Ben Bova - Asteroidenfeuer

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Die nicht allzu ferne Zukunft: Martin Humphries, Erbe des milliardenschweren Humphries Trust, wähnt sich auf der Höhe seiner Macht. Er lebt in einer luxuriösen Idylle auf dem Mond, die er zu einer uneinnehmbaren Festung ausgebaut hat, und ein Asteroid nach dem anderen fällt ihm zu, so dass er seine Macht und sein Monopol in der Raumfahrt immer weiter ausbauen kann. Seinen Rivalen Lars Fuchs hat er nicht nur ausgeschaltet, sondern auch gedemütigt, indem er ihm seine Frau Amanda genommen und geheiratet hat. Sie bringt den ersehnten Sohn und Erben zur Welt. Doch noch immer genügt ihm das nicht: Er will Lars Fuchs beseitigt haben und hetzt einen bezahlten Killer auf ihn, der sich im Asteroidengürtel auf die Lauer legt. Aber Humphries ahnt nicht, dass ihm längst ein viel gefährlicherer Gegner erwachsen ist …
Mit diesem Buch beendet Ben Bova die faszinierende Geschichte, die mit »Der Asteroidenkrieg« begann und in »Asteroidensturm« fortgesetzt wurde.

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»Das Privileg der Elite«, erwiderte Tsavo und erwiderte ihr Lächeln gezwungen.

»Stimmt wohl.« Woher sie nur das Kapital für dieses große Projekt haben, fragte sich Pancho. Nairobi Industries hat jedenfalls nicht diese finanzielle Potenz. Jemand pumpt höllisch viel Geld in diese Sache. Humphries? Wieso sollte der Stecher aber Geld für Nairobi ausgeben? Wieso in einen Konkurrenten investieren? Zumal durch diesen gottverdammten Krieg ihm das Wasser selbst bis zum Hals steht. Ich wäre jedenfalls nicht in der Lage, so viel von Astros Finanzen abzuzweigen; wir würden Pleite gehen.

»Eigentlich«, sagte Tsavo und kratzte sich am linken Ohr, »war das alles nicht so teuer, wie Sie vielleicht glauben. Das meiste wurde in Selene gefertigt.«

»Wirklich?«

»Wirklich.«

Pancho schien beeindruckt. »Wissen Sie, in der Frühzeit der Mondbasis hat man ernsthaft in Erwägung gezogen, Gras in den Gängen auszusäen.«

»Gras?«

»Ja. Lebenserhaltungs-Leute sagten, es würde der Sauerstoff-Versorgung dienen, und die Psychologen glaubten, es würde den Menschen das Leben im Untergrund angenehmer machen.«

»Hat man das je verwirklicht?«

»Nein. Die Buchhalter hatten durchgerechnet, wie hoch die Stromkosten wären, um das Gras mit Licht zu bestrahlen. Und die Wartungsleute beklagten sich, dass sie dann auch noch Gärtner spielen müssten. Damit war die Sache erledigt.«

»Kein Gras.«

»Außer in der Grand Plaza natürlich.«

»Wir planen auch, unseren Zentralplatz zu bepflanzen«, sagte Tsavo. »Auch mit Bäumen.«

»Aha«, sagte Pancho und sagte sich, wenn Humphries Nairobi nicht finanziert, wer dann? Und wieso?

Der Empfänger in Tsavos Ohr summte. »Mr. Yamagata wird in zwei Stunden erwartet. Es soll keine Befragung von Ms. Lane geben, bis er eingetroffen ist. Fahren Sie mit dem Essen fort, wie ursprünglich geplant.«

Genau in diesem Moment fragte Pancho: »Sagen Sie, wann gibt es denn Essen? Ich habe seit dem Frühstück nichts mehr gehabt.«

»Perfektes Timing«, murmelte Tsavo und blieb an einer Doppeltür stehen. Mit beiden Händen stieß er sie auf. Pancho schaute in einen Konferenzraum, der in einen Speisesaal verwandelt worden war. Der Tisch in der Mitte war für acht Personen gedeckt, und es standen sechs Leute an der Anrichte am hinteren Ende des länglichen Raums, wo Getränke serviert worden waren.

Zwei von ihnen waren Frauen, und bei allen handelte es sich um dunkelhäutige Afrikaner.

Tsavo stellte Pancho seinen Kollegen von Nairobi Industries vor. Dann entschuldigte er sich und verschwand für einen Moment im Nebenraum, wo die Kellner mit einer Gruppe von sechs japanischen Männern und Frauen warteten.

»Keine Drogen«, sagte Tsavo zu ihrem Vorgesetzten. »Es soll ein ganz normales Essen werden. Wir können sie später immer noch ruhig stellen.«

Fusionsschiff Elsinore

Doug Stavenger begleitete Edith zum Fusionsschiff, das in einem engen Orbit um den Mond wartete. Er ging mit ihr durch die Luftschleuse der Elsinore , von wo der Kapitän des Schiffs persönlich seine Passagierin zu ihrem Quartier begleitete, einer bequemen kleinen Kabine auf halbem Weg zur Brücke.

Nachdem der Kapitän sie allein gelassen und die Tür zugeschoben hatte, nahm Stavenger seine Frau in die Arme.

»Du musst das nicht tun, Edie«, sagte er.

