Ben Bova - Asteroidenfeuer

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Die nicht allzu ferne Zukunft: Martin Humphries, Erbe des milliardenschweren Humphries Trust, wähnt sich auf der Höhe seiner Macht. Er lebt in einer luxuriösen Idylle auf dem Mond, die er zu einer uneinnehmbaren Festung ausgebaut hat, und ein Asteroid nach dem anderen fällt ihm zu, so dass er seine Macht und sein Monopol in der Raumfahrt immer weiter ausbauen kann. Seinen Rivalen Lars Fuchs hat er nicht nur ausgeschaltet, sondern auch gedemütigt, indem er ihm seine Frau Amanda genommen und geheiratet hat. Sie bringt den ersehnten Sohn und Erben zur Welt. Doch noch immer genügt ihm das nicht: Er will Lars Fuchs beseitigt haben und hetzt einen bezahlten Killer auf ihn, der sich im Asteroidengürtel auf die Lauer legt. Aber Humphries ahnt nicht, dass ihm längst ein viel gefährlicherer Gegner erwachsen ist …
Mit diesem Buch beendet Ben Bova die faszinierende Geschichte, die mit »Der Asteroidenkrieg« begann und in »Asteroidensturm« fortgesetzt wurde.

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Yamagata blinzelte; ein rotes Nachbild brannte ihm in den Augen. »Ich will nicht wissen, wo sie war «, sagte er mit zusammengebissenen Zähnen. »Ich will wissen, wo sie jetzt ist.«

Der Sicherheitschef wischte sich Tränen aus den Augen. »Sie muss nach oben auf die Baustelle gegangen sein. Auf diesen Ebenen sind die Überwachungskameras noch nicht aktiviert.«

Bevor der aufgebrachte Yamagata etwas zu sagen vermochte, ergänzte der Sicherheitschef: »Ich habe angeordnet, dass alle Luftschleusen verriegelt und Wachen an allen Raumanzug-Lagerorten postiert werden. Sie kann nicht nach draußen.«

Das ist immerhin etwas, sagte Nobu sich. Sie ist in der Basis gefangen. Dann werden wir sie auch finden. Das ist nur eine Frage der Zeit.

Wir sind vielleicht eine Invasionsstreitmacht, sagte Fuchs sich, als er und seine drei Besatzungsmitglieder zielstrebig durch den blühenden Garten zu Humphries' Herrenhaus marschierten.

Aber das könnte auch von Vorteil sein, wurde er sich bewusst. Je harmloser wir erscheinen, desto weniger ernst werden die Wachen uns nehmen. Wir haben noch immer das Überraschungsmoment auf unserer Seite.

Aber nicht mehr lang, wie er sah. Zwei Männer kamen auf dem gewundenen Pfad auf sie zu — beide groß, mit massigen Schultern und dem harten Blick professioneller Sicherheitsleute. Sie waren mit identischen schiefergrauen Gewändern und Hosen bekleidet: keine Uniformen, aber nahe dran. Fuchs fragte sich, welche Arten von Waffen sie trugen.

»Was tun Sie hier?«, rief der eine und gebot Fuchs und seinen Leuten mit erhobener Hand stehen zu bleiben.

»Störungsbeseitigung«, sagte Fuchs und verlangsamte das Tempo, blieb aber nicht stehen. »Die Wasserversorgung ist unterbrochen.«

»Wir haben keinen Notruf bekommen«, sagte der andere. Er war etwas kleiner und jünger.

»Er ist aber bei uns eingegangen«, log Fuchs. »Ihr könnt das Problem sogar von hier aus sehen, dort am Dach«, sagte er und wies mit ausgestrecktem Arm nach oben.

Der Kleinere drehte sich um. Der andere schaute über die Schulter. Fuchs stürzte sich auf den älteren und rammte ihm den Kopf in den Leib. Ein ›Uff!‹ sagte ihm, dass er voll getroffen hatte. Die beiden gingen zu Boden. Nodon trat dem einen Mann gegen den Kopf, und er erschlaffte. Fuchs kam wieder auf die Füße und sah, dass Amarjagal und Sanja den anderen auch ins Reich der Träume geschickt hatten.

Schnell fesselten sie die zwei Männer mit ihren Gürteln und zerrten sie ins Gebüsch, aber nicht ohne ihnen zuvor noch die Waffen und Funkgeräte abzunehmen.

Fuchs inspizierte die Waffen, während sie zum Herrenhaus rannten. Laserpistolen. Fuchs erinnerte sich, wie die Felsenratten vor Jahren ihre tragbaren Werkzeuge in behelfsmäßige Waffen verwandelt hatten. Diese hier waren spezifisch als Handfeuerwaffen konzipiert.

»BLEIBEN SIE DORT STEHEN, WO SIE SIND!«, dröhnte eine verstärkte Stimme.

»Das ist ein Notfall! Schnell!«, schrie Fuchs zurück. »Wir haben keine Zeit zu verlieren!«

Die Haustür des Herrenhauses öffnete sich, als sie darauf zuliefen, und ein weiteres Wachen-Duo in identischen schiefergrauen Monturen — einer von ihnen eine Frau — trat mit verwirrtem Blick heraus.

»Was geht …«

Fuchs erschoss den Mann, und bevor sie reagieren konnte, erschoss Nodon die Frau. Die Infrarot-Laserstrahlen waren zwar unsichtbar, doch sah Fuchs das kleine schwelende, runde Loch in der Stirn des Mannes, als er auf den Boden sackte.

