Ben Bova - Asteroidenfeuer

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Die nicht allzu ferne Zukunft: Martin Humphries, Erbe des milliardenschweren Humphries Trust, wähnt sich auf der Höhe seiner Macht. Er lebt in einer luxuriösen Idylle auf dem Mond, die er zu einer uneinnehmbaren Festung ausgebaut hat, und ein Asteroid nach dem anderen fällt ihm zu, so dass er seine Macht und sein Monopol in der Raumfahrt immer weiter ausbauen kann. Seinen Rivalen Lars Fuchs hat er nicht nur ausgeschaltet, sondern auch gedemütigt, indem er ihm seine Frau Amanda genommen und geheiratet hat. Sie bringt den ersehnten Sohn und Erben zur Welt. Doch noch immer genügt ihm das nicht: Er will Lars Fuchs beseitigt haben und hetzt einen bezahlten Killer auf ihn, der sich im Asteroidengürtel auf die Lauer legt. Aber Humphries ahnt nicht, dass ihm längst ein viel gefährlicherer Gegner erwachsen ist …
Mit diesem Buch beendet Ben Bova die faszinierende Geschichte, die mit »Der Asteroidenkrieg« begann und in »Asteroidensturm« fortgesetzt wurde.

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Sie hörte den Knall eines Korken durch die dünne Tür der Toilette. Der gute alte Danny arbeitet also für Yamagata, sagte Pancho sich. Und ich wette, dass genug Zeug in diesem Champagner ist, dass es mir so richtig die Zunge löst.

Ich muss hier raus, sagte sie sich. Und zwar schnell.

Nobuhiko Yamagata schenkte den Verneigungen und gezischten Huldigungen seiner Untergebenen kaum Aufmerksamkeit. Er ging von der Zubringerrakete, mit der er auf dem Stützpunkt am Leuchtenden Berg gelandet war, direkt zu dem Raum, wo Pancho Lane befragt werden sollte. Es handelte sich um ein kleines Zimmer in der Krankenstation der Basis, wo sein Verhörtrupp um eine leere Rolltrage herumstand.

Vater hat Recht, sagte Nobu sich. Ich kann viel mehr von Pancho in Erfahrung bringen als diese Söldner.

Die Mannschaft war mit Kitteln und Masken bekleidet, als ob sie Ärzte darstellten. Zwei junge Frauen halfen Nobu in einen lindgrünen Chirurgenkittel. Nach ein paar Minuten war er mit einer Maske, Handschuhen und einer dieser albernen formlosen Kappen ausstaffiert, die ihm über die Ohren fiel.

Dann stellte er sich neben die Trage und wartete. Die Mitglieder des Verhörtrupps flankierten ihn stumm.

Es ist alles vorbereitet, sagte Nobuhiko sich. Alle sind hier außer Pancho.

Basis Leuchtender Berg

»Möchten Sie ein Glas Champagner?«, fragte Tsavo glatt und reichte Pancho eine der Kristallflöten, die er gefüllt hatte.

»Gern«, sagte Pancho und setzte ihr lieblichstes Lächeln für ihn auf.

Als er ihr das Glas reichte, ließ Pancho es aus den Fingern gleiten. Sie schaute mit Belustigung zu, wie das Glas in der sanften Mondschwerkraft langsam fiel und der Inhalt wie in Zeitlupe aus dem Glas schwappte. Pancho hätte das Glas noch zu ergreifen vermocht, ehe es sich entleerte, doch schaute sie stattdessen zu, wie der Champagner auf ihren Overall spritzte — und Tsavo stand mit einem Ausdruck des Entsetzens da.

»Ach, du lieber Gott«, sagte sie, als das Glas auf dem dicken Teppichboden landete. »Wie ungeschickt von mir.«

Tsavo hatte sich wieder soweit gefasst, um »Mein Fehler« zu sagen.

Pancho schaute an der mit Champagner benetzten Vorderseite des Overalls hinab und sagte: »Ich sollte das mal trocknen.« Sie ging zur Toilette zurück und hielt kurz inne, um einen ihrer Ohrringe abzunehmen und ihn auf den Nachttisch neben dem Bett zu legen.

Es gibt viele Möglichkeiten, einen Gegner unschädlich zu machen, der größer und stärker ist als man selbst, erinnerte Pancho sich, als sie die Toilettentür abschloss. Eine ist die Blendung des Hundesohns.

Sie lehnte sich mit dem Rücken gegen die Tür und kniff die Augen zusammen, sah aber dennoch den Blitz hinter den geschlossenen Augenlidern. Tsavo schrie auf. Als Pancho die Toilettentür wieder geöffnet hatte, taumelte er durchs Schlafzimmer.

»Ich kann nichts mehr sehen!«, schrie er. »Ich bin blind!«

Er stieß gegen den Serviertisch, sodass die Flasche und der Kühler zu Boden fielen; dann sackte er mit einem schmerzlichen Stöhnen neben der Couch zusammen und rieb sich heftig die Augen.

»Ich bin blind! Ich bin blind!«

»'tschuldigung, Danny Boy«, sagte Pancho und schnappte sich die Reisetasche auf dem Bett. »Sie werden das Sehvermögen in ein paar Stunden oder so zurückerlangen.«

Sie verließ ihn — ein schluchzendes Häufchen Elend neben dem Sofa — und lief in den Gang hinaus.