»Muss ich doch«, erwiderte sie. Sie lächelte, aber ihr Blick kündete von fester Entschlossenheit.

»Du könntest jemand anders schicken und dir von ihm Bericht erstatten lassen. Du könntest hier in Selene bleiben und die Nachrichtenshow oder Dokumentation oder was auch immer produzieren.«

»Doug«, sagte sie und schlang ihm die Arme um den Hals, »ich liebe dich, mein Schatz, aber du hast keine Ahnung, wie das Nachrichtengeschäft funktioniert.«

»Ich will nicht, dass du da draußen den Hals riskierst.«

»Aber es ist die einzige Möglichkeit, die Geschichte zu bekommen!«

»Und es zieht auch noch ein Sonnensturm auf«, sagte er.

»Das Schiff ist abgeschirmt, mein Schatz.« Sie nibbelte leicht seine Nase und sagte: »Du solltest lieber nach Selene zurückkehren, bevor die Strahlung sich verstärkt.«

Er runzelte betrübt die Stirn. »Wenn dir etwas zustoßen sollte …«

»Was für eine Geschichte das wäre!«, sagte sie mit einem Lächeln.

»Das ist eine ernste Sache.«

Ihr Lächeln wurde schwächer, aber nur ein wenig. »Ich bin ernst, Doug. Die einzige Möglichkeit, diese Verschwörung des Schweigens zu brechen, besteht darin, dass eine prominente Nachrichtenmoderatorin nach Ceres fliegt und aus erster Hand über die Geschehnisse berichtet. Wenn Selene die Geschichte sendet, wird sie auch von Unabhängigen auf der Erde übernommen. Dann werden die irdischen Netze sie auch bringen müssen. Sie werden keine Wahl haben.«

»Und wenn du dabei umkommst?«

»Werde ich schon nicht«, sagte sie bestimmt. »Ich will ja nicht in den Gürtel hinausfliegen. Ich werde in Ceres bleiben — im Habitat, das die Felsenratten für sich gebaut haben und wo es vollkommen sicher ist. Das ist einer der Tricks in diesem Geschäft: den Anschein erwecken, an der Front zu sein und dabei in der Sicherheit des Hauptquartiers bleiben.«

Stavenger verstärkte den Griff um ihre Taille. »Ich will wirklich nicht, dass du gehst, Edie.«

»Ich weiß, Liebster. Aber ich muss gehen.«

Schließlich gab er auf und ließ sie los. Doch den ganzen Weg zurück nach Selene in der kleinen Zubringerrakete, den ganzen Weg zurück in sein Zuhause im dritten Untergeschoss der Stadt, wurde Doug Stavenger das Gefühl nicht los, dass er seine Frau nie wiedersehen würde. Er sagte sich, dass er ein Idiot sei, eine Glucke und zu besitzergreifend. Dennoch wurde er dieses Gefühl nicht los.

Zwei Schiffe verließen Selene in Richtung des Gürtels. Die Elsinore mit Edith Elgin an Bord flog zum Habitat Chrysallis in der Umlaufbahn um den Asteroiden Ceres. Die Cromwell , ein Frachter der Astro Corporation, war scheinbar im Begriff, eine Erzladung aufzunehmen und nach Selene zu bringen.

Beide Schiffe aktivierten die elektromagnetischen Strahlenschirme, als sie aus dem Mondorbit ausscherten. Die riesige und stetig weiter wachsende Wolke energiereicher Strahlung — ein Produkt der Protuberanzen — hüllte sie bald ein. An Bord der Elsinore beobachteten die Mannschaft des Schiffes und ihr einziger Passagier mit Unbehagen den Anstieg der Strahlungswerte. Die Mannschaft der Cromwell verließ sich indes darauf, dass die Strahlenwolke ihre Annäherung an Vesta tarnte. Die Cromwell hatte keine menschlichen Passagiere an Bord. Ihre Fracht bestand vielmehr aus zwei Raketen mit stark isolierten Sprengköpfen, die mit Nanomaschinen gefüllt waren — dem Typ, der gemeinhin als Gobblers bezeichnet wurde.

Da Jake Wanamaker weder mit der Cromwell zu sprechen noch mit Pancho Kontakt aufzunehmen vermochte, hatte er nichts Besseres zu tun, als im Nachrichtenzentrum umherzustapfen und die Techniker finster zu mustern, die an den Konsolen arbeiteten. Schließlich setzte er sich an eine freie Konsole und rief Panchos Nachrichten auf. Vielleicht finde ich hier etwas, aus dem hervorgeht, was sie im Schilde führt, sagte er sich. Zugleich wusste er, dass das auch nur ein Vorwand war, um sich irgendwie zu beschäftigen, bevor er noch das Inventar zertrümmerte.

Ein Rattenschwanz von Routine-Anrufen, größtenteils von Astro-Büros oder Vorstandsmitgliedern. Aber eine der Nachrichten war rot blinkend markiert. Ein Karl Manstein. Keine Identifizierung; nur ein Anruf ohne Nachricht. Und doch war sie markiert. Wanamaker verfolgte den Anruf durch Astros Sicherheitssystem zurück, und der Name Manstein löste sich vor seinen Augen auf und wurde durch den Namen Lars Fuchs ersetzt.

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