»Kommt«, sagte Fuchs und bedeutete seinen Leuten mit einem Wink, ihm zu folgen. Amarjagal und Sanja hoben aber erst noch die Waffen der toten Wachen auf und traten dann über die reglosen Körper über die Schwelle des Herrenhauses.

Ich bin in seinem Haus! Fuchs fasste es kaum. Ich bin wirklich in Humphries' Heim! Er wurde sich bewusst, dass er nicht damit gerechnet hatte, überhaupt so weit zu kommen.

Eine Frau in einem schwarzen Hausmädchen-Dress kam aus einer Tür in der Halle; sie trug ein silbernes Tablett mit abgedeckten Speisen. Fuchs lief zu ihr hin. Als sie die Waffe in seiner Hand sah, stieß sie ein erschrecktes Quieken aus, ließ das Tablett fallen und floh zurück in die Küche.

»Vergesst sie«, knurrte Fuchs. »Sucht Humphries.«

Schließlich beendete Edith die Video-Führung durchs Schiff und kehrte zu ihrer Kabine zurück. Sie war müde, beschloss aber, das aufgenommene Bildmaterial zu sichten und die Szenen fürs Schneiden zu markieren.

Doch dann sah sie ihr Spiegelbild auf dem Wandbildschirm der Kabine, und sie untersuchte es minutenlang auf Zeichen der Alterung. Zu ihrer Erleichterung fand sie keine. Die Verjüngungstherapien hielten noch vor.

Dann fragte sie sich, ob man das auf der Erde nicht gegen sie verwenden würde. Man wird glauben, dass ich wie Doug mit Nanomaschinen voll gepumpt bin. Dadurch würden sie vielleicht voreingenommen sein gegen mich.

Sie zuckte die Achseln und schaltete den Bildschirm aus. Vor die Wahl zwischen Flachländer-Vorurteile und jugendliche Optik gestellt, entschied sie sich für die Jugend. Gähnend schaute sie aufs Bett. Zeit für einen Schönheitsschlaf, fand Edith und wünschte sich, dass Doug hier bei ihr wäre.

Das Humphries-Anwesen

Fuchs erkannte, dass das Haus riesig und in zwei Sektionen unterteilt war. Auf einer Seite des Korridors, der vom Eingang wegführte, schien es einen Trakt mit Büros und Laboratorien zu geben. Fuchs und seine Leute warfen einen kurzen Blick in ein paar Räume; sie waren leer, still und dunkel. Büros für sein Personal, vermutete Fuchs, die zu dieser nächtlichen Stunde unbesetzt waren.

Ungeduldig dirigierte er seine drei Helfer auf den Korridor zurück.

»Sanja«, sagte er und wies in die Halle, »du musst diese Frau suchen. Sie muss wissen, wo Humphries ist. Wir werden die andere Seite des Hauses durchsuchen.«

Humphries war oben und saß im herrschaftlichen Schlafzimmer am Computerschreibtisch. Der Krieg läuft gut, sagte er sich, als er die aktuellen Verlustmeldungen studierte. Noch ein paar Monate, und wir werden Astro aus dem Gürtel ver jagt haben.

Dennoch verzog er das Gesicht, als er sich mit den neusten Lageberichten seines Nachrichtendiensts befasste. Astro baut immer mehr Schiffe und rüstet sich für einen Gegenangriff. Dieser verdammte Schraubfix weiß nicht, wann sie verloren hat.

Er hörte ein leises Klirren von unten. Einer der Diener musste etwas fallen gelassen haben. Er lehnte sich auf dem gepolsterten Schreibtischstuhl zurück und erinnerte sich, dass er schon vor über einer halben Stunde einen Imbiss bestellt hatte. Wo, zum Teufel, bleibt er, fragte er sich zornig.

Mit einem Kopfschütteln widmete er sich wieder den Betrachtungen über den Krieg. Man sagt, Pancho sei verschwunden. Wahrscheinlich ist sie unten in dieser Nairobi-Basis und versucht, um Unterstützung zu werben. Und bei mir steht eine Vorstandssitzung an. Sie werden wegen der Zahlen für Kapital und Zinsen Zeter und Mordio schreien. Dieser Krieg blutet uns aus. Doch wenn wir ihn erst gewonnen haben, werden sie das Maul halten. Klarer Fall.

Seine Gedanken kehrten zu Pancho zurück. Dieses kleine Biest aus der Gosse. Wenn sie hier in Selene eine neue Flotte von Kriegsschiffen bauen lässt, wäre es sinnvoll, die Fabriken anzugreifen, in denen sie gebaut werden. Doch dann würde Stavenger auf ihrer Seite in den Krieg eintreten. Ich will nicht, dass Selene gegen …

»Das Wasser ist abgestellt.«

Verärgert drehte Humphries sich um und sah Victoria Ferrer in der Tür stehen. Sie war in einen bodenlangen Bademantel gehüllt, dessen Gürtel sie um die Hüfte zusammengeknotet hatte. Ihr Haar glänzte feucht.

»Was?«, blaffte er.

»Das Wasser versiegte, als ich gerade unter der Dusche stand«, wiederholte sie.

In dem Moment verschwand der überm Schreibtisch schwebende Bericht und wich dem angespannten Gesicht seines Sicherheitschefs.

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