Nun wollen wir mal sehen, wie es hier um die Sicherheit bestellt ist, sagte Pancho sich grinsend und rannte wie eine Gazelle durch den mit Teppichboden ausgelegten Korridor.

Fuchs hatte schon in Erwägung gezogen, im Hauptquartier der Astro Corporation anzurufen und mit einem von Panchos Assistenten zu sprechen, sich dann aber dagegen entschieden. Sie hätten weder die Befugnis, ihm die nötige Unterstützung zu gewähren, noch genug Verstand, um diese Notwendigkeit überhaupt zu erkennen. Fuchs wurde sich bewusst, dass er auf sich allein gestellt war, wo Pancho von der Bildfläche verschwunden war.

Ist auch egal, sagte er sich, als er auf der Rolltreppe zu Selenes unterster Ebene fuhr. Es ist besser, weder Pancho noch sonst jemanden darin zu verwickeln. Was ich tun muss, werde ich allein tun.

Nodon, Sanja und Amarjagal warteten am unteren Absatz der letzten Treppenflucht auf ihn. Der Korridor auf dieser Ebene war leer, wie Fuchs schon vermutet hatte. Nur die Reichsten lebten hier unten in der Umkehrung von Dachterrassen-Wohnungen auf der Erde. Keine Menschenmengen, sagte er sich, als die vier durch den breiten, leeren und stillen Gang gingen. Fuchs sah, dass die Wände mit Flachreliefs verziert waren und der Boden mit einem weichen Belag ausgelegt war. Er wusste auch, dass sie von Überwachungskameras beobachtet wurden, aber sie sahen nur aus wie vier Wartungsarbeiter — nichts, was Alarm ausgelöst hätte.

Bisher.

»Hast du den Wartungscomputer programmiert?«, fragte Fuchs Nodon.

Der nickte mit einem leicht ängstlichen Ausdruck in den großen wässrigen Augen. »Ja, Sir. Das Wasser wird auf dieser Ebene in …« — er schaute auf die Armbanduhr — »drei Minuten abgestellt.«

»Gut«, sagte Fuchs. Er hatte keine Ahnung, wie lang das Wartungspersonal brauchen würde, um zu entdecken, dass das Wasser für Ebene Sieben abgestellt worden war. Hoffentlich lang genug, dass wir vier in Humphries' Felsenhöhle kommen, sagte er sich.

Der Gang endete an einer kahlen Felswand, in die ein schweres Metallschott eingelassen war. Neben dem Schott war ein Tastenfeld.

»Hast du den Zugangscode?«, fragte Fuchs Nodon.

»Ich war noch nicht lang genug in der Wartungsabteilung beschäftigt, um hier unten eingesetzt zu werden«, flüsterte Nodon um Entschuldigung heischend. »Aber ich kenne die Notfall-Codes für die oberen Ebenen.«

»Probier sie aus.«

Nodon bückte sich vor der Tastatur und gab Zahlen ein. Fuchs schaute mit wachsender Ungeduld zu. Eine Überrang-Kombination muss es auf jeden Fall geben, sagte er sich. Humphries muss schließlich den Rettungskräften von Selene Zugang zu seinem privaten Reservat gewähren. Nicht einmal er vermag Notfall-Helfern den Zutritt zu seinem Grundstück zu verweigern. Das ist in Selenes Sicherheitsbestimmungen so festgelegt.

Die Luke öffnete sich plötzlich mit einem metallischen Klicken. In der Stille des leeren Gangs glich es einem Gewehrschuss.

»Na bitte!«, zischte Fuchs. Er legte die Pranke auf den kalten Stahl der Luke und drückte. Sie öffnete sich langsam und lautlos. Ein Hauch milder, warmer Luft strich an ihm vorbei, als die Luke sich ganz öffnete.

Fuchs verschlug es bei diesem Anblick fast den Atem. Ein weites Feld mit leuchtend bunten Blumen, warmes künstliches Sonnenlicht, das von den Lampen hoch oben herabstrahlte, die Luft mit Gerüchen geschwängert, die er seit seinem letzten Sommer auf der Erde vor so vielen Jahren nicht mehr wahrgenommen hatte.

Und Bäume! Hoch, stattlich, die belaubten Äste wie zu seiner Begrüßung ausgebreitet.

»Es ist ein Paradies«, wisperte Amarjagal mit ehrfürchtig geweiteten Augen. Nodon und Sanja standen mit offenem Mund neben ihr. Fuchs war den Tränen nahe.

»Kommt«, knurrte er mit einem ärgerlichen Kopfschütteln. »Es muss Alarm ausgelöst worden sein. Die Kameras haben uns im Blick.«

Er betrat den Pfad aus Ziegeln, der sich durch Rabatten mit farbenprächtigen Blumen schlängelte und zum Herrenhaus führte, das sie zwischen den Bäumen sahen.

Ein Paradies, sagte Fuchs sich. Aber dieses Paradies wird von bewaffneten Männern bewacht, und sie werden in ein paar Minuten auftauchen, um uns aufzuhalten.

Nobuhiko schob den Ärmel des grünen Chirurgenkittels hoch und schaute auf die Uhr. Er wandte sich an den Leiter des Verhörtrupps. »Wo bleibt sie denn?«, fragte er unwirsch. »Ich warte nun schon seit fast einer halben Stunde.«

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