. Das Zeug lag ungeordnet auf dem staubigen Betonboden herum. Der Fahrer sah sie und schrie sie über die Schulter auf Japanisch an, während der Schlepper sich von ihr entfernte.

»Du mich auch, du Arsch«, schrie Pancho zurück und verneigte sich höflich vor dem Fahrer.

Sie warf sich die Reisetasche über die Schulter, duckte sich hinter einen Kistenstapel und durchsuchte ihn. Sprengstoff fand sie zwar nicht, aber etwas, das fast genauso gut war: einen Schweißlaser. Sie kniete sich neben den gerippten Lauf des Lasers nieder und betätigte den Schalter. Mist! Die Akku-Ladezustandsanzeige war schon weit im roten Bereich. Ich brauche eine Stromquelle, sagte sie sich.

Plötzlich plärrten die Lautsprecher, die ungefähr alle fünfzig Meter an Masten hingen, in hartem, schnellem Japanisch. Pancho verstand die Worte nicht, wohl aber die Botschaft: Hier treibt sich ein Eindringling herum. Schnappt ihn euch!

Der Baustellenlärm brach schlagartig ab. Das mutete Pancho geradezu unheimlich an. Die dröhnende, summende, kreischende Baustelle verstummte. Der Ort schien sich plötzlich in einen Friedhof verwandelt zu haben.

Aber nur für einen Moment. Pancho kauerte hinter einer Kiste und sah, wie die blau gekleideten Bauarbeiter sich unsicher umschauten. Vorarbeiter gingen zwischen ihnen umher und erteilten barsch Anordnungen. Die Arbeiter sammelten sich in Gruppen von vier, fünf oder sechs Leuten und suchten methodisch den Boden ab. Pancho vermutete, dass sie das auf den anderen Ebenen auch taten.

Die hinter der Kiste kauernde Pancho kam sich vor wie eine Maus in einer Versammlungshalle voller Katzen. Der Laser war griffbereit, doch ohne Strom war er nutzlos. Und selbst wenn ich rauskomme, sagte sie sich, werde ich durch den Sturm rennen müssen, um zu den Raumbooten auf der Startrampe zu gelangen. Meine Aussichten sind nicht berauschend.

Und dann sah sie denselben Minischlepper, auf dem sie mitgefahren war, über den mit Zementstaub bedeckten Boden auf sich zukommen. Zwei Männer hatten sich neben dem Fahrer ins Führerhaus gequetscht.

Er erinnert sich daran, dass ich bei ihm mitgefahren bin, wurde Pancho sich bewusst, und bringt nun diese Affen mit, damit sie die Gegend absuchen. Sie lächelte. Die Zugmaschine wäre eine ideale Ladestation für den Laser, sagte sie sich. Alles, was ich tun muss, ist, diese drei Kerle loszuwerden. Sie nahm den anderen Ohrring ab und hielt ihn fest umklammert.

Auf dem kahlen Betonfußboden sitzend, mit dem Rücken zur Plastikkiste, hörte Pancho den Schlepper näher kommen und dann anhalten. Stimmen, die etwas auf Japanisch riefen. Sie wusste, dass die Männer ausstiegen und herumschnüffeln würden.

Sie erhob sich. Die drei sahen sie sofort. Pancho stellte verwundert fest, dass der behelmte Fahrer eine junge Frau war. Die anderen zwei ohne Helm waren hartgesichtige Männer. Und mit Pistolen bewaffnet.

»Sie!«, schrie einer der Männer auf Englisch und richtete eine Pistole auf sie. »Keine Bewegung!«

Pancho hob langsam die Hände über den Kopf; den Ohrring hatte sie noch in der rechten Hand. Wartet, sagte sie sich und schnippte den Verschluss des Ohrrings mit dem Daumen auf. Lass sie noch etwas näher herankommen.

Jetzt! Sie warf den Ohrring nach ihnen und schlug beide Arme vor die Augen. Der Lichtblitz drang noch durch die geschlossenen Lider und brannte ein rotes Nachbild auf die Netzhaut. Doch als sie die Augen wieder öffnete, war die Sehfähigkeit wieder vorhanden. Die zwei Schlägertypen krümmten sich auf dem Boden und kreischten auf Japanisch. Die Fahrerin tappte blind umher. Panchos Augen schmerzten und tränten. Sie blinzelte die Tränen weg und packte den Laser mit beiden Händen. Dann drängte sie sich an der blindlings tastenden Fahrerin vorbei und warf den Laser auf die Ladefläche des Schleppers. Selbst bei einem 6tel Ge wog er noch schwer.

Schnell koppelte sie den Hänger ab und schwang sich ins Führerhaus der Zugmaschine. Sie fuhr los und steuerte die nächste Rampe zur obersten Ebene an.

Habitat Chrysallis

Big George saß in seinem Lieblings-Liegesessel, einen mit Reif überzogenen Bierhumpen neben sich und schaute finster auf die kaleidoskopartige Abbildung auf dem Wandbildschirm. Ein Sonnensturm, sagte er sich. Und was für einer.

Die IAA-Meteorologen sagten voraus, dass der Sturm Ceres nicht erreichen würde. Die Wolke aus ionisierten Partikeln richtete sich am interplanetaren Magnetfeld aus, und die Schleifen und Knoten des Feldes führten sie auf die andere Seite des Sonnensystems, weit von Ceres' Position entfernt. George verspürte ein Gefühl der Dankbarkeit. Chrysa-lis war durch eine elektromagnetische Abschirmung geschützt — wie die meisten Raumschiffe —, aber George legte trotzdem keinen Wert darauf, einen Sturm abzureiten.

Die armen Schweine auf Vesta wird es aber mit voller Wucht treffen, sagte er sich. Hoffentlich haben sie so viel Hirn, ihre Ärsche rechtzeitig nach unten zu schaffen. George zuckte die Achseln und griff nach dem Bier. Wenigstens haben sie eine lange Vorwarnzeit.

Der Bildschirm zeigte Raumflugverkehr. Die Elsinore war aber das einzige Schiff, für das George sich interessierte. Edith Elgin war an Bord und unterwegs nach Ceres, um einen Videobericht über den Krieg hier draußen zu produzieren. Wurde verdammt noch Mal auch Zeit, dass jemand von den Nachrichtenmedien sich damit beschäftigt, sagte George sich.

Er sah, dass die Elsinore die Strahlenwolke verließ. In vier Tagen oder so wird sie hier sein, sagte George sich. Gut. Wir werden auf sie warten.

Er nahm einen großen Schluck Bier. Sonst vermochte er nichts zu tun — außer zu warten.

Das Humphries-Anwesen

Fuchs kauerte hinter der behelfsmäßigen Barrikade, die am oberen Treppenabsatz verkeilt war, und spähte ins Zwielicht. Es drang etwas Licht vom Garten durch die Blenden herein, mit denen die oberen Fenster versperrt waren. Er hörte unten Schritte, doch bei der ausgeschalteten Innenbeleuchtung war es unmöglich, etwas zu sehen. Er wusste, dass Nodon eine Taschenlampe hatte, doch wenn er sie einschaltete, würde er den Wächtern nur als Zielscheibe dienen.

»Nodon«, flüsterte er, »reiß ein paar Gardinen von den Fenstern herunter.«

Nodon verschwand, und Fuchs hörte ein Reißen und dann einen dumpfen Schlag.

»Wer auch immer Sie sind, Sie kommen hier nicht mehr raus. Sie sitzen fest«, ertönte eine kräftige Stimme im ersten Stock. »Sie sollten aufgeben und sich von uns der Polizei überstellen lassen.«

Fuchs unterdrückte die grobe Antwort, die ihm auf der Zunge lag. Nodon kam angerannt und drückte ihm zerknüllten Stoff in die Hand. »Reicht das, Kapitän?«, fragte er.

»Wir werden sehen«, erwiderte Fuchs im Flüsterton.

Ein Licht blitzte in der Dunkelheit auf, und ein Mann jaulte schmerzlich auf. Die in der Mitte des Treppenabsatzes postierte Amarjagal hatte die Waffe auf jemanden abgefeuert, der sich leise die Treppe hochgeschlichen hatte. Aber nicht leise genug. Die Mongolenfrau hatte ihn gehört und mit ihrer Laserpistole beschossen. Der Strahl war unsichtbar, aber die Kleidung der Wache fing Feuer, als sie getroffen wurde. Fuchs hörte, wie der Mann die mit Teppich ausgelegte Treppe hinunterstürzte.

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